Warum Gerüchte über Leute verbreiten, die ihre Kirche / Gemeinde verlassen?

Tratsch und Klatsch zuhören
© Rainer Sturm / pixelio.de

Ich war positiv überrascht, als ich den Artikel von Jennifer LeClair in der amerikanischen Charisma über die Gerüchteküche las, die oftmals Solchen folgen, die eine oder die Kirche/Gemeinde verlassen haben. Ich selbst muss immer noch erleben, was für abstruse Geschichten über mich erzählt werden. Was ich nicht alles damals in den Gemeinden getan haben soll oder was die Gründe dafür gewesen seien, warum ich gegangen bin. Solche Gerüchte scheinen kaum ausrottbar zu sein und ich musste lernen, damit zu leben.

Zumeist findet man eine gute Anzahl an Artikeln und Predigten darüber, wie man auf gute Art und Weise eine Gemeinde verlassen kann, wenn man denn schont meint, unbedingt gehen zu müssen. Artikel, die sich mit der anderen Seite und ihren Reaktionen beschäftigen, sind eher rar gesät.
Nun will ich aber Jennifer LeClair zu Wort kommen lassen:

Warum Gerüchte über Leute verbreiten, die ihre Kirche / Gemeinde verlassen?
Von Jennifer LeClaire, Charisma News Online / deutsche Übersetzung: Charly Lücker

Letztes Wochenende hörte ich ein neues Gerücht darüber, warum ich eine bestimmte Gemeinde vor Jahren verlassen habe. Ja, anscheinend reden dort, nach all den Jahren, immer noch  welche über mich. Am liebsten hätte ich damals der ganzen Gemeindeversammlung gesagt, warum ich diese Gemeinde verlasse. Aber der Heilige Geist sagte mir, dass ich im Frieden gehen solle und ich gehorchte ihm.

Leider gefielen den Leitern dort meine Gründe nicht und sie fühlten sich anscheinend davon bedroht. Immerhin war ich in der Gemeinde sehr bekannt und die Mitglieder stellten wegen meinem plötzlichen und nicht erklärten Weggehens Fragen.

Die Leute stellten also diese Fragen und ihnen wurden alle möglichen Arten falscher Antworten gegeben. Klatsch und Gerüchte nahmen Oberhand und, als diese weitergetragen wurden, wurden sie immer schlimmer. Schließlich wurden diese nach Jahren immer abstruser.

Wenn sich Umarmungen in Hass verwandeln

Nach all den Artikeln darüber, dass man eine Gemeinde nicht auf falsche Art und Weise verlassen sollte, können wir nun, für einen Moment darauf sehen, was man nicht tun sollte, wenn Jemand eine Gemeinde verlässt?

Ich bin nicht der Einzige, der mit hässlichen Gerüchten verfolgt wurde, nachdem er eine Gemeinde verlassen hat. Ich schrieb auf meiner Facebook-Seite dazu etwas und fragte nach anderen Beispielen. Viele berichteten dort ihre Geschichten davon, wie Umarmungen sich in Hass verwandelten, als sie sich entschieden in eine andere Gemeinde zu gehen. Wie sehr muss so etwas den Heiligen Geist betrüben!

Pastoren, Menschen deshalb anzugreifen, weil sie eure Gemeinde verlassen, lässt lediglich ein negatives Licht auf euch selbst zurückfallen. Eure Gemeinden wollen einen liebenden Hirten, der eher segnet denn flucht (siehe Jak. 3:10). Wenn sich Leute dazu entscheiden eure Gemeinde zu verlassen, dann erzählt ihnen nicht, sie würden dann ihre Salbung verlieren und ihr Lebensziel verfehlen. Fluche nicht über sie, sage ihnen nicht, sie seien das Problem. Sage ihnen nicht, sie würden keinen anderen Platz finden, wo sie ihre Gaben ausleben könnten. Und wenn sie doch gehen, mach keine subtilen Bemerkungen, die eine Grundlage für boshafte Gerüchte werden.

