Lobpreismusik – was besser sein könnte

Gitarrenspieler
© Charly Lücker

Im Deutschlandfunk war ein Beitrag über moderne Lobpreismusik in christlichen Gemeinden zu hören, der betitelt war mit: „Der Siegeszug der Lobpreismusik – Ich will nur stolz auf Christus sein“

(hier zeitlich begrenzt nachzuhören)
(Nachzulesen auch hier bei Pro)

Ich finde es schon bemerkenswert, dass dieser Beitrag gebracht wurde. Normalerweise findet man unter dem Stichwort „Kirchenmusik“ nur Betrachtungen über uralte Gesangbuchlieder und klassische christliche Musik in den Gottesdiensten. Endlich ist die Lobpreismusik so in der chr. religiösen Gesellschaft angekommen, dass sie auch öffentlich besprochen wird. Wenn man bedenkt, dass diese Art Musik im Gottesdienst in den 70ern aufkam, fast schon „bemerkenswert schnell“ für kirchliche Verhältnisse.

Gut finde ich an dem Beitrag auch, dass er, direkt und indirekt angesprochen, auch hervorhebt, wo es Heute an der Lobpreismusik mangelt. Dazu möchte ich mich hier auch einmal äußern.

Zunächst zu mir und warum ich meine, mir eine Meinung dazu leisten zu können.
Ich bin musikalisch mit dem Übergang von Schlager- bis hin zur Rockmusik der 70er und 80er geprägt worden.
Seit 1978 bin ich Christ und von Anfang an mit der Lobpreis- und Anbetungsmusik vertraut. Sehr bald schon begleitete ich diese in unseren Versammlungen mit meiner Gitarre. Darin entwickelte ich mich derart, dass ich später auch den Lobpreis und die Anbetung in Gottesdiensten mit mehreren hundert Teilnehmern leitete und andere darin trainierte. Ich bin kein besonders guter Musiker, habe mich auch nie für einen solchen gehalten. Aber ich habe einen Qualitätsanspruch mit der Zeit entwickelt, der mich anspornte, das was ich tat, möglichst gut zu tun. Sowohl von geistlichen Aspekt, als auch vom musikalischen her.
Ergo habe ich eine Ahnung von dem, wozu ich hier meine Meinung äußern möchte.

Zur Musik im Lobpreis und der Anbetung Gottes vertrete ich folgende Ansicht: Jede Musik, die Gott ehrt ist geeignet um Gott damit zu loben und zu anbeten. So wie es bei der Musik ist, hängt die konkrete Auswahl schlicht vom Geschmack der Anbeter ab. Also gibt es keine „richtige“ oder „falsche“ Musik im Gottesdienst, solange diese Gott ehrt. An Diskussionen, warum bestimmte Musikstile nicht im Gottesdienst geeignet wären, beteilige ich mich längst nicht mehr. Denn die gehen in der Regel um völlig andere Dinge, als um eine würdige Form Gott zu loben und anzubeten.
Der Sinn und Zweck der musikalischen Unterstützung der Gemeinde in ihrem Gotteslob und der Anbetung liegt schlichtweg darin, dies zu tun: Den Lob und die Anbetung der Gemeinde zu ihrem Gott zu unterstützen und zu fördern. Tut sie das im konkreten Fall, ist sie so, wie sie es dort tut, richtig und angebracht. Andere, die einen anderen Geschmack haben und denen das so nicht gefällt, können in Gottesdiensten ihres Geschmacks selbst Gott inniglich loben und Anbeten. Gott ist der Erfinder der Musik und ganz gewiss nicht auf einen bestimmten Musikstil festgelegt. Und um IHN geht es ja im Lobpreis und der Anbetung der Gemeinde, oder?
Ergo hat alles seinen Platz in der Verehrung unseres Gottes: die alten Gesangbuchlieder, die klassischen Stücke, der Gospel, wie auch die moderne Lobpreismusik bis hin zum Rock, HipHop, etc. solange Gott darin geehrt wird.

Was besser sein könnte
Ich muss zugeben, dass mir selbst die Lust an vielen Lobpreis- und Anbetungsgemeinschaften vergangen ist. Nicht etwa daran Gott mit Anderen gemeinsam zu loben und anzubeten – also das bei weitem nicht. Sondern daran, wie heute Lobpreismusik oft in den Gemeinden genutzt oder vorgebracht wird.

Jede noch so kleine und auch in größeren Gemeinden, in der Christen ihr musikalisches Talent zur Unterstützung der Gebetszeiten einbringen, sei auch von mir ermutigt, dies in aller Freude und Leidenschaft zu tun. Hier kommt es vor allem darauf an, dass die Gemeinde in ihrem Tun unterstützt wird. Geschieht das, ist das klasse und gut. Weiter so!

