Ehe für Alle oder für Keinen?

Eheringe
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Seitdem die Iren in einer Volksabstimmung entschieden haben, dass es in ihrem Land auch die Ehe für Homosexuelle geben soll, wütet eine Medienschlacht in Deutschland um diese Frage. Es gelten längst keine Fakten oder gründliche Überlegungen mehr, sondern anscheinend nur noch Polemik – wohin man auch schaut.

So, und nun komm ich und füge meinen Senf auch noch hinzu.😉 Wer mich kennt, kann sich denken, dass ich mal wieder in eine ganz andere Richtung denke. Na denn …

Das Schlagwort im Moment zu dem Thema ist „Die Ehe für Alle“. Hört sich ja toll an und irgendwie plausibel. Doch wie plausibel ist das denn? Zur Zeit bläht sich das Medienvolk wieder in unglaublicher Polemik über eine Aussage von Annegret Kramp-Karrenbauer auf, welche eigentlich, also wenn man seinen Gehirnkasten einfach mal auf Betriebstemperatur bringt statt nur dünne Luft abzulassen, durchaus wert ist einmal darüber nachzudenken. Doch diese will ich hier garnicht näher diskutieren, wer weiter liest wird bald sehen warum. Was ist Ehe noch, wenn sie für alle gilt. Und wenn man die Ehe nun weit öffnet, wer will hier, so denn der Denkkasten auch funktioniert, die Grenzen ziehen und warum eigentlich noch Grenzen?

Das, was nach meiner Meinung hier überhaupt neu diskutiert werden muss, ist, wie wir in unserer Gesellschaft Ehe definieren. Also was ist Ehe, auf welchen Grundlagen besteht sie und welchen Nutzen hat unsere Gesellschaft – die ja nun schon lange nicht mehr maßgeblich durch einen bestimmten Glauben bestimmt wird – davon, eine Ehe zu fördern?

Einst war Kultur- und Religionsübergreifend eindeutig, dass die Ehe ein besonders geschützter Stand zwischen einem Mann und einer oder mehr Frauen ist. Sinn und Zweck dieses besonderen Schutzes war so simpel wie nüchtern: Ein geschützter Rahmen um Kinder zu zeugen und zu erziehen, damit die eigene Gesellschaft nicht ausstirbt. Sehr schnell haben eigentlich alle Religionen und Kulte der Ehe einen göttlichen Sinn und Zweck zugeordnet. Einzelne Religionen, so wie ein bestimmter Part der christlichen Religion, bedeuteten der Ehe sogar einen göttlichen Willens- oder Schöpfungsakt zu. Damit wurde die Ehe so heilig, dass sie für Einzelne sogar unauflösbar wurde.
Anmerkung: Wer in seinem christlichen Glauben die Bibel als wertgebende Grundlage nimmt, wird nicht umhin kommen, dass die Ehe selbst tatsächlich kein Schöpfungsakt Gottes ist. Doch das Thema habe ich ausführlich an anderer Stelle besprochen.

Seitdem wir in unserem Land die klare Trennung zwischen Politik und Kirche haben – die Kirche also keine unmittelbare politische Macht mehr bei uns hat – ist es für unsere Gesellschaft nur sekundär von Interesse, welche Meinung Christen dazu haben. Die Ansichten der Christen stehen nun mehr oder weniger gleichwertig neben manch anderen Ansichten aus anderen Religionen und Weltanschauungen. Eigentlich maßstäblich müsste demnach das gesellschaftliche Interesse am Selbsterhalt als Volk und Nation sein. Recht nüchtern also und möglichst ohne Pathos und Ideologien betrachtet. Zu diesem simplen Zweck schützt unser Staat die Ehe und fördert sie durch besondere Rechte. Zum Einen sollen steuerliche Erleichterungen helfen eine finanzielle Grundlage für Familie zu legen, zum Anderen sollen besondere Rechte dazu beitragen, dass das Kümmern um Bedürftige möglichst durch die Ehepartner und eigene Kinder erfolgt und nicht teuer vom Staat her geleistet werden muss. Die Ehe als geschützter und besonders geförderter Stand bringt unserer Gesellschaft also einiges an Vorteilen.