Glaubt mir, als Pastor kenne ich so was. Ich weiß wie es ist zu beobachten, dass Mitglieder kommen und gehen – Mitglieder, die sagten, sie würden an deiner Seite dienen und dabei helfen wollen die Gemeinde aufzubauen, um dann die Gemeinde zu verlassen, nachdem du deine Zeit und Mühe in sie investiert hast. Ich weiß wie es ist zu beobachten, wie Mitglieder in Sünde fallen und nicht mehr zur Gemeinde kommen, nachdem sie zu wichtigen Leitern der Arbeit geworden sind. Ich verstehe die Frustration wegen der Rückschläge, die oft kommen, wenn Mitglieder die Gemeinde verlassen.

Falle nicht in eine Angriffshaltung

Aber Pastor, verfalle dann nicht in eine Angriffshaltung. Wenn du in einer Haltung der Integrität bleibst, die Menschen mit Liebe behandelst, die Gemeinde umsorgst und weiterhin deine gottgegebenen Aufgaben als Pastor erfüllst, dann hast du keinen Grund in eine Offensive zu gehen. Wenn du wirklich den Mitgliedern deiner Gemeinde dienst, brauchst du keine Angst davor zu haben, dass das Weggehen einer einflussreichen Person einen Massenexodus aus deiner Gemeinde bewirken wird.

Pastoren, wenn Mitglieder eure Gemeinde verlassen, dann schaut die Gemeinde auf euch. Wenn du die angreifst, die gehen – egal ob direkt, indem du Gerüchte deinen Leitern erzählst, oder indirekt durch entsprechende Aussagen in deinen Predigten, wirft das ein schlechtes Licht auf deinen Dienst und deinen Charakter. Das offenbart nur den Zorn und die Bitterkeit in deinem Herzen. Dann wirst du wahrscheinlich noch mehr Mitglieder verlieren, weil Niemand einen zornigen, bitteren Pastor mag, der nicht akzeptieren kann, dass der Heilige Geist manchmal Mitglieder weiterziehen lässt.

Wenn Jemand deine Gemeinde verlässt – insbesondere, wenn dieser ein Leiter war oder eine gut sichtbare Position bekleidete – dann ist es Zeit deinen Dienst zu überdenken, nicht aber die anzugreifen, die gegangen sind. Wenn es möglich ist, dann spreche mit der Person darüber, warum sie gegangen ist. Wenn das gegangene Mitglied nicht mit dir reden will, dann kann ebenso das Problem in ihren Herzen sein, wie auch in der Gemeinde selbst. Du kannst nicht einfach davon ausgehen, dass es alleine das Problem der Mitglieder sei, die gegangen sind.

Wenn Mitglieder anfangen zu gehen, dann ist es keine gute Zeit in Angriffsposition zu gehen – es ist dann Zeit zu beten und Gott zu fragen, ob es etwas in deiner Gemeinde gibt, das diese Mitglieder veranlasst hat zu gehen. Du magst der liebevollste und am meisten besorgte Pastor der Welt sein, aber du kannst trotzdem übersehen, wie ungesunde Cliquenbildung in der Gemeinde vorangehen oder die Aktionen machthungriger Leiter nicht bemerken, mit denen sie Mitglieder missbrauchen. Du magst den geistlichen Missbrauch nicht bemerken, welcher hinter den Kulissen stattfindet. Noch einmal: wenn Mitglieder anfangen die Gemeinde zu verlassen, dann verleugne nicht deren Charakter – überprüfe deinen eigenen und betrachte deine Gemeinde genau.

An diesem Wochenende traf ich Jemanden aus dieser Gemeinde, in der ich damals war, als ich ein Restaurant verließ. Sie sagte mir: „Ich kümmere mich nicht darum, was die dort sagen, ich mag dich immer noch.“ Was für eine traurige Angelegenheit.

