Shitstormdemokratie vs Meinungsfreiheit

wütender Mob
© Public Domain

Ein aktueller Fall beschreibt den bedenklichen Wandel unserer Gesellschaft. Insbesondere weil es hier um die Reaktion einer Zeitungsredaktion auf einen Shitstorm gegen eine freie Mitarbeiterin geht.

Der Fall: (Quelle pro-medinenmagazin)

Eine Kolumnistin hat am Sonntag im Westfalenblatt dazu geraten, Kinder nicht an der Hochzeit zweier Homosexueller teilnehmen zu lassen. Es folgte ein Shitstorm gegen die Psychologin. (Richtigstellung: Sie ist Diplom-Soziologin) Das Westfalenblatt gab heute die Entlassung der Frau bekannt.

Ein 43jähriger Vater wandte sich an das Blatt. Er wusste nicht wie er mit der Einladung an seine zwei Töchter (6 und 8 Jahre alt) zu der Hochzeit seines Bruders und seines Lebensgefährten umgehen sollte. Seine Töchter sollten dort die Blumenmädchen sein, die vor dem Paar Blütenblätter und Blumen verstreuen. Er selbst hält diese Homoehe seines Bruder für unangemessen, obwohl er seinen Bruder und dessen Lebensgefährten sehr schätzt. Er habe seinen Töchtern beigebracht, das die Ehe eine sehr ernste Sache zwischen Mann und Frau ist. Zudem möchte er eigentlich nicht, dass diese sich in diesem Alter bereits mit der Frage der sexuellen Orientierung befassen müssen.

Die Psychologin Eggert beschäftigt sich in ihrer Kolumne „Guter Rat am Sonntag“, die in der Zeitung „OWL am Sonntag“ erscheint und zum Westfalenblatt gehört, regelmäßig mit Leserfragen. Sie antwortete dem Mann in einer Weise, die viele als Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften empfanden. Es müsse nicht sein, dass sechs- und achtjährige Kinder zu solch einer Hochzeitsfeier eingeladen würden. Sie schrieb: „Ich gebe Ihnen Recht, Ihre Töchter würden durcheinandergebracht und können die Situation Erwachsener nicht richtig einschätzen. Sagen Sie Ihrem Bruder, dass Ihre Kinder an der Feier nicht teilnehmen, weil Sie nicht möchten, dass die Kinder verwirrt werden.“

In einer späteren Stellungnahme erklärte Die Psychologin, dass es „hier nicht um meine Weltanschauung oder einen gesellschaftlichen Konflikt, sondern um ein ganz privates, nicht repräsentatives Problem eines verunsicherten Vaters“ gehe. Es ging ihr also darum, die konkrete Situation zu erfassen und darin einen konkreten Rat zu geben. Es ging explizit nicht um eine grundsätzliche Aussage in Bezug auf Homo-Hochzeiten und Kinder.

Die Antwort der Kolumnistin zog einen Shitstorm in Netz nach sich. „Westfalenblatt druckt homophoben Ratgeber“ titelte Stern.de. „Das @westfalenblatt empfiehlt, Kinder von Schwulen fernzuhalten. Ich empfehle, sich vom Westfalenblatt fernzuhalten“, twittert eine Leserin und postet ein Foto des Artikels. „Mein guter Rat an das #westfalenblatt: Sucht euch eine neue Autorin“, schreibt ein anderer. „Und wer schützt mein Kind vor solchen Menschen, die glauben, Homosexualität sei unnormal und hätte was mit Verwirrung zutun?“, ist ebenfalls als Reaktion auf Twitter zu lesen. Auch bei Facebook empörten sich die Nutzer. „Das Westfalenblatt sucht Autoren. Voraussetzungen: Minderheiten doof finden, die Welt nicht mehr verstehen und sich für keinen Schwachsinn zu schade sein“, heißt es dort unter anderem.

