Wegen Kleidung diskriminiert – der Unterschied zwischen Toleranz und Diskriminierung

Narrenkappe
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Zur Zeit geistern wieder einige Meldungen über Muslimas in unserer Gesellschaft, die eine Vollverschleierung tragen, durch die Medien und polarisieren die Menschen. Die oft extrem einseitigen Kommentare lassen da nicht auf sich warten. Auch auf christlichen Seiten (Blogs etc.) sind Kommentare dazu zu finden – manches mal bleibt bei mir nur ein Entsetzen über die Einstellung, die sich in den Kommentaren offenbaren.

Worum geht es?
Unsere angeblich so aufgeklärte freiheitliche Gesellschaft echauffiert sich darüber, dass angeblich verstärkt vollverschleierte Frauen auf unseren Straßen, etc. zu sehen seien. Offensichtlich Frauen muslimischen Glaubens, die aus ganz unterschiedlichen Gründen die sogenannte „Burka“ (Meistens handelt es sich hier um eine Niqab und nicht um eine Burka, aber das nur am Rande) tragen. Das erwirkt Widerspruch unterschiedlichster Art. Doch Fakt ist vielmehr, dass die Anzahl der Frauen, die in den westeuropäischen Ländern vollverschleiert auftreten, immer noch verschwindend gering ist. Lediglich im Zuge der Berichterstattung über Salafisten in diesen Ländern bringen die Medien solche Frauen plakativ in den Vordergrund. Und wie so oft: Bilder prägen mehr die Meinung als es die Wahrheit kann.

Menschen, die sich einbilden, sie würden für die Freiheit der Frauen sprechen, poltern lautstark, dass hinter einer solchen Kleidung nur Frauenverachtung stecken könne. Was auch nicht stimmt, aber wen interessieren schon Fakten, wo es sich doch so gut damit Stimmung machen lässt? Prompt biedern sich Politiker, die gerne Wähler am rechten Rand fischen wollen, damit an, so wie in Frankreich bereits geschehen, in Deutschland ein „Burkaverbot“ zu fordern. (aktuelles Beispiel) Doch was kommt unter dem Strich dabei tatsächlich heraus? Eine Gesellschaft, die weiterhin ihrer freiheitlichen Grundordnung verpflichtet ist oder doch nur eine Neuauflage der Diskriminierung von bestimmten Menschen, nur weil sie ein Stück Stoff tragen?

Gibt es bereits Erfahrungswerte?
Ja, die gibt es. Und diese sollten gerade uns Deutsche aufhorchen lassen, bedenken wir ohne Scheu, zu was unser Volk einst fähig war.
Frankreich hat seit April 2011 ein gesetzliches Burkaverbot. In Berichten über die tatsächliche Umsetzung dieses Verbots ist zu erfahren, dass es nur sehr wenige Fälle gab, wo dieses Verbot überhaupt geahndet wurde. In einzelnen Fällen hat die Ahndung dieses Verbots zu heftigen Protesten geführt. Doch verbessert hat dieses Verbot garnichts – eher deutlich verschlechtert.

So wurde im Oktober dieses Jahres ein Vorfall in der Pariser Oper bekannt, wo Chorsänger in der Pause der Aufführung von „La Traviata“, der Leitung des Hauses ihren weiteren Auftritt verweigerten, wenn eine einzelne vollverschleierte Frau, welche in der ersten Reihe der Oper saß, ihren Schleier nicht ablege oder das Haus verlasse. Diese Frau und ihr Mann waren Touristen aus der Golfregion. Also Gäste Frankreichs und nicht irgendwelche ideologisch radikalisierte Franzosen. Das Paar wurde also aufgefordert, dass die Frau entweder ihren Schleier ablege oder sie beide die Oper verlassen müssten. Das Paar hat sich entschieden die Oper zu verlassen.

