Wenn befreundete Christen mehr und mehr nach Rechts abdriften

Liebe und Hass zerreißen ein Herz
© Public Domain / Pixabay

Eigentlich sollte mich dieses Phänomen nicht verwundern oder belasten. Und doch tut es das. Nur, wie damit umgehen? Wie umgehen mit Christen, die man schon lange kennt und die sich mehr und mehr zu Rechtspopulisten entwickeln?

Da gibt es Christen, die ich schon viele Jahre kenne. Mit denen ich in Gemeinden zusammengearbeitet habe und von denen ich dachte sie gut zu kennen. Und nun muss ich sehen, wie diese sich mehr und mehr dem Fremdenhass – insbesondere dem Hass auf „den Islam“ – öffnen.
Manche predigen und lehren über Jüngerschaft und bringen mehr und mehr Hetze gegen Muslime und den Islam. Ein anderer schmückt sich im Avatar in einer Social Community mit der Kutte des Ku Klux Klan. Wieder Andere setzen ihr „like“ darunter oder kommentieren mit Parolen der Rechten Hetze. Artikel und Videos aus eindeutig rechten Quellen werden geteilt. Hinweise auf die fragwürdigen Quellen ignoriert.
Gleichzeitig nehmen sie für sich in Anspruch, ungemein bemüht in Bezug auf die richtige Lehre aus der Bibel zu sein. Natürlich meinen sie von sich, sie seien ja nur kritisch und unterlägen keinem Irrtum. Nein, Fremdenfeindlich seien sie ja nicht. Und tatsächlich wirkt ihr konkreter Umgang mit Ausländern und/oder Flüchtlingen schizophren im Vergleich zu ihren Äußerungen und zunehmenden Überzeugungen.
Argumente bewirken nichts, werden als „Unwissen“ abgetan. Und wer mich kennt, weiß, dass ich immer Gespräche suche, die mit belegbaren Argumenten gewürzt sind.

Ich denke, ich muss das nicht weiter ausführen. Womöglich kennt und erlebt ihr sowas ja auch?
Doch wie gehe ich damit um? Einzelnen habe ich klar meine Freundschaft aufgekündigt. Weil es mir zu viel wurde. Anderen kann oder will ich nicht so einfach aus dem Weg gehen.
Ich will keine Gemeinschaft mit solch einer Heuchelei haben. Ich will keine Gemeinschaft mit geäußerten Hass und Feindlichkeit haben. Ich halte solches für absolut unvereinbar mit dem christlichen Glauben und einem Leben in der Nachfolge Jesu. Ich möchte auch nicht zu solchen gezählt werden.

Doch was tun? Wie gehe ich mit solchen Glaubensgeschwistern um? Wie geht ihr damit um?
(Um Antwort wird gebeten.)

Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

9 Kommentare zu „Wenn befreundete Christen mehr und mehr nach Rechts abdriften“

  1. Gute Fragr. Ich beobachte auch, dass es unter bestimmten christlichen Kreisen einen Rechtsruck gibt, den ich nicht für möglich gehalten habe.

    Die Argumente sind dabei durchaus nachvollziehbar und logisch. Allerdings ist das eine sehr weltliche Logik. Von Christen hätte ich aber erwartet, dass mehr mit Gott gerechnet wird. Wie damit umgehen? Eigentlich wie mit jeder Form von Angst und Unglaube… Immer und immer wieder die frohe Botschaft von Hoffnung und Errettung wiederholen. Wir haben keinen Geist der Angst empfangen und brauchen uns daher nicht zu fürchten, weder vor dem Islam noch vor Rechts. Wenn Gott für uns ist…

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    1. Hallo Markus,

      was die Argumente betrifft, so erlebe ich es eher so, dass anfänglich noch durchaus diskutable Argumente vorgebracht werden. Solche finde ich als durchaus wert und fruchtbringend über diese zu diskutieren. Auch ich schwimme nicht auf der Welle alles nur gut und harmlos zu finden. Aber desto mehr die Leute nach Rechts rücken, desto verworrener und lügendurchsetzter werden ihre „Argumente“. (Eben gemäß ihrer Quellen, die sie mehr und mehr nutzen.) Dann nutzt es auch kaum noch etwas, anhand von nachweisbaren Fakten aufzuzeigen, dass der Kern ihrer Argumente nicht mehr auf Wahrheit beruht. Denn dann erlebe ich, dass es nicht mehr um sachliche Fragen geht, sondern nur noch um die Bestätigung von Gefühlen, Vorurteilen, Propaganda, Ängsten und zuletzt nur noch um Hass.

