Bischof spielt arbeitslos

Bischof Ackermann
© Wikipedia-Lothar Spurzem

Die Nachricht war jetzt zu lesen, dass Triers Bischof Stephan Ackermann mal ausprobieren wollte, wie das wohl ist, wenn sich Jemand bei der Arge arbeitslos melden muss.

Arbeitslose sind dem Bischof nicht unwichtig, setzt er sich ja schon seit Jahren für solche ein. Dies ist ihm sicherlich zugute zu halten. Doch ist diese Aktion nun wirklich ein gelungenes Experiment oder gar doch eher fast ein Hohn für tatsächlich von Arbeitslosigkeit Betroffene?

„Mir ist es wichtig, auch zwischendurch immer mal wieder konkreten Kontakt zu haben, sei es mit Betroffenen, mit Beschäftigungsbetrieben oder konkret vor Ort hier in der Agentur“, sagte er. „Um nicht nur auf einer höheren Ebene gescheit zu reden, sondern auch konkret vor Ort eine Situation kennenzulernen.“

Nun denn, hätte sich der Herr Bischof doch einfach mal völlig unangekündigt und nicht gerade im Bischofsordinat unter die Wartenden der Arge gesetzt und dort mal ein paar Stunden ausgehalten. Das wäre wohl eher erleuchtend gewesen als diese PR-Aktion, die er sich da geleistet hat.

Zunächst meldet er seine geplante Aktion bei der Arge, zur gemeinsamen Terminfindung an, wo er auch gleich die Medien mit im Schlepptau hat – eine überaus realistische Situation für Menschen, die ihre Arbeit verloren haben und nun, wohl oder übel, sich bei der Arge melden müssen. So hatte der Bischof auch keinerlei Wartezeiten. Natürlich waren auch alle Argemitarbeiter an dem Tag bester Laune, übten den angebrachten Respekt vor „seiner Exzellenz“ und stellten seine Eigenbeteiligung, für seinen hier gespielten, Arbeitsplatzverlust wohl auch nicht peinlich in Frage.

So meldet sich „seine Exzellenz“ also spielerisch „arbeitslos“ und bekommt die üblichen Formulare zum Ausfüllen – natürlich auch gleich vollständig, nicht das, wie doch ab und zu mal, etwas vergessen wird und die Arge etwa schlecht vor der Presse dasteht. Und natürlich hat der Bischof auch alle nötigen Unterlagen dabei. Kunststück, hat er doch auch gleich seinen Fachassistenten dabei, der sogar auch noch zusammen mit dem Bischof die Unterlagen ausfüllt. Meine Güte, wo es hier um nichts geht außer Medienfun, da hat der Bischof aber einen tiefen Einblick in die Ängste und Nöte von Arbeitslosen bekommen, die keinen Fachassistenten zur Hand haben, er ihnen die Unterlagen ausfüllt. So hat der Herr Bischof auch nicht erleben müssen, dass er Wochen- oder gar Monatelang ohne jeden finanziellen Bezug dasteht, weil dem Argemitarbeiter anscheinend nur tröpfchenweise einfällt, welche zusätzlichen Unterlagen noch vorzulegen sind.

Tja und, oh Wunder, stünden dem fiktiv arbeitslos gewordenen Bischof nicht nur der Höchstsatz Arbeistlosengeld von 2100,-EUR zu, nein, man hätte auch gleich mal mehrere  Stellen für ihn: Mitarbeiter an einer Universität, ein Leitungsposten in einer Jugendbildungsstätte oder Referent des Generalvikars im Bistum Essen. Also nicht sowas wie die üblichen Abschreckstellenangebote in Billiglohnjobs und ähnlichem. Die Arge will sich ja auch vor den Medien nicht lumpen lassen.
Hach wie leicht und wie einfach ist das doch alles, nicht wahr Herr Bischof?

„Der Besuch des Bischofs ist eine gute Möglichkeit zu zeigen, dass man keine Angst haben muss, sich arbeitslos zu melden“, sagte der Sprecher der Trierer Agentur, Thomas Mares. „Arbeitslosigkeit ist kein Verbrechen und keine Schande. Es ist eine Sache, die in jedem Berufsleben vorkommen kann.“

Ackermann ist klar, so ein Testlauf vor Ort hat seine Grenzen. Dennoch habe er ihm geholfen, „einen besseren Einblick zu bekommen“, sagte er. Die Formulare, die man ausfüllen müsse, seien schon „umfangreiches Material, durch das man sich durchkämpfen muss“.

Da stellt sich mir doch gleich mal eine Frage an den Herrn Bischof und die Arge:
Sagen sie mal, wollen sie uns eigentlich verarschen und tatsächlich von Arbeitslosigkeit Betroffene vorführen? Was bitte soll an diesem „Wir spielen mal Arbeitslos“ denn realistisch sein? Was meinen sie denn, Herr Bischof, welche realistischen Einblicke sie dadurch gewonnen haben? Ich sage es ihnen: Keine!
Ihre naive Motivation mag ja ehrlich gewesen sein, aber mit diesem mediengerechten Spielchen haben sie Niemanden etwas gutes getan, außer der Arge eine unschöne Medienkampagne zu liefern.
Wie ich bereits oben erwähnte: jeder unangemeldete Besuch inkognito oder eine Arbeitslosigkeitsmeldung ala Günter Wallraff-Manier hätte ihnen tausendmal mehr gezeigt, wie es wirklich für tatsächlich Betroffene abgeht. Aber das da, das ist einfach nur lächerlich und zugleich beschämend. Da fragt man sich doch, ob sie nichts besseres zu tun haben? Oder war es Zeit sich im Sommerloch mal wieder ins Gespräch zu bringen?

Ich hoffe doch sehr, Herr Bischof, dass ihr sonstiges Einsetzen für Arbeitslose mehr Frucht bringt, als ein „Ich spiele mal Arbeitslos“.

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

Ein Gedanke zu „Bischof spielt arbeitslos“

  1. Tja, der hätte mal komplett incognito und ohne Presse oder Voranmeldung dort hingehen sollen – dann hätte manches sicherlich ganz anders ausgesehen.

    Noch mehr Lerneffekt hätte er erzielt wenn er die Voraussetzungeh für HARZ IV erfüllt hätte. Die Mitarbeiter auf den Ämtern sind zwar durchweg nett oder zumindest nicht unfreundlich, aber wenn Dein Überleben und das der Familie von Behörden-Vorschriften abhängt ist das eine Erniedrigung, der sich niemand freiwillig aussetzt – und das kann kein Mensch simulieren oder in einen Testlauf verpacken. Keine „Simulation“ ist in der Lage echte Ängste und Nöte verständlich oder nachvollziehbar zu machen.

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