Die Zeitung selbst entschuldigte sich am Dienstag in einer Stellungnahme für den Inhalt der Kolumne. Man habe Verständnis dafür, dass beim Lesen des Textes der Verdacht der Homophobie entstehen könne. Es handele sich um eine „journalistische Fehlleistung“ und es fehle die Erklärung, warum die Kinder „verwirrt“ werden könnten. Nämlich deshalb, weil den Kindern „bisher jegliche Aufklärung über Homosexualität fehlt“. …

… Am Mittwoch reagierte das Westfalenblatt erneut und gab die Entlassung der freien Autorin bekannt. Der Artikel hätte so nie erscheinen dürfen und sei mit der Redaktion nicht abgestimmt gewesen. Man distanziere sich von dem Inhalt. „Frau Eggert wird fortan nicht mehr für uns schreiben, wir werden ihre Kolumne beenden“, lautet die endgültige Entscheidung des Unternehmens.

Bezeichnenderweise war hier der immer beliebtere „Shitstorm“ sogar über die berufliche Zukunft dieser Psychologin der Redaktion wichtiger, als ein vernünftiges Abwägen und ein grundsätzliches Bemühen um eine objektive Meinungsbildung. Um es ganz konkret zu fassen: Hier wurde die kollektive Dummheit einer wilden Gruppe höher gewertet, als jede rationale Abwägung.

Wie komme ich zu einer solch harschen Aussage? Diverse Studien haben ergeben, dass die durchschnittliche Intelligenz von Gruppenentscheidungen immer mehr abnimmt oder rudimentärer wird, desto größer die Gruppe und desto emotionaler die Situation ist. Das bedeutet, dass ein solcher „Shitstorm“ eine moderne Form einer Meinungsäußerung auf primitivsten Niveau ist. In einem solchen werden lediglich Pöbeleien ohne jedwede tiefere Reflektion der Situation von sich gegeben. Solches kennen wir bisher unter dem Phänomen des „wütenden Mob“. Ein ebenso bekannter Ausdruck ist hier sehr passend die „Lynchjustiz“. Durch die neuen Medien im Internet wurde dieses bisher natürlich begrenzte Phänomen bis in einem völlig perversen Ausdruck Expandiert. Um so mehr darf solchen „Shitstorms“ in unserer Gesellschaft vernünftigerweise kein relevanter Wert zugesprochen werden. An einem solchen „Shitstorm“ teilzunehmen bedarf lediglich einzelne Klicks auf Bewertungsbuttons oder Kommentare abzugeben, über die maximal nur Sekunden nachgedacht wurde. Jeder Mensch, der über einen halbwegs normalen Verstand verfügt, würde nach einem längeren Reflektieren über die Sache selbst, nicht an einem „Shitstorm“ teilnehmen. Ein „Shitstorm“ ist also weder reflektiert, noch konstruktiv, noch irgendwie tatsächlich Aussagekräftig. Es ist einfach nur ein Sturm primitivster Gruppendynamik. Es ist ein primitives Rudelverhalten, mehr nicht.

Gerade aber die Meinungsbildner unserer Gesellschaft, wozu ja insbesondere auch die Medien gehören, dürfen sich nicht einer derart primitiven Äußerungsform unserer modernen Gesellschaft beugen. Wer sich dem Mob beugt, gibt dem Pöbel Macht.

Genau das aber hat die Redaktion des Westfalenblatt am Mittwoch getan. Offensichtlich haben hier die Verantwortlichen nicht das Rückgrat bewiesen, über solche Pöbeleien zu stehen.

Sind wir wirklich bereit das Schicksal von Menschen heutzutage solchen wütenden Mobs anzuvertrauen und widerstandslos diese dem Mob hinzuwerfen? Sind wir alleine durch Massenphänomene des Internets so Rückgratslos geworden? Leider gibt es immer mehr solcher erbärmlichen Beispiele, wo Verantwortliche sich einem solchen dummen und primitiven Mob ergeben, statt mutig zu den wichtigen Werten unserer Gesellschaft zu stehen und sich loyal zu denen zu stellen, die dort angegriffen werden. Hier ist Zivilcourage gefragt und gerade die Medien sollten aufhören, über derartige „Shitstorms“ positiv zu berichten. Dabei ist es völlig egal, um welches konkrete Thema es geht.

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

13 Kommentare zu „Shitstormdemokratie vs Meinungsfreiheit“

  1. Offenbar gab es zwei Versionen des Artikels, die sich dann auch noch unterschiedlich differenziert lesen:

    http://www.westfalen-blatt.de/Ueberregional/Artikel/1981377-In-eigener-Sache-Stellungnahme-zum-Artikel-Unsere-Toechter-schuetzen

    Das Problem ist: Zeitungen sind in erster Linie Wirtschaftsunternehmen, deren Ziel es ist, Geld zu machen. Und negative Publicity sorgt dafür, daß weniger Geld verdient wird, also muß sie vermieden werden. Das ist Mist, aber so funktioniert das System.