      Ich würde mich ja wirklich freuen, in einem konstruktiven Dialog, von mir aus auch Disput, mit solchen Christen zu stehen. Daraus kann man ja nur lernen. Aber mehr und mehr sehe ich, dass dies nicht mehr möglich ist.
      Dann kommen nur noch die üblichen Vorwürfe, die sich nicht mehr um die Sache drehen, sondern nur noch ehrverletzend sind. Da bin ich der „Altlinke“ (natürlich verfügen solche Leute auch nicht über die Kenntnis beurteilen zu können wer sowas tatsächlich wäre), der „Gutmensch“, der, der ja „nur keine Ahnung hat“, der, der „ja völlig geistlich verblendet ist“, usw. und noch schlimmer. Auf faktische Argumente kommen dann nur noch solche Erwiderungen. (Was uns ja Christopher hier direkt auch mal wieder vorführen musste😦 )

      Ganz ehrlich, mir ist es Ernst damit, dass ich nicht neben solchen Christen stehen will und nicht zu ihnen gezählt werden will, wenn sie ihren rechtspopulistischen Müll absondern. Dazu fällt mir Psalm 1 ein:
      Ps 1:1 Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, 2 sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht! (Rev.Elb.)
      Oder auch 1.Kor.
      1Kor 5:11 Nun aber habe ich euch geschrieben, keinen Umgang zu haben, wenn jemand, der Bruder genannt wird, ein Unzüchtiger ist oder ein Habsüchtiger oder ein Götzendiener oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder ein Räuber, mit einem solchen nicht einmal zu essen. (Rev.Elb.)
      Ich kann natürlich hier auch überzogen haben, wenn mich solche Abscheu bewegt. Abscheu nicht gegen die Geschwister, sondern mit dem mentalen Dreck, der dort abgesondert wird, eins gemacht zu werden. Deshalb ja meine Frage, wie soll ich damit umgehen?

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    2. Es gibt natürlich verschiedene Stufen zu unterscheiden.

      Es gibt ernsthafte Christen, die gegenüber rechtem Gedankengut offen sind. Vielleicht weil sie in ihrer Missionsarbeit Christenverfolgung in islamischen Ländern kennengelernt haben. Oder lassen sich durch die finsteren Nachrichten so sehr beeinflussen, dass sie nur noch die Finsternis sehen. Oder aus welchen Gründen auch immer. Und sie haben Angst und meinen das Böse mit menschlichen Mitteln abwenden zu müssen. Hier kann es Früchte tragen wieder den Fokus zurück auf Jesus, Evangelium zu lenken bis mehr und mehr Licht erkannt wird.

      Es gibt aber auch solche, deren Denken so sehr in Verschwörungstheorien und Weltuntergangsstimmungen verstrickt ist, dass sie Jesus nicht mehr erkennen können. Wenn Jesus und seine Botschaften nicht mehr Herr über mein Handeln und Denken sind, kann man kaum noch von Christen sprechen. Da sind dann meistens auch die Rituale und Traditionen, die durch die Überfremdung in Gefahr geraten, wichtiger als ernsthafte Jesus-Nachfolge. Hier kann eine gemeinsame Gemeinschaft wie in 1. Kor durchaus in Frage gestellt werden. Meiner Meinung nach aber immer nur mit dem Angebot zur Umkehr und in Liebe.

      Aber ja, irgendwann stehen wir wieder wie die Bekennende Kirche vor der Frage: Wer ist unser wahrer Herr und wo müssen wir eine Grenze setzen.

      Man bedenke im Matthäus-Evangelium ist die letzte Predigt vor der Nacht des Verrats Jesus Rede „Vom Weltgericht“: Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt. Was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben.

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    3. Ich meine, dass spätestens die Kenntnis über diese biblische Aussage:

      Und wenn ein Fremder bei dir in eurem Land als Fremder wohnt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken.
      Wie ein Einheimischer unter euch soll euch der Fremde sein, der bei euch als Fremder wohnt; du sollst ihn lieben wie dich selbst. Denn Fremde seid ihr im Land Ägypten gewesen. Ich bin der HERR, euer Gott. 3Mo 19:33+34 (Rev. Elb.)

      einen jeden Christen sehr deutlich machen sollte, wie Gottes Haltung in dieser Frage ist.
      (Das hatte ich hier im letzten November schon mal angesprochen)
      Jemand fragte mich, ob ich den Islam nicht als Irrlehre betrachten würde. Als Christ muss ich sagen, dass dies eine Irrlehre ist. Doch rechtfertigt das Propaganda dagegen bis hin zu offenen Hass? Ganz sicher nicht!