Und nun „die Ehe für Alle“? Was verändert sich, wenn die Ehe nun gesellschaftlich, zunächst einmal für Homosexuelle – aber erfahrungsgemäß hört es dann hier nicht auf – geöffnet wird? Jetzt steht der Aspekt der Ehe als Grundlage für Familie im Raum. Öffnet man also nun die Ehe auch für Homosexuelle, so muss man, gesellschaftlich gesehen, zum optimalen Nutzen auch die Adoptionsrechte für Homosexuelle in diesen Ehen ermöglichen. Denn, wir erinnern uns: die Gesellschaft möchte Nachwuchs und einen geschützten Rahmen für dessen Aufwachsen.
Hier können wir uns die Köpfe heiß diskutieren, was ja auch reichlich geschieht. Oder wir können uns einfach mal anschauen, wie es um die Ehe als geschützter Raum für Kinder in Realität steht.

Was ist die gesellschaftliche Realität der Ehe und Familie in Bezug auf Kinder in unserem Land? Betrachten wir die Zahlen, so stellen wir fest, dass dieser geschützte Familienraum für einen nicht unerheblichen Anteil unserer Kinder nicht mehr existiert. Die Zahl der Ehescheidungen mit Kindern ist schon länger unverändert hoch und es zeigen sich Tendenzen, dass immer mehr Eltern ganz auf die Ehe verzichten. Die Zahl der Alleinerziehenden nimmt beständig zu – zum Teil wissentlich auch durch Politik gefördert. Die Zahl der Patchworkfamilien nimmt zu. Daran ändern bezeichnender Weise auch die Christen in unserem Land nichts. Nicht zuletzt vertreten auch Kirchenvertreter öffentlich, dass sie diese Dekonstruktion der Ehe und Familie gut und förderungswürdig finden. (Muss man als Christ nicht kapieren, weil dies aus biblischer Sicht völlig unlogisch ist. Aber was hat diese Kirche, die dies vertritt, überhaupt noch tatsächlich etwas mit Bibel und dem chr. Glauben gemein?)
Weiter nimmt die Zahl der Ehescheidungen langjähriger Ehen im hohen Lebensalter zu. Also auch hier nimmt die Zahl der Verantwortungswilligen Ehepartner ab. Da auch immer mehr Ehen ohne Kinder bleiben, muss sich letztlich doch die Gesellschaft um die bedürftigen Alten kümmern.

Fakt ist also, dass die Ehe in unserer Gesellschaft schon länger einer beständigen Dekonstruktion unterworfen ist. Die Gesellschaft leistet sich immer mehr die finanzielle Förderung von Lebensentwürfen, die zu dem eigentlich Gedanken der Ehe konträr laufen. Demzufolge wäre die Öffnung der Ehe nun auch für Homosexuelle ein logischer Entwicklungsschritt. Durch das gleichzeitige Öffnen der Adoptionsrechte auch für verheiratete Homosexuelle würde zumindest noch ein Teil der Kinder in einer definierten Familiengemeinschaft verbleiben. Was noch bleibt, ist der Aspekt der gegenseitigen Verantwortung in der Versorgung und dem Kümmern um Bedürftige. Entscheiden sich Ehepaare in Zukunft also nicht zunehmend dieser Verantwortung zu einem wesentlichen Teil durch Scheidung zu entgehen, hätte unsere Gesellschaft einen zusätzlichen Nutzen durch die Homoehe.
(Randbemerkung: Aufgrund recht nüchtern erhobenen Statistiken über die Stabilität von homosexuellen Partnerschaften, erwarte ich keine wirklich durchschnittliche lange Lebensdauer für die einzelnen Homoehen. Aber das führt in eine weitere, recht ausführliche Diskussion.)

Ist es dann eine gute Lösung, die besonderen Rechte und Förderungen der Ehe abzuschaffen, wie es Einzelne fordern? Diese Forderung erweist sich, meiner Meinung nach, sehr schnell als recht Intelligenzbefreit. Denn damit schneidet sich unsere Gesellschaft mächtig ins eigene Fleisch.  Nicht nur, dass durch den Entzug der steuerlichen Förderung eine nicht unerhebliche Anzahl von Ehen unter den Sozialhilfesatz fallen würden. Die Gesellschaft müsste dann auch etliche Betreuer stellen, weil dann auch die Ehepartner nicht mehr im Bedarfsfall füreinander verantwortlich sind. Also wenn man etwas nüchtern über diesen Vorschlag nachdenkt, so muss man dazu kommen, dass dies keine Lösung sein könnte.

