Diskriminierende Toleranzgesellschaft

Ausgrenzung
© ulrich-kroes/pixelio-de

Wir erleben zur Zeit in unserer Gesellschaft eine Entwicklung, die heuchlerischer nicht mehr sein kein. Unter dem vermeintlichen Titel der Toleranz wird zur Zeit fast alles unterdrückt, was einem vermeintlichen, evtl. ja auch nur politisch und durch Medien gemachten, Mainstream entgegenstehen könnte.

Äußert sich Jemand, wie zum Beispiel der Chef des katholischen Senders K-TV, Martin Lohmann, welcher eine klare und anstößige Stellung in Bezug auf Homosexualität und Abtreibung einnimmt, klar und deutlich gegen diesen Mainstream, so erlebt er keineswegs die Toleranz, die von ihm gefordert wird. Vielmehr wurde z.B. diesem genannten Martin Lohmann von der „Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation“ die Kündigung als Dozent ausgesprochen. Begründet wurde dies mit dem „Menschenbild, in dem verschiedene sexuelle Orientierungen respektiert werden“. Die Schule lehne „jegliche Art von Diskriminierung ab“. Lohmann hatte sich vorher kritisch gegenüber der Homo-Ehe und praktizierter Homosexualität geäußert. Diese Hochschule „lehne jegliche Art von Diskriminierung ab“ und tut genau dies: sie diskriminiert Menschen, die eine Meinung vertreten, die nicht dem Meinungsdiktat dieser Institution entspricht.
Pro berichtet:
„Seine Position, generell gegen Abtreibung zu sein, brachte ihm einen „Shitstorm“, also eine Flut an Beschimpfungen, auf Twitter ein, Lohmann berichtete von Hassmails der übelsten Art. Er wünsche niemandem, solche Botschaften zu bekommen – auch was seine Frau und seine Tochter betreffe.“

Dies ist nur eins von vielen Beispielen, die wir aktuell in unserer Gesellschaft erleben müssen. Da geht es um die Frauen, die tatsächlich Hausfrau und Mutter sein wollen, sich aber zunehmend in einer gesellschaftlichen Ausgrenzung wiederfinden müssen. Da geht es um Menschen, die einen religiösen Glauben leben und erleben müssen, dass sie im Namen der „Toleranz“ beschimpft, ausgeschlossen und verachtet werden.  Da geht es um Menschen, die ihre Anstellung verlieren, weil sie in ihrer Lebensführung nicht dem Meinungsdiktat des Arbeitgebers entsprechen – sei es nun bei einem kirchlichen Arbeitgeber oder auch bei nichtkirchlichen. Und und und ….

Aber wovon reden wir hier eigentlich? Was ist Toleranz und was Diskriminierung? Solche Worte gehen leicht von den Lippen, aber verstehen wir und vor allem: tun wird das, was sie wirklich bedeuten?

Wikipedia über Toleranz:
Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. Umgangssprachlich ist damit heute häufig auch die Anerkennung einer Gleichberechtigung gemeint, die jedoch über den eigentlichen Begriff („Duldung“) hinausgeht. …
Im politischen und gesellschaftlichen Bereich gilt Toleranz auch als die Antwort einer geschlossenen Gesellschaft und ihres verbindlichen Wertesystems gegenüber Minderheiten mit abweichenden Überzeugungen, die sich in das herrschende System nicht ohne weiteres integrieren lassen. Insofern schützt die Toleranz ein bestehendes System, da fremde Auffassungen zwar zur Kenntnis genommen, aber nicht zwangsläufig übernommen werden. Die Toleranz schützt aber auch die Träger einer Minderheitsmeinung vor Repression und gilt insofern als eine Grundbedingung für Humanität. In diesen Zusammenhängen ist Toleranz auch die Vorbedingung einer friedlichen, theoretischen, Auseinandersetzung um konkurrierende Wahrheitsansprüche.“

Wikipedia über Diskriminierung:
Diskriminierung bezeichnet eine gruppenspezifische Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder einzelnen Personen. …
Das Verbalsubstantiv Diskriminierung ist im Deutschen seit dem frühen 20. Jahrhundert in der Bedeutung „Herabsetzung, Benachteiligung, Verunglimpfung“ etabliert, zunächst im Bereich der Wirtschaft (für handelspolitische und wirtschaftliche Diskriminierung) und dann auch für die Diskriminierung gesellschaftlicher Gruppen. …“

Wir finden also, dass immer dort wo Toleranz gefordert und sich gegen Diskriminierung gestellt wird, zu allererst dieses selbst gelebt werden sollte. Das heißt, dass echte Toleranz bereit ist, andere Haltungen, andere Meinungen auszuhalten und die betreffenden Menschen in keiner Weise ausgrenzt / nicht diskriminiert. Aushalten, sich mit den Ansichten Anderer beschäftigen und nicht die eigene Meinung zum Dogma erklären, darum geht es. Erkennen, dass wir von der Vielfalt profitieren und dass Meinungsunterdrückung ein Kennzeichen von Diktatoren ist. Von Diktatoren, die nicht alleine einzelne Personen sein müssen, sondern auch eine besonders laute und aggressive Gruppierung innerhalb der Gesellschaft sein kann. (Stichwort Nazi- und Stasidiktatur)

Wie pervers ist es also, wenn heute Menschen in unserer Gesellschaft geschasst werden, sogar ihren Beruf verlieren können, nur weil sie nicht in den Mainstream passen? Wir rühmen uns in Deutschland in einer modernen, aufgeschlossenen, toleranten und multikulturellen Gesellschaft zu leben. Fakt ist aber, dass wir im Moment eher unter einem Diktat eines angeblichen Mainstream stehen. Den Spieß einfach umzudrehen und nun die auszugrenzen, die Haltungen und Meinungen vertreten, durch die früher andere ausgegrenzt wurden, ist kein Fortschritt – es ist schlicht eine besonders perfide Lüge. Minderheitenschutz darf nicht als Vorwand verwendet werden, um andere Minderheiten zu unterdrücken.

