Anschläge in Oslo

Kerzenmeer
© mephys / pixelio.de

Am Freitag erschütterten die Taten eines mutmaßlichen Einzeltäters in Oslo die Welt. Zuerst ließ er eine Autobombe in der Osloer Innenstadt explodieren, um dann auf der Ferieninsel Utøya über 70 Menschen zu erschießen.
Diese Anschläge selbst möchte ich hier nicht näher betrachten. Aber ich möchte die Grausamkeit und Kälte festhalten, mit der dieser Täter diese Taten verübt hat.

Wer ist dieser Mensch?
Diese Frage beschäftigt die Menschen weltweit. Wie kommt er dazu etwas derart Grausames zu tun?
Der erste Verdacht auf einen möglichen Hintergrund war in den Medien ein radikal-islamischer. So sehr hat sich unser Denken um solche Taten schon auf ein Feindbild eingeschränkt, dass wir uns schwer tun, solche Täter in einem anderen Hintergrund zu suchen. Dann aber wurde bekannt, dass der Täter kein Islamist ist, sondern vielmehr ein radikaler Feind des Islams und eher als Rechtsradikaler angesehen werden muss.

Ein fundamentalistischer Christ?
Ganz schnell machte auch die Meldung die Runde, dass der Täter zuvor monatelang auf einem christlich fundamentalistischen Forum im Internet diskutiert hat und schon ist den meisten Medien und vielen Menschen das Bild klar: es muss ein christlicher Fundamentalist sein. So finden sich im Net, an den Stammtischen und auf den Straßen bereits eine Unzahl Diskussionen darüber, wie gefährlich nun diese christlichen Fundamentalisten seien.
Aber war der Täter tatsächlich ein christlicher Fundamentalist? Nein, ganz und garnicht, wie er selbst geschrieben hat:

Das Medienmagazin Pro berichtet:
Die Zeitung „Verdens Gang“ zitierte einen Freund des Mannes mit den Worten, B. sei vor einigen Jahren zum Rechtsextremisten und habe in Internetforen nationalistische Ansichten vertreten. Auf seiner mittlerweile gesperrten Facebook-Seite hatte der mutmaßliche Täter angegeben, sich für Bodybuilding, konservative Politik, die Jagd und Freimaurerei zu interessieren. Er spielt das Computerspiel „World of Warcraft“ und besitzt mindestens zwei registrierte Waffen.

Wie die „Christian Post“ berichtet, ließ sich der Norweger offenbar im Alter von 15 Jahren protestantisch taufen, zeigte sich später aber sehr enttäuscht von der Kirche. Die protestantische Kirche müsse „zurück zur katholischen Kirche“ kommen. Die Zeitung trug aus verschiedenen Internet-Foren Zitate des Norwegers zusammen. „Heute ist die protestantische Kirche ein Witz“, schrieb der Norweger in einem Forum. „Priester marschieren in Jeans für Palästina, und die Kirchen sehen aus wie kleine Shopping-Center.“…

„Welt online“ zitiert den Norweger mit der Ansicht, der Multikulturalismus und „marxistische“ Politiker hätten die norwegische Kultur unterwandert. Die Norweger müssten lernen, wieder christlich und national zu denken. Der entscheidende Kampf sei nicht mehr Kapitalismus gegen Kommunismus, sondern Internationalismus gegen Nationalismus. Von 1999 bis 2006 war Anders B. offenbar Mitglied der rechtspopulistischen Fortschrittspartei (FrP)….

Wenige Tage vor dem Attentat hat der Norweger ein 1.500 Seiten umfassendes „Manifest“ verfasst und im Internet veröffentlicht. Wie die Nachrichtenagentur NTB am Samstagabend meldete, soll das Buch unter dem Titel „2083. A European Declaration of Indepence“ unter dem Pseudonym Andrew Berwick veröffentlicht worden sein. Es handele unter anderem von „Rassenkrieg“ und der Frage, wie Europa sich von Zuwanderern befreien könne….

In dem englischsprachigen Manifest bezeichnete sich B. als Tempelritter. Unterzeichnet ist es mit „Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels“….

Bezüglich seines eigenen christlichen Glaubens schreibt B. dort: „Eine Mehrheit der so genannten Agnostiker und Atheisten in Europa sind kulturelle konservative Christen, ohne es selbst zu wissen. Was also ist der Unterschied zwischen kulturellen Christen und religiösen Christen? Wenn man eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und Gott hat, dann ist mein ein religiöser Christ. Ich und viele andere wie ich haben nicht notwendigerweise eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und Gott. Wir glauben aber an das Christentum als kulturelle, soziale und moralische Plattform. Das macht uns zu Christen.“

Er selbst bezeichnet sich also nicht als „religiöser Christ“ mit einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus (was die Voraussetzung für einen fundamentalistischen Christen wäre), sondern als „kultureller Christ“ ohne jegliche persönliche Beziehung zu Jesus Christus und mit starker Tendenz zum katholischen Glauben. Das hat er mit vielen Rechtsradikalen aus der westlichen Welt gemein. Sie berufen sich auf den christlichen Glauben, welchen sie aber durch ihre Überzeugungen und Handlungen mit Füßen treten.