Doch immer mehr verbreitet sich die Vorstellung, ein Lobpreismusiker zu sein, sei vergleichbar mit professionellen Darbietungen anderer, professionellen Musikern. Genau hier kommt dann der Wurm, der den Genuss, Gott gemeinsam anzubeten, verdirbt.
Das diverse Musiker in solchen Bands eine zu hohe Meinung über ihr Können haben, ist nicht schlimm. Zumindest solange nicht, wie sie auch konstruktive Kritik von Anderen, die es tatsächlich besser können, anzunehmen bereit sind. In seinem Tun zur Ehre Gottes immer besser werden zu möchten, ist ja gut und angebracht. Wer sich nicht weiterentwickeln kann, sei ermutigt, sein Können dennoch einzubringen. Jeder in seinem Rahmen halt. Es geht ja um Gott und  um die Anbetung Gottes in der Gemeinde.

Doch mehr und mehr verwechseln Lobpreisleiter ihre Aufgabe mit einer Bühne, auf der sie sich selbst und ihr vermeintliches Talent präsentieren können. Selbst kleine Gemeinden bringen mehr und mehr einen völlig überzogenen Aufwand an Technik etc. auf, um ihrer Lobpreisband ihr Tun zu ermöglichen. Eine PA, mit allem Drum und Dran, womöglich auch noch eine Lighthshow für gerade mal 20-30 Gottesdienstteilnehmer ist einfach nur überzogen und albern. Wer meint soviel für so wenig zu brauchen, sollte seine Motivation überprüfen.

Ich habe eine Aufzeichnung einer Konferenz mit mehreren tausend Besuchern in Deutschland gesehen, die mit einer bombastischen Lightshow begann. Die Musik setzte ein und man erwartete nun hervorragende Musiker und entsprechende Musik. Doch dann setzten die Sänger mit einem absolut durchschnittlichen Lobpreissong, von offensichtlichen Laien herrlich schräg gesungen, ein. Der emotionale Absturz der dem folgte, kann man sich leicht vorstellen. Ein gutes Beispiel von der Selbstüberschätzung diverser Lobpreismusiker.

Im Radiobeitrag ist im Hintergrund ein Lied zu hören, welches tatsächlich auf eine professionell produzierte CD geschafft hat. Hier zum reinhören:

(Hier zu finden)
Ein wirklich gutes Beispiel dafür, dass wir hier dringend professionellen Verstand brauchen um uns mit unseren Darbietungen nicht lächerlich zu machen. Ich meine damit nicht den Song selbst. Sondern das näselnde, knödelnde Singen des Vortragenden. Furchtbar! Und das unter dem professionellen Label, unter dem das vertrieben wird.
Man muss nicht gut singen können, um den Lobpreis in einer Gemeinde zu leiten. Aber wenn man CD’s aufnimmt, um diese für gutes Geld zu vertreiben, muss da viel bessere Qualität geliefert werden.

Eine weitere Unart, die sich auf unseren Gemeindebühnen verläuft ist, dass die Musiker sich vorkommen, wie Stars der Musikszene. Zumindest benehmen sie sich dort so. Durch ihr Tun lenken sie die Aufmerksamkeit von Gott weg auf sich selbst. Völlig daneben.
Manche Gitarristen und Bassisten halten ihr Instrument sehr tief. Als Gitarrist weiß ich, dass die damit notwendige Handhaltung sogar schädlich ist. Aber damit nicht genug. Sie ahmen damit anderen Musikern nach, die dies in der säkularen Musik tun. Doch dies wird unter solchen Musikern salopp als „beim Gitarrespielen am Sack kraulen“ bezeichnet. Denn in der säkularen Musik dient diese Präsentation des Instruments als symbolische Verlängerung der sekundären Geschlechtsteile! Bei allem Verständnis, aber was hat solches bei der Verehrung Gottes im Gottesdienst zu suchen? Das ist nun wirklich keine Geschmacksfrage mehr.

Zur aktuellen Lobpreismusik
Leider stelle ich fest, dass eine Kritik hier wirklich angebracht ist. Mit den Jahren vertiefte sich die Lobpreismusik Qualitativ im musikalischen als auch im textlichen mehr und mehr. Weg vom Schlager-Einheitsbrei, hin zu mehr Qualität und Tiefe.
Doch wenn ich heute in die Lobpreismusik rein höre, höre ich zu fast 100% nur noch oberflächliche, platte Schlagermusik ohne musikalischen Anspruch. Ein Musiktypus, der extrem leicht mit „neuen“ Songs zu füttern ist. Platt, einheitlich, flach, öde.
Befassten sich die Lobpreissongs einst wieder mehr und mehr mit dem konkreten Leben der Anbetenden und bat somit den Anbetern an, ihr Anliegen vor Gott zu bringen, so ist davon kaum noch etwas zu spüren. Völlig zurecht wird das bemängelt. Musik von der Stange ist nun einfach nicht gut. Auch wenn sie sich Lobpreismusik nennt.
Immer dasselbe, immer ein solcher Einheitsbrei. Das vermiest mir die Lust an der gemeinsamen musikalischen Anbetung Gottes gründlich. Das Rumgehopse und Gehabe diverser Lobpreismusiker erst Recht.