Pastoren, lasst es nicht soweit kommen, dass ehemalige Mitglieder eurer Gemeinde auch eine solche Geschichte erzählen müssen. Wir sind alle Glieder am Leib Jesu. Und ihr Christen: nehmt nicht teil an einer solchen Gerüchteküche. Hört solchen Gerüchten nicht zu und verbreitet sie auch nicht. Pastoren, zeigt denen eure Liebe, die zu eurer Gemeinde gehören ebenso, wie denen, die sie verlassen. Wenn du das nicht vermagst, dann ist es eventuell Zeit deinen Dienst als Pastor niederzulegen.

Jennifer LeClair ist News Editor bei Charisma / USA. Sie ist auch Autor verschiedener Bücher.

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

4 Kommentare zu „Warum Gerüchte über Leute verbreiten, die ihre Kirche / Gemeinde verlassen?“

  1. Auch wenn der Atikel mal eine etwas andere Perspektive aufwirft stimmt etwas im Grundverständnis von Gemeinde und dem Dienst der Pastoren nicht!

    Zitat: „Wenn du wirklich den Mitgliedern deiner Gemeinde dienst … “

    Wenn ein Pastor nicht Christus dient, dann ist er keine Christ mehr weil Christus nicht mehr sein Mittelpunkt und Zentrum ist.

    Christus ist der Herr der Gemeinde und beruft seine Diener die IHM _zuerst_ verpflichtet sind. Alles Andere ist frommes Getue und streng genommen sogar Abgötterei weil die Gemeinde an die erste Stelle getreten ist, die Christus _allein_ gebührt!

    maranatha Stephan

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    1. Wenn ein Pastor nicht Christus dient, dann ist er keine Christ mehr weil Christus nicht mehr sein Mittelpunkt und Zentrum ist.

      Das halte ich für eine zwar nachvollziehbare, aber auch gefährliche Ansicht. Denn diese klammert den wesentlichen Kern dessen aus, was im Willen Jesu ist: den von Ihm erlösten Menschen zu dienen. Damit ist es genau kein Widerspruch darauf zu schauen, dass ein Leiter im Reich Gottes seinen geistlichen Fokus auf Jesus und seinen irdischen Fokus auf die Menschen gerichtet hat, um beiden zu dienen.
      Reduziert man hingegen diesen Dienst alleine auf den Dienst für Jesus, so macht man aus diesen Dienern genau diese verklärten, geweihten und mysteriösen, von den anderen Menschen abgesonderten Priester, die sie absolut nicht sein sollen. Christus ist für die Menschen gekommen und nicht dafür, dass ein mystisch verklärter Klerus Zeremonien abhalten.

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  2. Ich werde wahrscheinlich nicht wirklich positiv aufgenommen, aber ich bin wiederum der Meinung, dass es nicht wichtig ist welcher Kirche man angehört, oder ob man überhaupt einer Gemeinde angehört, sonder wie man selber ist. Es sollte nicht wichtig sein welcher Religion oder Gemeinde man angehört, sondern wie man sich damit fühlt und vor allem auch wie man dadurch sein Gottverständnis verbessern/stärken kann. Vielleicht bin ich ja auch von diesem Buch: „Die Demokratisierung der Kirchen“ http://www.frieling.de/katalog/archive/978-3-8280-2251-5?backto=1 beeinflusst… Zurückgreifend auf den Artikel warum werden die Menschen angegriffen, die aus einer Gemeine austreten und nicht die, die über sie lästern und Gerüchte verbreiten? Ich glaube darauf gibt es keine wahre Antwort…

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  3. Das ganze erinnert mich an eine Art Pflichtprogramm inmitten der Gemeinden, aber davon lese ich in der Bibel nichts.
    In erster Linie geht es doch tatsächlich darum den Heiligen Geist zu gehorchen, und das zu tun was er sagt. In der Apostelgeschichte lese ich von Menschen die keiner Organisation angehörten und trotzdem andere Menschen heilten und Gott dienten.

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