Als ich diesen Bericht las, stand sofort ein Bild vor mir, wo in unserem Land vor wenigen Jahrzehnten Menschen auch wegen einem Stück Stoff an ihrer Kleidung aktive Diskriminierung erfuhren. Damals reichte ein gelber Davidsstern auf der Kleidung und auch diese Menschen mussten Geschäfte, Kulturstätten usw. verlassen, weil ein Teil der anwesenden Deutschen um ihretwillen in Hektik verfielen. Damals und auch Heute in Paris bilden sich diese Menschen, die andere wegen einem Stück Stoff aktiv diskriminieren, ein, sie würden „aus gutem Recht“ so handeln. Tatsächlich ist dieser Akt der Diskriminierung nur und nichts anderes als tumpe Menschenverachtung!

Gibt es soetwas auch in Deutschland?
Ja allerdings! Die WAZ brachte im November eine falsche Meldung in Umlauf, wonach angeblich eine Muslima in Essen die Mitarbeiter einer Kita in Konflikte brachte, weil sie vollverschleiert ihr Kind abholen will. Die Medien haben diese Meldung eifrig aufgegriffen und verbreiten sie immer noch. Doch tatsächlich gab es in dieser Kita mit dieser Muslima keine Probleme, wie man z.B. hier bei Pro nachlesen kann. Denn diese Muslima war alles andere als renitent und war und ist freimütig immer bereit, ihre Niqab vor den Mitarbeiterinnen der Kita zu lüften. Die angeblichen Probleme wurden von der Leiterin einer benachbarten, also überhaupt nicht betroffenen, Kita in die Welt gesetzt. Und nun geistert diese Falschmeldung in ihrer Halbwahrheit durch unsere Medien und spornt so Manchen an, sich laut und proklamatisch zu melden.

Eine weitere Meldung hat dann auch nicht lange auf sich warten lassen. Nur wenige Tage später haben Lehrer einer Essener Grundschule einer vollverschleierten Muslima den Zutritt auf das Schulgelände verboten. (Hier nachzulesen) Auch wenn es tragfähige Argumente auf Seiten mancher Schüler oder Eltern gab, gegen die Vollverschleierung zu sein, so stellt meiner Meinung nach dieses ausgesprochene Verbot nur eine weitere Diskriminierung dar. Statt sich wild aufzuregen und Konsequenzen zu fordern, wie wäre das wohl ausgegangen, wenn die Eltern und ggf. auch die Schüler das direkte und ruhige Gespräch mit der Muslima gesucht hätten? Fairerweise will ich ergänzen, dass es Gespräche auch mit der Muslima in einer Schulkonferenz gab. Der gefundene Kompromiss ist wohl, dass die Muslima, mit Schleier, ihr Kind nur vor der Schule abholen darf. Wenn sie jedoch auf das Gelände der Schule kommen würde, sie den Schleier ablegen müsse. Ein guter Kompromiss? Ich meine nein! Auf mich wirkt dies nur wie ein geheuchelter Kompromiss. Fakt bleibt unterm Strich: Hier wird ein Mensch wegen einem Stück Stoff diskriminiert.

Bevor mich nun Jemand in eine politische Schublade stecken will:
Wie stehe ich zur Vollverschleierung bei Muslimas? Grundsätzlich bin ich klar gegen diese Verschleierung. Die Verantwortung tragen hier für mich muslimische Männer, die sich einbilden ihre eigenen lüsternen Blicke und Gedanken alleine dadurch in den Griff zu bekommen, wenn sie die Frauen hinter wallenden Stoffbahnen verstecken. Ich würde es klar begrüßen, wenn sich muslimische Frauen sowohl von der Vollverschleierung als auch vom Kopftuch befreien würden. Denn, laut Aussagen von Muslimen selbst, gibt es im Koran keinerlei Gebot für Kopftuch oder Schleier. Doch dies zu tun, ist die Aufgabe der Muslime und nicht der Völker in der westlichen Welt! Wir können unsere Freiheit der Geschlechter präsentieren. (Was dabei mittlerweile alles herauskommt ist auch kein Ruhmesblatt sondern oftmals auch wieder nur ideologische Propaganda / Stichwort Genderbewegung.) Wir können in unserer Gesellschaft aufzeigen, dass Männer und Frauen offen miteinander umgehen können und gleichberechtigt sind. Doch andere dazu zwingen zu wollen, unsere Überzeugungen zu übernehmen, hat weder mit Freiheit und schon garnicht mit Toleranz etwas zu tun.