      Mich bewegt mehr und mehr die Frage, ob ein Christ, wenn er sich diesem rechten Denken öffnet, nicht gar mit seinem Heil spielt. Denn diese Haltung Fremden gegenüber steht eklatant gegen die ausgedrückte Haltung Gottes. Mir scheint, wir als Christen müssen uns fragen, ob eine solche rechte Haltung nicht stärkere Konsequenzen für uns haben kann als einfach nur eine politische Meinung zu sein. Ganz sicher ist das Zeugnis, welches diese Christen vor der Welt ablegen, alles andere als eins, welches von der Liebe Gottes zu den Menschen durchdrungen ist.

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    4. Und es finden sich noch viele weitere Bibelstellen, bis hin zu Paulus Aufforderung Böses nicht mit Bösem zu beantworten und der Liebe als höchster Tugend des christlichen Glaubens.

      Als Irrlehre würde ich den Islam nicht bezeichnen. Paulus bezeichnet als Irrlehrer eigentlich immer Lehrer innerhalb der christlichen Gemeinschaft. Das sind Lehren, die Christen unter Christen verbreiten, und entweder etwas zufügen oder wegnehmen vom „unverfälschten Evangelium“, d.h. von der Erlösung durch Jesus Christus aus Gottes Gnade.

      Der Islam ist ganz einfach eine fremde Religion, also im Grunde was die Bibel als Heiden bezeichnen würde. Und der Islam ist sicher nicht die größte Gruppe der Heiden in Deutschland. Wenn man sich die sächsischen Pegida Teilnehmer, Verteidiger des christlichen Abendlands, genauer anschauen würde, viele davon haben bestimmt seit der Konfirmation nicht mehr selbstständig in der Bibel gelesen. Deutschland ist mehrheitlich sicherlich kein Land aus entschiedenen Christen.

      Das Christentum wird wie leider so oft wieder nur als Rechtfertigung vorgeschoben, wehe aber man nimmt die Verteidiger des Christentums beim Wort und verlangt von ihnen, was Christus von seinen Jüngern abverlangte, Liebe und zwar auch Feindesliebe, Demut, Dienstbarkeit, Freundlichkeit, Sanftmut, Rechtschaffenheit, Barmherzigkeit, die Bereitschaft für das Evangelium Verfolgung zu ertragen ohne Rache zu üben, stets nur dem Guten nachzujagen, …

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    5. Ich habe bei meinen Recherchen über den Islam gelernt, dass der sich nach eigenem Verständnis auf den jüdischen und christlichen Glauben aufbaut, jedoch vermeintliche „Irrtümer“ korrigiert hätte. Demnach wäre, nach dem Verständnis des Islam, dieser als Irrlehre zu bezeichnen. Aber ich stimme damit überein, dass auch Paulus den Islam nicht als innerchristliche Verirrung bezeichnet hätte.
      Aber das ist hier jetzt eher ein Randthema. Kernthema wäre allerdings, dass diese rechten „Islamkritiker“ zumeist praktisch keinerlei echte Kenntnis über den Islam haben. Was sie natürlich nicht daran hindert, ihre „Erkenntnisse“ lauthals von sich zu geben und ihr soziales Umfeld damit zu verpesten.

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    6. Ja, der Islam versteht sich als nächste Offenbarungsstufe nach Judentum und Christentum. Im Gegensatz zum christlichen Glauben, der das AT integriert hat, oder im Gegensatz zu Mormonen akzeptieren Muslime die vorhergehenden Schriften aber nicht als Maßstab für ihren Glauben. Müssten sie zwar eigentlich, aber da sie diese für verfälscht halten, wurden nur einzelne Episoden oft in stark veränderter Weise in den Koran übernommen. Lustigerweise aber darunter auch eine Erzählung des Thomasevangeliums, die wiederum nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen wurde. Die Unterschiede sind denke ich zu groß, um es „nur“ als Irrlehre zu bezeichnen.

      Allerdings in Deutschland sind die meisten Muslime nicht fundamentalistisch sondern ehemalige Türken. Mit denen kann man meiner Erfahrung nach oft besser auch über den christlichen Glauben reden als mit vielen urdeutschen Atheisten und Kirchenhasser.

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  2. Jetzt belegt sogar eine aktuelle Umfrage meine Beobachtungen. pro- Vor allem Freikirchler wählen die AfD

    Das in Erfurt ansässige Meinungsforschungsinstitut Insa-Consulere unterscheidet bei der Frage nach der Wahl zum Bundestag nach katholischen, evangelisch-freikirchlich und evangelisch-landeskirchlich orientierten Wählern. Die Unterschiede sind signifikant. Danach entscheiden sich aktuell acht Prozent der landeskirchlichen Protestanten für die AfD. Freikirchliche Wähler liegen dagegen bei fast 17 Prozent. Bei den Katholiken sind es laut der Umfrage 12,5 Prozent. (pro)

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