Twitter und Facebook als „Stimme der Gesellschaft“
Um die ganze Sache noch deutlicher zu machen, muss erwähnt werden, dass heute tatsächlich in den Medien die Meinung vertreten wird, dass massenweise Reaktionen auf den Internetplattformen Twitter und Facebook die Meinung der Gesellschaft darstellen würden. Tatsächlich findet man dort aber nur Massen von Pöbeleien, welche sich viel zu oft durch Uninformiertheit, Intoleranz und schlicht Dummheit auszeichnen.

Nehmen wir den aktuellen „#Aufschrei“ der Frauen auf Twitter bezgl. der aktuellen Sexismusdebatte. Um solch einen Massenauflauf bei Twitter zu bewirken, reicht es völlig einen medialen Aufhänger (hier der Stern-Artikel) und ein möglichst simples Thema zu haben, welches genügend Reizcharakter aufweist. Schon melden sich zigtausende (mache gleich mehrere hundert mal) zu Wort. Doch spiegelt ein solcher Shitstorm tatsächlich die allgemeine Meinung unserer Gesellschaft dar? In keiner Weise! Es ist letztlich nur das Geschrei von vielen, die einfach auch mal was dazu sagen wollen.
Dennoch werden solche Shitstorms mehr und mehr in unseren Medien als seriöser Ausdruck der Meinung in unserer Gesellschaft dargestellt. Es wird ausufernd darüber berichtet und diskutiert und im TV „getalkt“ – wie erbärmlich ist das doch.
Noch erbärmlicher ist es, dass eine Generation von „Digital-Nativs“ heranwächst, die soetwas tatsächlich als relevante Meinungsäußerung betrachten.

Und dennoch gibt es Grenzen in gesunden Gesellschaften.
Das Toleranz nun tatsächlich gelebt werden und nicht nur als Schlachtruf zur Unterdrückung anderer im Mund geführt werden sollte, bedeutet nun lange nicht, dass es in einer gesunden Gesellschaft keine Grenzen geben müsse.

Natürlich kann es Niemanden gestattet werden aufgrund der eigenen Überzeugungen andere zu schaden oder zu verfolgen. Echte Hetze gegen Menschen, die in irgendeinem Punkt anders sind, kann nicht geduldet werden. In keinem Fall kann geduldet werden, dass zB Kinder zum Sexobjekt von Erwachsenen werden, etc. Echte Hetze – nicht zu verwechseln mit: eine Meinung haben.

Die Grenze zwischen, Meinungen und Haltungen ertragen und auch solchen – selbst wenn es manchem weh tut soetwas zu hören – Raum in unserer Gesellschaft zu geben und dem, wo diese übergriffig werden, zu finden, ist nicht so einfach. (Und kann ganz sicher nicht einem lauten Pöbel überlassen werden.)

Und die Christen?
Als Christ ist es mir wichtig meine Glaubensgenossen aufzurufen, die Liebe Gottes, die ER uns in Jesus offenbart hat, so auszuleben, dass sie als Liebe Gottes auch erkannt werden kann. Christen, die im Pöbel ganz vorne stehen, sind eine Schande. Christen, die in frommer Arroganz andere Menschen unterdrücken wollen, müssen sich fragen lassen, warum man sie als Christen ansehen soll.
Jesus hat die gesellschaftlichen Schranken durchbrochen und stellte sich zu Denen, die ausgegrenzt wurden. Jesus lebte die Liebe Gottes und schwafelte nicht nur von ihr.
Ja, es ist genauso richtig, dass Jesus nicht alles hat gelten lassen oder gut geheißen hat. Aber genau das ist ja das Wesen von echter Toleranz: Andere Meinungen und Haltungen zu benennen, eine eigene Meinung und Haltung dazu zu haben und zu äußern und dennoch den Menschen hinter dem allem zu achten und zu respektieren. Das ist nicht Humanismus – wie jetzt so mancher Christ einwerfen wollen würde – sondern das ist Ausdruck der Liebe Gottes.

Unsere westliche Gesellschaft ist meiner Meinung nach nicht auf dem Weg zu einer toleranten und weltoffenen Gesellschaft, sondern immer noch auf dem Weg der Intoleranz und Ignoranz, nur mal wieder unter neuem Vorzeichen.

Womöglich ist es ja so, weil der Mensch immer noch Mensch ist?

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

2 Kommentare zu „Diskriminierende Toleranzgesellschaft“

  1. Schon vor über 25 Jahren hat mal jemand zu mir gesagt: „Es wird noch einmal die Zeit kommen, in der im Namen der Toleranz Menschen verfolgt und getötet werden.“

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    1. Wenn die Entwicklung so weitergeht …..
      Es wurden schon Menschen im Namen Gottes getötet – was mit unserem Gott seit Jesus auch nicht zu vereinbaren war. So kann auch die Toleranz zu einem holen Etikett werden, unter dem Fanatismus ausufert.

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