Sterbehilfe: Angehörige erleiden posttraumatische Belastungsstörung

Spritze
© Jenzig71 / abaoutpixel.de

Das Ärzteblatt meldete am 04.10.12, dass auch Angehörige unter einer miterlebten Sterbebegleitung oft noch lange zu leiden haben. Bei Befürwortern der Sterbehilfe, wird immer vermittelt, dass dies doch für alle, dem Sterbewilligen, als auch dessen Angehörige, eine der humanitären Wege sei, ein, am Ende leidvolles Leben zu beenden. Es wäre eine „erlösende Tat“, die dem Leiden ein würdevolles Ende setzen würde.
Dies habe ich schon immer stark bezweifelt. Und nun meldet eine erste Studie, dass sogar Angehörige im Nachhinein erheblich unter dieser „humanitären Sterbehilfe“ zu leiden haben.

Zitat aus aerzteblatt.de:
Nach einer Querschnittsstudie in European Psychiatry (2012; 27: 542–546) leidet jeder fünfte Augenzeuge eines assistierten Tods noch viele Monate später an einer posttraumatischen Belastungsstörung oder seiner Vorstufe. Jeder sechste zeigt Zeichen einer Depression…

Doch ganz so stressfrei (wie von Sterbehilfeorganisationen behauptet) scheint der assistierte Suizid für die Augenzeugen nicht zu sein, wie eine Studie zeigt, die Birgit Wagner am Universitätsspital Zürich durchführte. Die Autorin, die heute an der Universität Leipzig tätig ist, schrieb 167 Verwandte und Freunde an, die Augenzeuge des assistierten Selbsttodes von 111 Mitgliedern von Exit Deutsche Schweiz waren. Insgesamt 85 Personen schickten die Fragebögen zurück, in denen die Forscherin sich nach Symptomen der posttraumatischen Belastungsstörung (Impact of Event Scale–Revised), komplizierter Trauer (Inventory of Complicated Grief-SF) und Depressionen (Brief Symptom Inventory) erkundigte… Ergebnis: 13 Prozent der Augenzeugen des assistierten Freitods, der zum Zeitpunkt der Umfrage 14 bis 24 Monate zurücklag, erfüllten die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung PTSD. Bei weiteren 6,5 Prozent lag eine unterschwellige PTSD vor. Bei 4,9 Prozent stellte Wagner eine komplizierte Trauer fest. Zeichen einer Depression fand sie bei 16 Prozent der Zeugen des assistierten Freitods. Mit der Ausnahme der komplizierten Trauer lag die Prävalenz damit höher als in der Schweizer Allgemeinbevölkerung gleichen Alters, schreibt Wagner…

Einer Meldung der Katholischen Nachrichten Agentur zufolge, äußerte sich der Ethiker Markus Zimmermann, Universität Fribourg, nicht überrascht von den Ergebnissen. Zimmermann leitet das Nationale Forschungsprogramm zum Thema Lebensende, das der Schweizerische Nationalfonds am Mittwoch gestartet hat. Aus langjähriger Erfahrung wisse er, dass das Thema assistierte Suizidhilfe viele Angehörige ein Leben lang begleite. Es gebe auch Betroffene, die diesen Prozess nicht verkraften würden.

Es ist eben etwas völlig anderes, wenn man einen Menschen in seinem natürlich Sterbeprozess begleitet oder ob man einem künstlich herbeigeführten Tod beiwohnt. Es bleibt immer das Bewusstsein, dass hier mit (medizinischer) Gewalt das Leben entrissen wurde.

Im Ergebnis wird den Sterbehilfeorganisationen empfohlen, die Angehörigen besser auf die Situation vorzu­bereiten. Doch kann das wirklich gehen? Wie bereitet man denn Angehörige und Freunde besser auf eine willentliche Tötung vor? Indem man den Prozess noch besser beschreibt? Indem man den Angehörigen noch mehr einzureden versucht, wie „human“ dieser Akt sei? Indem man noch mehr Ausreden sucht, warum dieser Gewaltakt notwendig sei?
Ich glaube nicht, dass man betroffene Menschen auf einen solchen Akt besser vorbereiten und damit die nachträgliche psychische Belastung reduzieren kann. Vielmehr sehe ich die unbedingte Notwendigkeit, sich realistisch dem zu stellen, was Menschen dort Menschen antun. Viel zu sehr wird dieses Thema ideologisch überhoben und zuletzt auch hierbei gelogen.

Für den Sterbewilligen mag es als Trost empfunden werden, beim assistierten Suizid durch Menschen ihres Vertrauens begleitet zu werden. Doch Fakt ist, dass sie damit ihr Ego über die psychische Gesundheit dieser Menschen stellen. So tun sie nicht nur ihrem Körper tödliche Gewalt an, sondern sie tun auch den Begleitern Gewalt an.

Ich kann in so manchen Fällen einen Sterbewunsch nachvollziehen. Ich gehöre nicht zu denen, die auf jeden Fall verbieten wollen, dass Menschen ihrem Leben selbst ein Ende setzten. Ich halte es auch für unrealistisch anzunehmen, wir könnten Suizide wirklich verhindern. Aber es ist nun einmal so: dies ist eine Gewalttat, mit der nicht auch noch Dritte übermäßig belastet werden sollten. Somit sollten wir weder Suizide durch „Sterbehilfe“ fördern, noch dabei Angehörige und Freunde als Sterbehelfer missbrauchen.

Ich warte gespannt darauf, ob es weitere Studien zu diesem Thema geben wird und wann erste Studien über die psychischen Folgen bei den Angestellten solcher „Sterbehilfeorganisationen“ erscheinen wird -wenn dies jemals gesellschaftlich gewünscht sein sollte.

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

2 Kommentare zu „Sterbehilfe: Angehörige erleiden posttraumatische Belastungsstörung“

  1. Ja – weitere Studien mit deutlich größerem Datenpool würden mich auch interessieren, aber nach den ersten groben Ergebnissen sollte man das Niemand mehr zumuten, denn möglicherweise sind genau die, die NICHT geantwortet haben noch deutlich stärker betroffen.
    Andererseits würde mich bei der bestehenden Studie auch die Kontrollgruppe interessieren, die zu Vergleich herangezogen wurde.

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