Es steht nun also an, dass wir als Gesellschaft die Ehe einer neuen Definition unterziehen. Aus dem Wertemaßstab für die Ehe, der dereinst auch aus dem christlichen Glauben geprägt wurde, haben wir uns längst herausentwickelt. Faktisch muss unsere Gesellschaft eine möglichst ideologiefreie Definition der Ehe finden. Eine Definition, die faktisch auf dem gesellschaftlichen Nutzen der Ehe basiert. Eine solche Neudefinition wird aber auch bei vielen Bürgern für Aufregung sorgen, weil diese die Ehe eben gemäß ihrer präferierten Ideologie betrachten.
Wenn wir diese Neudefinition dann haben, sollte es auch jedem Paar frei stehen, ihre Ehe gemäß ihrer eigenen Überzeugungen zu gestalten – solange sie sich innerhalb der gesetzlichen Grenzen damit bewegen. Und spätestens hier kommt dann tatsächlich die Frage, ob man dann z.B. Geschwistern (wir befinden uns gerade in dem Prozess den Inzestparagraphen für Erwachse Geschwister abzuschaffen!) noch die Ehe verweigern kann. Oder vor der berechtigten Frage, warum dieser Schutz dann nur noch für zwei Menschen pro Ehe und nicht auch für Vielehen gelten soll. Welchen nüchternen Grund gibt es für eine Gesellschaft dann noch, dies zu verweigern? Wenn doch ideologische Gründe nicht länger Maßstab für die Ehe sind, sondern rein nüchtern wirtschaftliche?

Dies bedeutet dann eben auch, dass Christen weiterhin die Freiheit haben, ihre Ehe auf der Grundlage ihres gemeinsamen Glaubens zu leben. Eine gesellschaftliche Freigabe der Ehe muss also nicht dazu führen, dass christliche Ehen ihren Wert verlieren. Evtl. könnten Christen zukünftig dann dadurch auffallen, dass christlich geschlossene Ehen aus echter Überzeugung derart geschlossen werden. Und wer weiß? Vielleicht fällt in der Gesellschaft dann auf, dass u.a. solche Ehen stabiler und gesellschaftlich nützlicher sind? Ich halte das für durchaus vorstellbar.

Fazit für mich als überzeugter Christ: Hören wir als Christen doch bitte damit auf ein Ehebild zu malen, welches mit der gelebten Realität fast nichts mehr gemein hat. Hören wir doch damit auf, ideologische Scheingefechte zu halten. Lasst uns doch besser damit beginnen, zu akzeptieren in welchen gesellschaftlichen Entwicklungen wir stecken, um durch Vorbild letztlich zu überzeugen, dass Ehen auf fester religiös geprägter Basis auch für unsere Gesellschaft deutlich besser sind.
Ob wir das hinkriegen?

Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

2 Kommentare zu „Ehe für Alle oder für Keinen?“

  1. Ich danke für diesen Beitrag. Fangen wir mal mit der zuletzt gestellten Frage an. Ich lebe jetzt seit dem 29.11.2013 in zweiter Ehe in einer sog. Patchwork Familie. Meine jetzige Ehefrau (rechtsgültig getraut durch das Standesamt Königswinter!) hat zwei erwachsene Kinder – naja, fast erwachsen! – und ist Witwe aus erster Ehe. Also durch Tod geschieden. Allein das ist schon eine Konstellation, die uns fast den Status von Aliens gegeben hat. Verwitwet? Verheiratet? Ich weiß noch die Kommentare aus dem Freundeskreis, als ich das verlauten ließ. Diese reichten von „Oh Gott, was wollt ihr?“ bis zu „eh geil, Alter!“ Kaum einer freute sich ehrlich darüber, daß für zwei Menschen eine Zeit der Einsamkeit und Durststrecke zu Ende ging und nun ein neuer Weg für beide offen war. Und noch weniger Menschen (leider auch sog. wiedergeborene Christen!) konnten wir erklären, daß dies Gottes Wille war und er uns vor seinem Thron verheiratet hatte. Sience fiction? In unserer heutigen Welt auf jeden Fall. Heute kommen die gefallenen Engel per Ufos auf die Erde, (komisch, im Alten Testament ging das auch ohne), ist ein neuer Atheismus dabei, auch elementare Wahrheiten unseres Herrn zu verleugnen und Gott an allem die Schuld zu geben, was in der Welt passiert. Der Teufel kann heute hingehen und behaupten, es gibt keinen Gott und die ach so „Weisen der Welt“ – oder „Waisen“, weil von allen guten Geistern verlassen – nicken einmütig und stoßen alle in das gleiche Horn.

    Und wir regen uns darüber auf, daß die Ehe, jener so perfekt von Gott gedachte und geschaffene Rahmen für zwei erwachsene Menschen, in dessen Schutz Familien entstehen, Kinder geschützt aufwachsen und Beziehungen gedeihen können heute fast schon zerschlagen wird, um Sünde und Ichbezogenheit weiter zu fröhnen?