Wenn wir uns rühmen wollen, als Gesellschaft in dem Umgang der Geschlechter soviel weiter zu sein, dann sollte sich das in einer großzügigen Toleranz und in der offenen freundlichen Debatte widerspiegeln. Solche Diskriminierung wegen einem Stück Stoff sollte gerade uns Deutschen absolut zuwider sein. Das diese Diskriminierung quer durch unsere gesellschaftliche Landschaft wieder mehr und mehr Zuspruch findet, zeigt mir, wie erfolgreich die rechtspopulistische Propaganda im westlichen Europa schon wieder ist. Selbst politisch Linksorientierte stimmen mittlerweile in diese rechte Propaganda ein und fühlen sich auch noch gut dabei – wie ekelhaft.

Ja, Freiheit und Toleranz zu leben tut manchmal auch weh – das muss es auch. Die Freiheit als Grundeinstellung einer Gesellschaft lässt sich nicht erzwingen, die lässt sich nur immer wieder mühsam erarbeiten.

Ein Wort noch an meine Mitchristen:
Wenn ich so manchen Kommentar von euch, sei es im Net in Blogs, Foren oder sonstwo, lese oder höre, dreht sich mir der Magen um. Soviel dummblöde Vorurteile gegen den Islam, die auch noch mit frommer Arroganz vorgetragen werden, tun einfach nur noch weh. Wenn ihr meint, euch auf euren chr. Glauben stützen zu können, wenn ihr über den Islam und Muslime hetzt, dann seid ihr es, die sich gegen Gott versündigen. Es stünde manchen von euch gut an – gerade weil ihr mehr Verständnis für Glaubensstrukturen haben solltet – sich erst einmal qualifiziert zu informieren. Das was ihr teils über Koranverse absondert, kann so zu 1 zu 1 auch mit Bibelversen getrieben werden. Wenn ihr wollt, dass euer Glaube im richtigen Zusammenhang verstanden wird, dann seid ihr verpflichtet dies gegenüber Muslimen auch zu tun. Ihr müsst dafür nicht zu Experten für den Islam werden, einfach nur interessiert sein hilft hier gewaltig weiter. In eurer Blindheit macht ihr euch gerade zu willfährigen Opfern rechter Propaganda und merkt es nicht einmal.
Also liebe Mitchristen: Augen und Verstand auf und unterlasst diese dumme fromm getünchte Propaganda. Wir als Christen können in unserem Land noch offen und frei zu unserem Glauben stehen. Wenn wir das auch weiterhin so haben wollen, müssen wir in der Toleranz gegenüber Andersgläubigen deutlich voran gehen. Wohin fromme Arroganz führt, könnt ihr euch in England und Frankreich bereits ansehen: dort geraten auch Christen unter immer mehr Druck. Wenn in einer Gesellschaft religiöse Menschen diskriminiert werden, dann macht dies auch vor uns Christen nicht Halt.

Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

3 Kommentare zu „Wegen Kleidung diskriminiert – der Unterschied zwischen Toleranz und Diskriminierung“

  1. Hallo, ganz interessant der Artikel. Ich dachte mir ich geb dir einen kleinen Einblick bezüglich deiner eigenen Meinung die Muslimischen Männer wärn also verantwortlich fürs Kopftuch. Ich hab viel Kontakt mit Muslimischn Frauen, und viele Fragen gestellt. Sofern die Musl. Frauen Interesse an ihrer Religion zeigen und nicht allein in ihrer Kultur feststecken ohne zu hinterfragen, so merkt man dass die überwiegende Mehrheit vom Kopftuch überzeugt ist, und kein Zwang dahinter steckt, Sie fühlen sich auch nicht diskriminiert durch ein Stück Stoff, warum auch, blöde Kommentare kommen ja nur von aussen, die meinen einem eine Freiheit auszwingen zu müssen die derjenige nicht will.