    Also wird immer nur das gebracht, was die Leute eh hören wollen. Das sorgt für einen ganz eigenen Konformitätsdruck auch bei denjenigen, die die geistige Enge früherer Jahrzehnte beklagen.

    Das wissen natürlich auch diejenigen, die bestimmte Themen in die Öffentlichkeit bringen wollen und sich selbst vielleicht als besonders engagiert für bestimmte Gruppen darstellen. So ist es dann zu erklären, daß etwa queer.de solche Nachrichten pusht. Dadurch bekommen sie viele Likes, werden weitergeteilt und werden bekannt.

    Daß die Autorin zumindest für die undifferenziertere Version des Artikel wahrscheinlich gar nichts kann (sondern irgend ein Redakteur, der halt Platz sparen mußte), steht auf einem anderen Blatt und ist auch egal, weil das schon wieder zu komplex ist, um es zu verstehen. Solche Nachrichten werden nie so viral werden wie die erste, weil man eben nochmal nachdenken muß.

    (Hier könnte man jetzt lange Abhandlungen über die Sündhaftigkeit und Verlorenheit der Welt einfügen)

    Wir hatten über Pfingsten in Speyer gerade ökumenischen Kirchentag, bei dem auch ein ökumenischer Leitfaden zwischen Landeskirche und Bistum unterzeichnet wurde, der sich durchaus sehen lassen kann. Die Medien haben aber, soweit ich das wahrgenommen habe, nur auf Frauenweihe im der katholischen Kirche und gemeinsames Abendmahl geachtet. Das wurde freilich nicht erreicht (dazu wäre auch eher Rom der Ort und nicht Speyer), aber alles andere lies man unter den Tisch fallen. Das hat sicherlich auch mit Unwissen seitens der Journalisten zu tun, so durfte ich im Videotext lesen, daß Kirchenpräsident Schad KirchenTAGSpräsident sei… und dafür zahl ich Rundfunkgebühren…

    Ja, es ist enttäuschend, wie die Dinge laufen, gerade auch wenn es um die berufliche Existenz geht. Aber ich sehe nicht, wie es zu ändern wäre. Was wir tun können, je individuell, ist, uns zu überlegen, ob und inwieweit wir bei solchen Shitstorms mitmachen, und ob es sich nicht eher für einen Christen gehören würde (da ist er wieder, der Konformitätsdruck), Gegendarstellungen zu formulieren und zu verbreiten. Damit macht man sich freilich auch zur Zielscheibe.

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  2. Ich muss aus meinem Hintergrund sagen, dass ich diese Anfrage eh für viel zu komplex empfinde, als dass man diese in einer begrenzten Zeitungskollummne beantworten sollte. Dies zu versuchen, war schon keine Glanzleistung. Dennoch rechtfertigt dies in keiner Weise die Reaktionen.

    Wenn Zeitungen sich in erster Linie als Wirtschaftsunternehmen, deren Ziel es ist, Geld zu machen, verstehen, dann haben sie eh schon längst den Boden seriöser Medien verlassen. Denn die Medien haben als sogen. „vierte Gewalt“ in unserer Gesellschaft eine wichtige Aufgabe. Und wenn sie diese, zugunsten einen blöden Masse, so leicht aufgeben, haben sie eigentlich nichts mehr anzubieten.

    Eins sollte eigentlich jedem halbwegs ernsthaften Christen klar sein: Niemals an einem Shitstorm teilzunehmen. Denn wenn man dies tut, solidarisiert man sich mit dem primitivsten und abstoßendsten Äußerungen, die in den Medien zu finden sind. Man solidarisiert sich mit abstoßender Dummheit.

    Mich zu einer Zielscheibe zu machen, weil ich, wie hier, eine Gegenposition zu dem Konformitätsdruck einnehme, nehme ich gelassen hin. Wer zu feige ist, eine Meinung zu haben und auch zu äußern, sollte eh nichts im Internet posten. Ein ggf entstehender Shitstorm gegen mich, wird auch sehr schnell wieder abebben – siehe zB der Fall Pastor Olaf Latzel.

