Massenbekehrungen – was davon zu halten ist

Leute unter einem Fragezeichen
© Charly Lücker / Gerd Altmann / pixelio.de

Ein Artikel bei Livenet.ch hat meine Aufmerksamkeit erregt. Nicht die Veranstaltung an sich,sondern mal wieder die unglaublichen Zahlen, die dort angegeben werden.

Zitat:
„Kiew: Hunderttausende entschieden sich für Jesus“

Das immer wieder mit angeblichen Bekehrungszahlen geprotzt wird, kennt man ja schon. Aber hier sind es nicht nur mehrere Hundert oder gar Tausend, die sich bekehrt haben sollen. Nein, hier sollen es gleich 400.000 Menschen gewesen sein, die sich während der Kampagne bekehrt haben sollen. Insgesamt sollen 800.000 Teilnehmer dort gewesen sein, die in den Straßen von Kiew gewesen sein sollen – was sie dort auch immer gemacht haben. Anscheinend waren dort hundertausende? Christen, die in den Straßen unterwegs und aktiv waren. Das größte Einzelevent soll geschätzte 150 000 Teilnehmer gehabt haben.

Wer es glaubt ist …
Glaubt man solchen Zahlen, die in bestimmten christlichen Kreisen gerne verbreitet werden, müsste sich die gesamte aktuelle Weltbevölkerung wenigstens bereits 2,5 mal zu Gott bekehrt haben. Schaut man jedoch mal nüchtern nach, findet man nichts davon. Kaum verwunderlich also, dass solche „Massenbekehrungen“ von keinerlei weltlichen Medien gemeldet werden. Nicht etwa,weil diese bewusst verschwiegen werden sollen (Verschwörung ick hör dir trapsen…). Nein, schlicht und einfach, weil sie nicht stattfinden.

Wie wird eigentlich gezählt?
Mal davon abgesehen, dass nach meiner Ansicht von nicht wenigen bei solchen Zahlen schlicht gelogen wird, gibt es auch recht abenteuerliche Zählmethoden.
Da werden z.B. bei mehrtägigen Veranstaltungen einfach die Teilnehmerzahlen jeder Einzelveranstaltung addiert. Das hier aber in fast allen Veranstaltungen immer nur dieselben Teilnehmer anwesend waren, wird schlicht ignoriert. So kann bei einer Veranstaltungswoche mit sagen wir mal zehn Veranstaltungen mit durchschnittlich 30  Teilnehmern leicht eine Meldung von 300 Teilnehmern an der Veranstaltungswoche werden. Komplett unseriös, aber absolut üblich.
Aus eigener Erfahrung – ich war z.B. mal Hauptverantwortlicher für das Seelsorgeteam bei einer Veranstaltung mit Reinhard Bonnke – weiß ich auch, dass bei solchen Veranstaltungen überwiegend Christen bei einem Bekehrungsaufruf reagieren – weil sie für irgendetwas Gebet haben möchten. Wenn 1-2% der Menschen, die als Bekehrungen gezählt werden, sich tatsächlich bekehren wollen, ist das schon eine wirklich gute Anzahl.

Pseudoevangelien
Ein weiterer Grund, warum sich bei manchen „Evangelisten“ tatsächlich eine gute Anzahl „bekehren“, ist die Qualität der Verkündigung. Da wird Gott als „Wellnes-Provider“ verkauft, welcher Fluten von Seegen für Jeden bereitet habe, der sich Christ nennt. Das die Bibel auch von den Kosten der Nachfolge Christi spricht, die nicht gerade gering sind, wird schlichtweg verschwiegen.
Da hier ein seltsames Evangelium gepredigt wird, halten diese „Bekehrungen“ auch nicht lange. Aber immerhin, solche Pseudoevangelien produzieren hohe „Bekehrungszahlen“ und damit einen guten Ruf für den Evangelisten.

Das ärgert mich nur noch
Christen sollten ehrlich und wahrhaftig sein. Das hier aber Zahlen aufgeblasen werden, finde ich nur noch ärgerlich und komplett unseriös. Denken wir eigentlich, die Welt sei völlig blöd und leicht zu verarschen? Oder verarschen wir uns nur selbst?

Christen, bleibt bei der Wahrheit! Gott hat es nicht nötig, dass für Ihn gelogen und gemogelt wird.

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

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