    Wie ich verstanden habe, steht im Koran kein Kopftuchspflicht, aber die Muslime glauben auch an die Erzählungen (hadit) des Muhammeds und seiner Gefolgsleuten. In den Überlieferungen gibt es Beschreibungen vom Kopftuch bis hin zur Bedeckung des Gesichts. Ich rede hier von der Mehrheit der Muslimischen Bevölkerung. Natürlich gibts Randgruppen wie moderne Muslime, Feministinnen, oder auch Sekten, die eine andere Auslegung der Schriften verwenden.
    Die Frauen, die Burka in Deutschland tragen, die nennen das übrigens Nijab oder so ähnlich, burka trägt man in Afghanistan, die tragen es zu 99 prozent aus freien Willen, weil sie bewusst so leben wollen. So wie es Veganer gibt, oder auch sehr autarke meinetwegen fundamentale Christen. Mit ihnen kannst du garnicht diskutieren, weil sie sich selbst bewusst damit auseinandergesetzt haben und einfach überzeugt sind. Die Frage ist nun, soll man den Schleir absetzen, für die Bevölkerung, die einem vorher beschimpft hatte, damit sie ihren Frieden haben oder soll man es tragen aus liebe zu ihren Gott, und sie sehen die Anfeindungen als eine Art Prüfung. Also Gottes Gebot oder sich nach den Wünschen der Menschen richten…die Antwort ist leicht. Die strenggläubige wählt den schwereren Weg.
    Der Mann hat damit nicht soviel zu tun, er ist natürlich sozial und kulturell gprägt, und würde es Begrüßen wenn seine Frau Kopftuch trägt, vielen ist es auch egal.
    Ich denke die Männer die ihre Frauen zwingen, die haben viel schlimmere Probleme als das Stück Tuch. Denn wo Zwang ist wo ist da die Liebe und Barmherzigkeit. Was muss das für eine Ehe sein? In dem man diese Frauen benachteiligt und unter Druck setzt, ändet man die Probleme aber nicht. Eigentlich ist es doch eine Minderheit, die Frauen, die Nijab tragen, und die meissten wollen sowieso weg aus Deutschland weil sie natürlich ihr streng gläubiges Leben in einem anderen islamischen Land bevorzugen. Und die die Kopftuch tragen, naja es stört ja nicht wirklich im leben von daher …

    Ich kenne übrigens auch mehrere jüdische Frauen die Kopftuch aus Überzeugung tragen, sieht ein wenig anders aus, aber was wäre wohl wenn diese Frauen in der Mehrheit wären ob man dann auch noch von Kopftuchverbot sprechen würde?

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    1. Hallo Isa,
      ja doch, beim Kopftuch geht es tatsächlich alleine um die lüsternen Blicke der Männer. Denn sich vor denen zu bedecken, dazu soll der Schleier dienen. Auch laut Sunna und Hadith dient der Schleier alleine dazu. Ergo: Wenn die Männer im Islam sich an das halten würden, was Jesus (immerhin auch einer der wichtigsten Propheten im Islam) dazu gesagt hat, wären Schleier überflüssig.

      Mt 5:28 Ich aber sage euch, daß jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, schon Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem Herzen. 29 Wenn aber dein rechtes Auge dir Anlaß zur Sünde gibt, so reiß es aus und wirf es von dir! Denn es ist dir besser, daß eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. 30 Und wenn deine rechte Hand dir Anlaß zur Sünde gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir! Denn es ist dir besser, daß eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.(rev.Elb.)

      Sprich: Die Männer tragen die Verantwortung für ihre Blicke und Gelüste – nicht die Frauen! In der Bibel gibt es auch keine Verschleierungsvorschrift für Frauen. Das hier Demjenigen die Verantwortung zugesprochen wird, der selbst den Hang zur Sünde hat und eben nicht dem anderen Geschlecht, zeigt einen der vielen Unterschiede zw. Christentum und Islam.

      Das div. musl. Frauen ihre Kopftücher, etc. aus Überzeugung tragen, weiß ich sehr gut. darum fordere ich in meinem Artikel ja zu echter gelebter Toleranz in dieser Frage auf. Dennoch bin ich der Meinung, dass diese Tradition (eben ja nicht Glaubensvorschrift!) eine Darstellung der Ungleichheit der Geschlechter im Islam darstellt. (Wo dies in anderen Religionen auch vorkommt, ist dort auch kein Unterschied.)