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  3. Wenn Zeitungen sich in erster Linie als Wirtschaftsunternehmen, deren Ziel es ist, Geld zu machen, verstehen, dann haben sie eh schon längst den Boden seriöser Medien verlassen.

    Da gebe ich Dir Recht. Trotzdem müssen sie Geld verdienen, und wenn sie derart negativ auffallen, brechen die potentiellen Inserenten weg (was, bei den Homophoben inseriert Ihr?) und die Käufer werden vielleicht auch weniger… Ich sag nicht, daß ich das gut finde, aber es scheint mir so zu sein.

    Denn die Medien haben als sogen. “vierte Gewalt” in unserer Gesellschaft eine wichtige Aufgabe. Und wenn sie diese, zugunsten einen blöden Masse, so leicht aufgeben, haben sie eigentlich nichts mehr anzubieten.

    Auch da gebe ich Dir Recht. Aber wenn die „blöde Masse“ nicht bedient wird, geht eh alles zu Ende. Wenn also die Wahl besteht zwischen nix anzubieten und nix anzubieten aber wenigstens nen Job…?

    Eins sollte eigentlich jedem halbwegs ernsthaften Christen klar sein: Niemals an einem Shitstorm teilzunehmen. Denn wenn man dies tut, solidarisiert man sich mit dem primitivsten und abstoßendsten Äußerungen, die in den Medien zu finden sind. Man solidarisiert sich mit abstoßender Dummheit.

    Grundsätzlich ja, aber: Wer defniniert, was ein Shitstorm ist und was eine breit vorgetragene Kritik an gesellschaftlichen Mißständen ist? Das hängt auch immer ein wenig vom Standpunkt des Betrachters ab, wie die Unterscheidung zwischen Freiheitskämpfern und Terroristen…
    Wir sind uns beid er Bewertung dieser Aktion weitgehend einig (queer.de fiel mir sowieso schon öfters negativ auf, und das obwohl ich FÜR die volle Gleichberechtigung dr sog. Homo-Ehe bin, nur so nebenbei).

    Mich zu einer Zielscheibe zu machen, weil ich, wie hier, eine Gegenposition zu dem Konformitätsdruck einnehme, nehme ich gelassen hin. Wer zu feige ist, eine Meinung zu haben und auch zu äußern, sollte eh nichts im Internet posten.

    Auch da hast Du nicht unrecht, aber die Einteilung in feige/mutig ist mir zu billig. Als ich damals bei der Petition gegen die Internetsperren a la Zensursula mitmachte (und das zu einem Zeitpunkt, als noch nicht abzusehen war, wie viele da mitmachen würden, also relativ früh) und ich kurz darauf vom Bundeswirtschaftsminister mitsamt der anderen Mitzeichner als Pädophiler betitelt wurde hatte ich schon ein wenig Bammel, wie sich das wohl auf meinen weiteren Lebenslauf auswirken würde. Auch als ich später auf meinem Blog bei dem Fall über die in Köln vergewaltigte Frau, der die katholischen Kliniken die Pille danach verweigerten schrieb

    https://bundesbedenkentraeger.wordpress.com/2013/01/18/kolner-vergewaltigung/
    https://bundesbedenkentraeger.wordpress.com/2013/01/18/neues-aus-koln/
    https://bundesbedenkentraeger.wordpress.com/2013/01/24/netzfunde-donnerstag-24-januar-2013/
    https://bundesbedenkentraeger.wordpress.com/2013/01/31/die-pille-danach/

    und versuchte, einen anderen Standpunkt einzunehmen, waren die Reaktionen nicht ohne – und daß obwohl mein Blog kaum bekannt ist.

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  4. Wer defniniert, was ein Shitstorm ist und was eine breit vorgetragene Kritik an gesellschaftlichen Mißständen ist?

    Das ist extrem einfach: Lies einfach die Beiträge, die gebracht werden!

    Genau mit der Angst vor den Reaktionen arbeitet der dumme Mob. Wenn man schon keine Argumente hat, dann muss man halt sein Gegenüber niederschreien. Nur ob du dich niederschreien lässt, ist deine Entscheidung.
    Ich habe zu der Kölner Geschichte sogar Mails an Medienmacher des WDR geschrieben, weil sie einen völlig verkürzten Unsinn öffentlich von sich gegeben haben. Eine Redaktion hat sogar einen mehrteiligen Mailaustausch dazu mit mir betrieben.