Weiter ist festzuhalten, dass er laut RP-Online noch ganz andere ideologische Wurzeln hatte:
Wie die rechtspopulistische Fortschrittspartei (FrP) mitteilte, war Berhing früher Mitglied der Partei und seiner Jugendbewegung. Der Tatverdächtige sei zwischen 1999 und 2006 FrP-Mitglied gewesen. Zwischen 2002 und 2004 habe er eine verantwortliche Stellung innerhalb der Jugendorganisation FpU innegehabt….

Laut der in Stockholm ansässigen Expo-Stiftung, die rechtsextreme Aktivitäten überwacht, war der festgenommene Norweger seit 2009 bei einem schwedischen Neonazi-Internetforum angemeldet. Auf dem Internet-Portal namens Nordisk ist demnach ein breites Rechtsaußen-Spektrum vertreten – von Abgeordneten der rechtspopulistischen Schwedendemokraten bis hin zu Neonazis….

Dem Bericht zufolge soll er „World of Warcraft“ gespielt haben, war Mitglied im „Oslo Gun Club“ und wohl auch bei der Freimaurerloge….

Er war also sowohl Rechtsradikal als auch Freimaurer. Ist die RP-Online darüber nicht wirklich sicher, so lässt eins der vom Täter selbst in seinem Manifest veröffentlichten Fotos keinen Zweifel mehr zu:

In dem Artikel der Dailymail (Klick auf das Bild) sind noch weitere Fotos von ihm zu sehen.

Stellt sich also die Frage, warum der Täter in den Medien nicht eher als rechtsradikaler Freimaurer betitelt wird – käme dies doch der Realität deutlich näher. Das allerdings ein Freimaurer zu solchen Taten fähig ist, das will in das Bild, welches über Freimaurer verbreitet wird, nicht passen. Daher erwähnt man diesen Fakt wohl eher ganz am Rande. Das Freimaurer gar Fundamentalisten sind, will man auch nicht wahrhaben.

Die Gesellschaft braucht Feindbilder
Die Reaktionen auf die grausamen Taten in Norwegen offenbart, wie sehr die Gesellschaft der Menschen Feindbilder braucht und all zu schnell diese in religiösen Bereichen sucht. Diese grundsätzliche Haltung, extreme Gewalttäter immer wieder mit religiösem Fundamentalismus verbinden zu wollen ist genauso abzulehnen, wie solche Gräueltaten.

Ist der Täter von Oslo ein fundamentalistischer Christ? Auf garkeinen Fall!
Daher ist es gut und wichtig, dass sich Christen auf der ganzen Welt klar und deutlich davon distanzieren, was auch bereits geschieht. Ich hoffe sehr, dass genügend Menschen mit Verstand in den Medienberichten und Diskussionen dies mehr wie deutlich machen und die Gesellschaft ihre Augen dem Fakt öffnet, dass es für einen radikalen Fundamentalismus keines religiösen Glaubens bedarf.

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

3 Kommentare zu „Anschläge in Oslo“

  1. Das Medienmagazin PRO ergänzt:
    In dem Manifest, dass Anders B. im Internet veröffentlicht hatte, geht er auch auf Religion ein. Er sieht sich als „gerechten Ritter“ und „Märtyrer für die Kirche“. Ein Eintrag lautet: „Ich habe heute zum ersten Mal seit sehr langer Zeit gebetet. Ich machte Gott klar, dass er, wenn er keine marxistisch-islamische Allianz haben will und nicht will, dass der Islam ganz Europa übernimmt und im Laufe der nächsten hundert Jahre das europäische Christentum verschlingt, auch dafür sorgen muss, dass ein Krieger für das europäische Christentum Erfolg hat.“

    Weiter schreibt der 32-Jährige: „Ich will niemandem vormachen, dass ich sehr religiös bin, das wäre eine Lüge. Ich war immer sehr pragmatisch und wurde von meiner säkularen Umwelt beeinflusst. (…) Religion ist eine Krücke für schwache Menschen, und viele umarmen die Religion aus eigennützigen Gründen, weil sie dadurch geistig gestärkt werden.“ Das sei auch für ihn der einzige Grund, religiös zu sein. „Ich habe bisher Gott noch nicht um Kraft gebeten, aber ich bin sicher, ich werde beten, wenn ich durch die Stadt ziehe und die Gewehre feuern (…) Wenn es einen Gott gibt, dann wird er mich in den Himmel lassen wie alle Märtyrer für die Kirche in der Vergangenheit.“ Den Protestantismus nennt er abfällig den „Marxismus des Christentums“. „Wir müssen zu unseren katholischen Wurzeln zurückkehren. Wir, die protestantischen Nationen Europas, sollten nicht vergessen, dass wir alle einmal Katholiken waren.“

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