      Das nun die Mehrheit der muslimischen Bevölkerung in den westeuropäischen Ländern pro Kopftuch ist, halte ich für ein Gerücht. Das glaube ich schlichtweg nicht.

      Wenn du meinen Text gründlich gelesen hättest, so wäre dir aufgefallen, dass ich zB darauf hingewiesen habe, dass in Europa die Wenigsten eine Burka, sondern den Niqab tragen😉 Ebenso habe ich darauf hingewiesen, dass weder Kopftuch, noch Niqab von den meisten, der Trägerinnen als Frauenunterdrückung verstanden wird.

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  2. Ich begrüße ausdrücklich das aktuelle Urteil des Bundesverfassungsgericht über das generelle Kopftuchverbot in den Schulen:

    (Quelle: pro Medienmagazin )

    Kopftuchverbot verstößt gegen Verfassung
    Ein pauschales Verbot des Kopftuchs für Lehrerinnen verstößt gegen die Religionsfreiheit. Das hat das Bundesverfassungsgericht am Freitag erklärt. Politik und Muslime begrüßen das Urteil.

    Die Bekundung des eigenen Glaubens durch das äußere Erscheinungsbild muss für Lehrkräfte möglich sein, teilte das Bundesverfassungsgericht mit. Noch 2003 hatte das Bundesverfassungsgericht die Verantwortung für die Gesetzgebung zum Tragen des Kopftuchs an die Länder überwiesen. Verbote gibt es derzeit in Bayern, Berlin, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und im Saarland.

    Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass der Eingriff in die Glaubensfreiheit von Musliminnen schwer wiege, weil das Kopftuch Teil ihres religiösen Selbstverständnisses sei. Dass durch ein Verbot vor allem muslimische Frauen in ihrer religiösen Selbstbestimmung eingeschränkt würden, habe außerdem eine nicht zulässige Ungleichbehandlung etwa mit Christen zur Folge. Zeichen der Religionszugehörigkeit wie Kippa, Kopftuch, Kreuzkette oder die Ordenstracht einer Nonne müssten deshalb unabhängig vom jeweiligen Glauben erlaubt sein. „Solange die Lehrkräfte nicht verbal für ihre Position oder für ihren Glauben werben und die Schülerinnen und Schüler über ihr Auftreten hinausgehend zu beeinflussen versuchen, werden diese lediglich mit der ausgeübten positiven Glaubensfreiheit der Lehrkräfte konfrontiert, was im Übrigen durch das Auftreten anderer Lehrkräfte mit anderem Glauben oder anderer Weltanschauung in aller Regel relativiert und ausgeglichen wird“, stellt das Gericht fest.

    Kopftuch ist kein Missionierungsinstrument

    Verbote seien erst dann zu rechtfertigen, wenn eine ganz konkrete Gefahr für den Schulfrieden oder die staatliche Neutralität feststellbar ist. Anders als beim staatlich verantworteten Aufhängen eines Kreuzes im Klassenzimmer sei mit dem Tragen eines Kopftuchs durch einzelne Pädagoginnen keine Identifizierung des Staates mit einem bestimmten Glauben verbunden: „Vom Tragen eines islamischen Kopftuchs geht für sich genommen noch kein werbender oder gar missionierender Effekt aus.“

    Geklagt hatten zwei Musliminnen aus Nordrhein-Westfalen. Eine Sozialpädagogin in einer öffentlichen Gesamtschule hatte zwar ihr Kopftuch abgelegt, dafür aber eine Baskenmütze getragen, um sich zu bedecken. Daraufhin erhielt sie ein Abmahnung. Eine weitere Frau, die als Türkischlehrerin tätig war, weigerte sich, ihr Kopftuch abzulegen und wurde deshalb gekündigt. Beide Pädagoginnen klagten dagegen zunächst vor Arbeitsgerichten und verloren. Laut dem Bundesverfassungsgericht muss Nordrhein-Westfalen nun sein Schulgesetz ändern. Auch auf die anderen Länder dürfte dies zukommen.

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