    Ich habe mir die veröffentlichten Reaktionen auf deinem Blog mal angesehen. Ist doch schön, wenn unsere Artikel zu einer lebhaften Diskussion führen 🙂 Das, was dort zu sehen ist, hat doch mit einem Shitstorm nicht zu tun.

    und ich kurz darauf vom Bundeswirtschaftsminister mitsamt der anderen Mitzeichner als Pädophiler betitelt wurde

    Evtl. hättest du dem Bundeswirtschaftsmisnister eine Mail schicken sollen, wo du ihn ankündigst, ihn wegen Rufschädigung zu verklagen, wenn er das dir gegenüber nicht zurücknimmt? Nur weil er Minister ist, kann er sich auch nicht alles erlauben.

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  5. Nur ob du dich niederschreien lässt, ist deine Entscheidung.

    Wie gesagt, ist mir zu einfach.

    Ist doch schön, wenn unsere Artikel zu einer lebhaften Diskussion führen 🙂 Das, was dort zu sehen ist, hat doch mit einem Shitstorm nicht zu tun.

    Hab ich auch nicht gesagt. Außerdem ist das nicht die einzige Kommunikation, die ich zum Thema betrieb. Und wenn man da überall nur entgegengeschmettert bekommt, man wäre ein Unmensch dem das Leid der Vergewaltigten egal sei usf, dann läßt einen das nicht kalt. Mir geht es jedenfalls so.
    Sich zu entscheiden, etwas zu veröffentlichen und dazu zu stehen ist eine Sache, die andere Sache ist, das dann auch auszuhalten. Wolfram hat mir dabei sicherlich sehr geholfen (an anderen Stellen stimmte mir niemand bei und die Menge der Gegner war größer)…

    Evtl. hättest du dem Bundeswirtschaftsmisnister eine Mail schicken sollen, wo du ihn ankündigst, ihn wegen Rufschädigung zu verklagen, wenn er das dir gegenüber nicht zurücknimmt?

    Wer bin ich, daß ich mich mit einem promovierten Juristen *hüstel* auf einen Rechtsstreit einlasse? Dazu hatte ich weder die Zeit noch die sonst nötigen Ressourcen. Ich hatte aber eine E-Mail geschrieben, bekam auch eine Antwort. Die kam aber offenbar von einer Art PR Abteilung des Ministeriums. Man wollte meine Argumente nicht hören und hat halbherzig versucht, mich davon zu überzeugen, was wir doch für nen tollen Minister haben. Ich hab jetzt ne ganze Weile nach den Mails gesucht, ich hab sie offenbar nicht mehr…

    Die Äußerung hat er übrigens in der Tagesschau gemacht:

    Nachdem ich das nochmal gesehen habe, kann man daraus juristisch wahrscheinlich nicht viel machen. Ich meine auch, der Satz wäre noch weitergegangen, aber ich erinnere mich nicht mehr genau. Was ich noch weiß ist, daß ich ziemlich aufgeregt war und Sorge hatte, daß ich nun irgendwie abgestempelt werde als Pädophiler. Immerhin hatte ich ja beim Bundestag meinen Namen unter die Petition gesetzt.

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  6. Hab grad ne längere Version gefunden. Das was er danach sagt, ist auch nicht mehr viel:

    Aber wie gesagt: Bei mir kam es so an, als wäre ich ein Befürworter von KiPo und ja, das hat mich sehr aufgeregt.

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  7. Hab’s mir angehört. Nur höre ich da nicht, dass zu Guttenberg dort behauptet, dass die Unterzeichner der Petition alle Pädophile währen. Wenn er das damals nicht verstand, dann hätte man ihn ja div. andere Gründe per Mail zuschicken können. Die gab es ja durchaus. Wie zB grundsätzliche Bedenken von Zensur im Internet, etcpp.

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  8. Ein Kommentar auf WDR5 bringt auch gute Gedanken zum Thema:

    Shitstorm als Naturgewalt

    Von Nikolaus Steiner

    Journalisten müssen umlernen: Sie senden nicht mehr unwidersprochen in die Welt. Und ab und zu zieht ein Shitstorm auf. Den müssen sie aushalten können. Denn die meisten Menschen wollen einfach nur sagen, was sie denken….