    Sind wir doch mal ehrlich: Warum überhaupt heiraten? Wer keine Kinder mag, braucht auch keine Ehe – jedenfalls nach katholischem Dogma. Die Ehe diene nur der Zeugung von Nachwuchs, damit – katholische Lesart – die Kirche neue (natürlich zahlende) Mitglieder hat. Nun, auf so ein Ansinnen habe ich damals, bevor ich Christ wurde und noch katholisch war, schon das internationale Zeichen für Dankeschön (Stinkefinger) präsentiert. Und spätestens seit den 70ern galt es: „Wer zweimal mit demselben pennt, gehört schon zum Establishment!“ Aber was ist mit unseren Gefühlen? Mit unserem Bedürfnis nach Nähe? Mit dem Wunsch, sein Leben zu teilen? Der Mensch ist kein Einzelgänger, so wurde er nicht geschaffen! Von Anfang an war und ist der Mensch auf Gemeinschaft ausgelegt, wo er gedeihen kann und Entwicklung möglich ist. All dies geht nicht mit der heutigen Ichbezogenheit einher.
    Mitte Mai wurde ein Cousin meines Schwiegervaters mit 79 Jahren nach einem schweren Krebsleiden beerdigt. Mit seiner Frau war er jahrzehntelang nicht nur verheiratet, sondern in inniger Liebe verbunden. Seine Krankheit dauerte ein Jahr und gab ihm und Familie und Freunden die Gelegenheit, sich zu verabschieden. Und auch sein letzter Wunsch wurde erfüllt: Seinen letzten Geburtstag noch zu erleben. So war denn auch die Trauerfeier entspannt und nicht von Zerwürfnissen, überbordender Trauer oder Schuldgefühlen getragen. Es war ein Gehenlassen und gleichzeitig für diejenigen, die gläubig sind, eine Gewißheit, ihn wiederzusehen.

    Was hat dies mit dem Thema zu tun? Sehr viel. Unsere Seele ist sehr verletzlich, Gefühle können entweder Freude oder Qualen bringen, Situationen uns überfordern und aus der Bahn werfen, traumatisieren, ja sogar töten. Wir Menschen brauchen ein Gegenüber, einen Menschen, den wir lieben und der uns lieben kann und schützt – in Wechselwirkung. Ich denke, daß bei aller Diskussion um das Thema Ehe der Faktor Liebe komplett rausgefallen ist. Letztlich geht es doch nicht um Moral! Die überlasse ich den Religionen. Es geht bei der EHE um elementare Dinge, die von Gott dem Schöpfer gegeben, mit denen wir geschaffen wurden und die wir befriedigen müssen, um gesund zu sein und zu bleiben. Und die kann man nun einmal nur in einem geschützten Rahmen erleben. Gott sah, daß alles sehr gut war. Wer will dem widersprechen? Ich jedenfalls nicht.

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    1. Hallo Christian,
      als auch ein Mann, der ebenfalls in seiner zweiten Ehe lebt, kann ich vieles nachvollziehen, was du schreibst. Es hat schon seinen Grund, warum ich mich mit dem Thema Ehe in der Bibel derart intensiv auseinandergesetzt habe.
      Worum es Gott bei der Ehe geht, ist ja die ethische Grundlage, die wir als Christen haben. Ich glaube wie du, dass der eheliche Schutz des „Ein-Fleisch“ wichtig und richtig ist. Ich glaube auch, dass die Welt sich etwas vormacht, wenn sie diesen Aspekt, den du beschrieben hast, auszuklammern versucht. Tatsächlich gibt es heute nicht nur Philosophen, sondern auch zunehmend Psychologen und Psychotherapeuten in dieser Welt, die diese wichtigen Zusammenhänge verstehen lernen. Mag sein, dass die Welt durch die schmerzliche Erfahrung des Verlustes dieser Sicherheit, welche die Ehe bietet, lernt, wie wichtig diese ist.
      Doch wir als Christen werden durch eine sture Haltung und einer missionarischen Haltung, mit der wir die Welt unter ein chr. Dogma zwingen wollen, heute nichts mehr erreichen.
      Daher mein Appell, dass wir Christen statt Polemik, nüchternen Sachverstand hier Raum geben sollten und die Welt durch unser Zeugnis überzeugen. Das aber verlangt von uns, dass wir mit offenen Augen betrachten, was unter uns Realität ist und was lediglich ideologisches Wunschdenken. (Oder schlimmer noch: ideologische Verbohrtheit.)

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