Wer immer sein Talent einbringen möchte, um Gott Ehre, Lob und Anbetung zu bringen, der mag dies mit Freuden tun. Doch wenn er Andere in ihrer Anbetung damit unterstützen möchte, sollte nie vergessen werden, dass es um Gott und die Anbetung durch seine Gemeinde geht. Nicht um dich, lieber Musiker – egal wie gut du bist oder für wie gut du dich selbst hältst. Alles, was an Aufwand, insbesondere technischer, aufgebracht wird, muss dem selben Zweck dienen. Lenkt er von Gott ab, ist er fehl am Platz.
Wer sich musikalisch mit der Welt messen möchte, ist gefordert tatsächlich entsprechende Qualität zu bringen. Mit schrägem, geknödelten Gesang, auf lediglich halbwegs gut gespielter Musik, ist hier nichts zu reißen. Überlassen wir das doch dann den echten Profis. Denn es gibt sie und die können wirklich was.
Gegen Konzerte mit christlicher Musik ist überhaupt nichts einzuwenden. Denn bei christlichen Konzerten geht es nur sekundär um die reine Anbetung Gottes. Hier dürfen sich Musiker auch präsentieren und vorstellen. Doch im Lobpreis und der Anbetung der Gemeinde geht es nur und ausschließlich um Gott und die Anbeter.

Stimmt die Motivation der Lobpreismusiker, wird es auch wenig Kritik an ihrem Tun geben. Wenn nicht, sollten wir uns angewöhnen hinzuhören, wenn Kritik kommt. Sie könnte durchaus berechtigt sein.

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

2 Kommentare zu „Lobpreismusik – was besser sein könnte“

  1. Ich kenn mich da ja nicht so aus als Landeskirchler, aber wie ist das mit der Lobpreismusik? Singt da ne Band den Gemeindegliedern ein Ständchen, oder singen alle miteinander und vorne stehen ein paar, die halt andere Instrumente spielen als ne Kirchenorgel?
    Die zweite Sache wär, daß es mich irritiert, daß offenbar der Lobpreis Gottes einzige Motivation für das Musikmachen im Gottesdienst ist. Wenn ich an die Kirchenlieder denk, die ich so mag (Von Luther über Gerhard bis Siebald), dann wird da eher etwas für die Gemeinde beschrieben, also Lieder eher als kleine Predigt denn als Gebet, beziehungsweise jedenfalls nicht nur als Gebet (Gebetsteile kommen in den klassischen Kirchenliedern auch vor, stimmt).
    Da werden dann auf poetische Art und Weise tiefe Glaubenswahrheiten ausgedrückt. Mein Eindruck von den paar Mal, wo ich mit moderner Lobpreismusik in Kontakt kam, war eher, daß es dort „seichter“ zugeht. Gott wird gepriesen, es gibt vielleicht auch mal affirmative Aussagen zu Attributen Gottes, aber es ist weniger wie ne Predigt.
    Nur so ein Gedanke. Natürlich stimmt auch all das, was Du über die Qualität sagst, aber deshalb mag ich den Gemeindegesang so sehr: Es ist egal, wie gut man singt, es geht darum, mitzumachen, ja mitzupredigen, was man als Wahrheit angenommen hat.

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    1. Hallo Benny,
      also bei der eigentlichen Lobpreismusik ist es so, dass sie lediglich eine modernere Form der Gemeindelieder darstellt, die von der gesamten Gemeinde zum Lob und zur Anbetung Gottes gesungen werden.
      Üblicherweise sind die Musiker vor der Gemeinde, also im guten Fall in Augenkontakt mit der Gemeinde. Und die genutzten Instrumente sind idR moderne Musikinstrumente. Von der Gitarre angefangen, bis hin zu Keybord, Drums, E-Gitarre, etc.
      Wenn du auf youtube unter dem Stichwort Lobpreis suchst, findest du viele Beispiele – gute und auch weniger gute.

      Diese zweite Sache – Lieder u.a. auch als kleine Predigt – vermisse ich ja. Auch wenn selbst diese Lieder, die du erwähnst, i.d.R. auch von der ganzen Gemeinde gesungen werden. Eine Zeitlang gewann die Lobpreismusik mehr an Tiefe. Aber nach meinem Eindruck ist das längst wieder vorbei.
      Als ein Beispiel moderneren Lobpreis mit mehr Tiefe mal dieses schon fast 20 Jahre alte:

      Eben, es geht im Lobpreis und der Anbetung um die Begegnung mit Gott. Nicht darum wie professionell oder originell sich die Band vorkommt.

      Hier übrigens eine Satire die manches von dem aufgreift, was ich hier bemängle.

      Gefällt 1 Person

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