    Mit dem Internet und den sozialen Netzwerken bekommen Journalisten ein direktes, massenhaftes Feedback für ihre Artikel und Beiträge. Heute kann jeder mit einem Klick seine Meinung kundtun. Aber die meisten tun das anonym und das sei das Problem, meint Michael Konken vom Deutschen Journalistenverband: „Früher bei Leserbriefen oder heute noch bei Leserbriefen weiß ich, wer da geschrieben hat. Ich weiß die Adresse, ich weiß den Namen. Ich hab einen Menschen vor Augen, der seine Kritik offen äußert, das hab ich hier nicht. Er versteckt sich einfach hinter der Anonymität des Netzes. Und ich glaube, das ist das Gefährliche und das, was uns unsicher macht.“

    Diskussionen im Netz kippen häufig in Anschuldigungen und Beleidigungen, zum inhaltsleeren Shitstorm. Aber die Grenze zwischen ernsthafter Kritik und sinnloser Empörung ist oft fließend. Shitstorms bergen auch eine reale Gefahr, weil sie als Meinung der Mehrheit wahrgenommen werden könnten, sagt Kai Gniffke von ARD-aktuell: „Ich fürchte, sie sind dazu geeignet, um Journalisten in ihrer Unabhängigkeit zu beeinflussen. Denn es lässt niemanden kalt, wenn plötzlich tausende Mails und Posts ins Haus kommen, die sehr, sehr rustikal im Ton sind. Und meine Sorge ist, dass das manchmal auch genau in der Absicht geschieht, Einfluss in unsere Arbeit zu nehmen sie in eine bestimmte Richtung zu drängen oder bestimmte Richtungen zu unterdrücken.“

    Ukraine-Krise: Gezielte Shitstorms

    Ein heikles Thema ist zum Beispiel die Ukraine-Krise. Jeder Artikel, jeder Fernsehbericht wird im Netz genauestens unter die Lupe genommen und kritisch kommentiert. Immer wieder gibt es Berichte über eine Armada von so genannten „Putin-Trollen“, also russlandfreundlichen Social-Media-Experten, die gezielt Shitstorms im Netz initiieren, um Meinungen zu lenken. Aber auch Wirtschaftsunternehmen und Verbände beobachten heute sehr genau, wie die Meinungsströme im Netz verlaufen. Kai Gniffke erläutert: „Ich will gar nicht ausschließen, dass da auch professionelle Agenturen mittlerweile am Werk sind, die genau das betreiben, in der Hoffnung oder in der Absicht, Berichterstattung in bestimmte Weise zu beeinflussen, zu unterdrücken.“

    Aber wie lässt sich das verhindern? Wie kann man ernsthafte Kritik vom Shitstorm trennen? Für Michael Konken liegt eine Lösung darin, dass jeder, der im Netz kommentieren will, das auch mit seinem echten Namen tut: „Mir wäre es lieber, wenn ich es mit einem Gegner im Netz zu tun hätte, der auch für seine Meinung mit seinem Namen steht und nicht sich irgendwo versteckt.“

    Ist ein Shitstorm Ausdruck einer spontanen Empörung oder mittlerweile interessensgeleitet organisiert? Klar ist: Das Netz als Forum des Meinungsaustausches, der kritischen Kommentierung hat durch Shitstorms massiv an Glaubwürdigkeit verloren.

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    1. Evtl. liest du auf Wikipedia noch einmal nach, was ein Shitstorm ist. Ein einzelner Beitrag kann per Deffinition kein Shitstorm sein, max. kann er einen Ausschlag für einen solchen geben.

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  9. Es gibt ja noch (mindestens) das:

    https://diasp.eu/posts/0fd0e4a0e7000132d1465404a6b20780

    und das:

    Und hier ist es ja auch nochmal:

    http://christlblogger.com/ich-bin-fassungslos/

    Ist immer noch nicht viel, aber das ist es am Anfang solcher Shitstorms nie. Wie es wird kann man vorher nicht sagen, und wo ich denke, daß es um eine berechtigte Entrüstung geht, könnte ein anderer vielleicht (wenn noch ein bißchen mehr zusammenkommt) sagen, das sei ein Shitstorm.

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