Wie beginne ich ein Gebet?

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Mit dem Beten ist das so eine Sache. Wie man das macht und was Gebet eigentlich ist, darüber gibt es unglaublich viele Gedanken und Überzeugungen. Immer wieder findet man Texte dazu. Das ist ja auch eine gute Sache, darüber nachzudenken, wie man denn mit dem Gott, der alles erschaffen hat, richtig redet. Die Überzeugungen, wie man Gott richtig anspricht, ändern sich auch durch die Veränderungen unserer Kultur.

Heute findet man eine große Bandbreite an Arten, wie Christen beten. Vom zitieren vorformulierter Gebete bis hin zum netten Plausch mit „Papi“.

Jüngst habe ich einen Artikel in der amerikanischen „Charisma“ gefunden, welcher sich mit der Frage beschäftigt, wie man ein Gebet in seiner Anbetungszeit beginnen könne. Folgende Vorschläge listet die Autorin auf:

  • Ich segne dich, Herr (Im deutschsprachigen Raum eher eine ungewöhnliche Formulierung, aber tatsächlich biblisch)
  • Ich danke dir für diesen Tag
  • Wunderbar sind die Werke deiner Hände
  • Wie schön sind deine Wege
  • Du suchst und kennst mich
  • Ich öffne dir mein Herz
  • Du schenkst mir deine Gunst
  • Ich bete dich an, Herr
  • ich erhebe deinen Namen
  • Ich liebe dich, Herr

Tatsächlich sind gerade die ersten Worte, die man an Gott richten will, für viele ein Problem. Hört man Betern zu, so findet man leicht die beständige Wiederholung bestimmter Floskeln. Oft hören sich diese Floskeln eingeschliffen und ohne wirklichen Bedacht geäußert an. Eben etwas, was man sehr oft sagt und dem deshalb nur noch wenig Aufmerksamkeit widmet.

Als ich den oben genannten Artikel überflog stellte ich mir spontan die Frage, warum man es sich so schwer macht. Ich erinnere mich, dass ich mir schon vor längerer Zeit (ich bin jetzt über 36 Jahre Christ) Gedanken darüber machte, wie ich Gott ansprechen oder überhaupt mit ihm sprechen will. Gebet hat sich bei mir mit der Zeit zu einem ungezwungenen Gespräch mit Gott entwickelt. In meiner Art richte ich mich danach, wie ich es gewohnt bin mit jemanden zu sprechen, der mir sehr nahe steht, zu dem ich ein Liebesverhältnis habe und der mir sehr wertvoll ist.

Man kann hier einen Vergleich dazu anstellen, wie man seinen (Ehe-)Partner anspricht. Wenn man diesen in einer ähnlichen Art ansprechen würde oder mit ihm sprechen würde, wie wir es so oft mit Gott tun, was wäre wohl dessen Reaktion?
So in etwa wie: „Liebevolle Ehefrau die du mein bist…“ oder „Mein Schatz, die du lebst mit mir in unserem Haushalt…“ oder welch eine förmliche Redewendung wir im Gebet auch verwenden mögen. Würde uns unser Partner nicht bald fragen, ob wir nicht doch entspannter sein könnten oder ob uns eigentlich nichts anderes mehr einfällt?

Ein Buchtitel fällt mir ein, von einem Buch, welches ich vor vielen Jahren gelesen habe und das immer noch faszinierend ist: „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna!“ Stimmt, so einfach kann es sein. Sagte nicht Jesus, dass es in Bezug auf unsere Annäherung zu Gott gut ist, uns wie Kinder zu verhalten? Einfach, ungestelzt und völlig ohne Arroganz und Argwohn. Also, warum Gott nicht ansprechen, wie wir es auch sonst tun. Warum nicht einfach ein „Hallo“ oder „Hör mal Jesus“ an den Anfang unseres Gebets setzen?

Ich erinnere mich, wie ich als noch ganz frischer Christ brav meine „Stille Zeit“ absolvierte. Ich hatte also eine regelmäßige Zeit, die ich zum Bibellesen und beten verwendete – eben so, wie es uns gesagt wurde, wie man das als guter Christ so machen würde. An dem Tag las ich in der Bibel, was Jesus so über Gebet sagte. Sinngemäß las ich, das Jesus seinen Jüngern sagte, dass sie besser nicht nur in Worten Gott anbeten, sondern vielmehr in Taten. Was ich so verstand, dass wir uns nicht auf Gebete irgendeiner Art reduzieren sollen, sondern selbst zu einem beständigen Gebet vor Gott werden sollten. Dass unser Leben ein Gebet sein soll, besser als nur unsere Worte.
Wenn ich das umsetze, also davon ausgehe, dass ich in beständiger, enger Gemeinschaft mit Gott bin, dann ändert sich auch meine Ansprache wenn ich mit Gott reden will. Ich spreche ihn nicht länger als jemand an, der bis zu diesem Zeitpunkt in relativer Entfernung von mir war und dessen Aufmerksamkeit ich erlangen möchte. So kann ich also ganz ungezwungen Ansatzlos ins Gespräch mit ihm kommen. Eben genau so wie wir es auch mit unseren Partnern tun, wenn wir mit ihnen zusammen sind. Da bedarf es nicht jedes mal einer speziellen Ansprache. Ich brauche also nicht beten: „Lieber Gott, der du bist im Himmel. Ich will dich eigentlich nicht mit solchen Kleinigkeiten belästigen. Aber es regnet so stark und deshalb würde ich mich freuen, wenn du mir doch einen Parkplatz, nahe am Eingang zum Supermarkt reservieren könntest!“. Ich kann dann auch sagen: „Boh, regnet das aber. Hast du einen Parkplatz für mich, von dem aus ich nicht so weit zum Eingang laufen muss?“.

Eins noch: Übertrage deine Gebetsgewohnheiten einfach mal auf normale Gespräche mit einer anderen Person. Würdest du dann genauso reden? Manche wiederholen ihre Anrede an Gott beim Beten beständig. In etwa: „Vater, ich bitte dich, Vater, dass du uns deine Gnade schenkst, Vater. Vater, bitte segne uns, Vater, wenn wir heute zusammenkommen, Vater. …“ Hör dir selbst einfach mal zu und frage dich, ob du so angesprochen werden möchtest. Wenn nicht, dann erweise doch Gott den Respekt, mit ihm auch einfach ganz normal zu sprechen.

Letztlich entspanne ich mich mit dem Gedanken: „Wie gut, dass du soviel Geduld mit uns hast. Was machen wir es aber auch oft so kompliziert!“🙂

Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

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