Sola Scriptura – der Fehler der Fundamentalisten?

Bibel
© by Charly Lücker

In einem Interview auf WDR5 sagte die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur, dass das genau das Problem der Fundamentalisten sei, zB die Bibel nach dem Maßstab Luthers, dem „sola Scriptura“ (lat. „allein durch die Schrift“), zu interpretieren. Kurz zuvor hatte ich ähnliches in einem Kommentar eines chr. Pastors zu der angeblichen „Skandalpredigt“ aus Bremen gelesen. (siehe hier) Ähnliches hört und liest man immer wieder als Kritik an angebliche oder tatsächliche Glaubensfundamentalisten.

Vorgegeben wird von solchen Kommentatoren dabei immer, dass damit gemeint sei, alles „wortwörtlich“ zu nehmen und alleine dies gelten zu lassen, wenn es um die Auslegung des chr. Glaubens gehe. Und dies sei nun genau das Problem und der Fehler der genannten „Fundamentalisten“. Dem wird dann mit schöner Regelmäßigkeit eine geradezu unglaubliche Willkürlichkeit einer angeblich historisch kritisch „richtigen“ Bibelauslegung entgegengesetzt.

Tatsächlich erscheint es mir ein Ausdruck von Arroganz zu sein, wenn man solche Vorhaltungen macht. Den wer sich ernsthaft mit dem Anspruch „sola Scriptura“ auseinandersetzt und nach diesem Maßstab die Bibel auslegt, wird leicht feststellen, dass dies überhaupt nicht naiv oder mangelhaft ist. Denn wer die Bibel alleine als grundlegenden Maßstab des Glaubens setzt, wird sich in der Auslegung derselben ebenso mit Übersetzungsproblemen, dem kulturellen Hintergrund und weiterem beschäftigen und in die Auslegung der Schrift mit einbeziehen. Allerdings wird ein solcher Bibelausleger eben vielen Auslegungen und Kommentaren von Kirchenvätern und wem auch immer, bei weitem nicht dasselbe Gewicht geben, wie der Bibel selbst.

Wenn man sieht, welch z.T. wirren Aussagen unter gleichwertiger Einbeziehung anderer Quellen  über den Glauben gemacht werden, ist es kaum verwunderlich, dass die Forderung nach einer verlässlichen Grundlage des Glaubens wieder mehr gestellt wird. Die Bibel selbst aber als alleinige grundlegende Autorität in den Fragen der Glaubenslehre zu geben, wird eben nicht ein extrem einseitiges oder naives Glaubensbild hinterlassen. Wer das meint, hat sich nie wirklich mit der Bibel selbst beschäftigt!

Es bleibt mir aber auch festzuhalten, dass die Anklage einer sehr oberflächlichen Auslegung der Bibel berechtigt ist, ohne eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Text in seiner Ursprünglichkeit und seinem Kontext, welche sich tatsächlich in einer tumpen Art alles „wortwörtlich“ so zu nehmen, wie man es in Übersetzungen! findet.
Leider findet man diese Art der „Bibelauslegung“ gerade in chr. Gemeinden, die sich selbst als „Bibeltreu“ bezeichnen viel zu oft. Wer schon den Maßstab des Bibeltreuen setzt, ist damit auch verpflichtet tatsächlich der Bibel treu zu sein und nicht teils skurrilen Bibelauslegungen das Wort zu reden.

Aber das, was uns durch „Theologen“ und Religionswissenschaftler so oft alternativ präsentiert wird, ist auch viel zu oft einfach nur banal und albern. Wer meint, er könne nach Belieben Texte der Bibel als „nicht mehr relevant“ einordnen, nur weil diese nicht in sein Weltbild passen, der vergewaltigt die Bibel genauso wie solche, die irgendwelche Verse aus Bibelübersetzungen ohne kritische Betrachtung derselben wortwörtlich als „Gottes unverrückbaren Willen“ darstellen will. (So z.B. in dem Kommentar zur „Skandalpredigt“ aus Bremen oben nachzulesen.)

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

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