Salafisten in Mönchengladbach V

© Charly Lücker

Extremes Aufeinandertreffen

Heute veranstaltete die Bürgerinitiative ihre Demo gegen die Salafisten. Ich kam hinzu, als die Demo in ihren Zug durch MG-City am alten Stadttheater angekommen ist. Es hatte sich eine ganze Anzahl Menschen versammelt, die mit lautem Getöse durch die Stadt zogen.

Auf den Stufen zum alten Theater positionierte sich die BI und ihr Leiter Wilfried Schultz verkündete per Megaphon ihre Anliegen. Interessanterweise setzen die sich neuerdings anscheinend aus einer Aneinanderreihung von Beleidigungen gegen die Salafisten zusammen und kaum noch aus echten Argumenten gegen den extremen Islam. W. Schultz wurde in den beiden Kundgebungen, die ich gehört habe, recht ausfallend und bediente sich einem recht pöbelnden Jargon. So blieb es auch nicht aus, dass die anwesenden Salafisten einmal gegen die Behauptungen von W. Schultz laut „Lügner, Lügner“ skandierten. Ich konnte diese Empörung aufgrund der waghalsigen Behauptungen, die wir uns dort anhören mussten, nachvollziehen.
W. Schultz  ließ es nicht aus mit blumigen Worten an den 11. Sept. 2001 zu erinnern, wobei er die damaligen Attentäter in Bezug auf die Salafisten allgemein stellte. Er zählte noch mehr Terroranschläge auf, vergaß dabei aber wohl bewusst auch die Reichskristallnacht zu erwähnen, die nach meinem Empfinden stimmungsmäßig ganz gut an dem anklingen würde, was ich heute in Mönchengladbach erleben musste. Denn die Parolen, die W. Schultz dort zum besten gab, hätten auch gut von einer rechten Partei stammen können.

Wie zu erwarten war, hörte ich in den Kundgebungen auch nichts, was auf ein qualifiziertes Hintergrundwissen oder einer vernünftigen Auseinandersetzung mit dem Thema schließen lassen würde. Dafür aber jede Menge Emotionen.
Auf dieser Demo war auch kein Politiker sehen. Das kann ich gut nachvollziehen, denn kein vernünftiger Politiker wird sich mit solchen Parolen identifizieren lassen wollen. Da sich die Politiker der Stadt und des Landes nicht mehr zur Bürgerinitiative stellen, verkündete W. Schultz dann auch, dass sie eine eigene Partei gründen wollen. Wozu, musste ich mich unwillkürlich fragen. Denn rechtsgerichtete Parteien haben wir schon zu viele. Und nichts anderes wird dies wohl auch werden.

W. Schultz proklamierte, dass sich die Salafisten nicht auf die Religionsfreiheit berufen dürften, die in Deutschland laut Grundgesetz gilt. Manche Religionen oder Religionsausübung gehörten einfach verboten und abgeschafft. Das war z.B. einer der Aussprüche, die mich stark an das braune Pack erinnerte, die damals solche Parolen gegen die Juden verkündeten. Religionsfreiheit also nur für Religionen, die niemand anderen stören – was hat das dann noch mit der Religionsfreiheit zu tun, die im Grundgesetz verankert wurde? Nichts, nicht war?

Auf dem Vorplatz des alten Theaters waren die Salafisten anwesend. Als die Demo weiter zum Alten Markt zog, hinderten Polizisten anscheinend die Salafisten daran dorthin mitzuziehen. Das wunderte mich zunächst. Am Alten Markt angekommen sah ich dann, dass dort schon linke Demonstranten warteten. Diese unterbrachen die Kundgebung auch immer wieder durch Zwischenrufe und ließen keinen Zweifel daran, dass sie mit dem, was dort verkündet wurde, nicht einverstanden sind. Vereinzelt fragten mich Passanten, was das für eine Demo sei. Immer wieder erlebte ich, dass diese genervt abwinkten, wenn ich ihnen sagte, dass die BI hier demonstriere. Offensichtlich gibt es eine ganze Anzahl Bürger in MG, die von dem Streit zwischen Bürgerinitiative und Salafisten einfach nur noch genervt sind. Ein paar junge Leute an einem Stand am alten Theater, die nicht aus MG stammten, zeigten sich entsetzt über die Parolen die sie von der BI zu hören bekamen. Diese waren völlig unvorbelastet und hörten das erste Mal von diesen Dingen in MG.

Ein Umstand lässt zumindest die aufgewühlten Emotionen von W. Schultz schon nachvollziehen. So wie er berichtet hat, wurde in dieser Nacht die Haustür seines Hauses mit einer Gehwegplatte eingeworfen. Er macht sich daher zunehmend Sorgen um seine Familie. Das ist natürlich nachvollziehbar. Aber ist ihm auch klar, dass es manchen Salafisten in MG zur Zeit nicht anders ergeht? Offensichtlich nimmt die Gewaltbereitschaft im Umfeld dieser Auseinandersetzungen weiter zu. Nur die Dialogbereitschaft zwischen den beiden Parteien anscheinend nicht.
Ich sprach nach der Demo Sven Lau auf den nächtlichen Steinwurf bei Schultz an. Der versicherte mir glaubwürdig, dass er nichts davon wusste und keine Ahnung hat, wer dahinter stecken könnte.
Wie auch schon bei meinem letzten Gespräch mit Salafisten, habe ich auch das Gespräch mit Sven Lau als respektvoll und entspannt empfunden. Ich wies ihn allerdings darauf hin, dass ich als bekennender Christ Betroffenheit empfinde, wenn ich mir auf Youtube ansehen muss, wie Pierre Vogel am letzten Sonntag diesen jungen Christen so vorgeführt und sich, in meinen Augen, über uns Christen lustig machte. Er schien nachvollziehen zu können, dass solche Sachen einen Dialog nicht wirklich erleichtern. In dem Gespräch mit Sven Lau erschien es mir glaubwürdig zu sein, dass ein Dialog mit den Salafisten in MG möglich ist, wenn man eben auch bereit ist ihre zum Teil extremen Ansichten zu respektieren.

Ich gehe davon aus, dass man von der Bürgerinitiative und den Salafisten in Mönchengladbach noch weiter hören wird.

Fortsetzung

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

7 Kommentare zu „Salafisten in Mönchengladbach V“

  1. Respekt für diesen Schönen Objektiven Artikel, den ersten Objektiven Artikel der von einem Nichtmuslim geschrieben wurde. Ich glaube ich kann doch noch etwas hoffnung schöpfen was die reporter in Deutschland angeht.

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  2. Ich konnte sehen, dass z.B. in den Kommentaren auf RP-Online zu Artikeln über die Salfiten auch Zitate meines Artikels hier kommentiert wurden. Beschaulicherweise idR anonym und eben nicht hier!

    Ich gehe mal davon aus, dass solche Kommentare aus dem Off einfach nur das niedrige Niveau und die Feigheit dieser Kommentatoren belegen. Wer sich hier äußern möchte, kann das jederzeit tun. Schlichte Beleidigungen und ähnlich gelagerte Antworten werden allerdings hier – anders als z.T. bei RP-Online – gelöscht.

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  3. Ich vermisse bei den Auseinandersetzungen mit den Salafisten,eine eindeutige Distanzierung der
    echten und friedlichen Moslems.Im übrigen gibt es probate
    Mittel um den Spuk der terrorverdächtigen Salafisten
    zu beenden.(rechtlich nicht verboten)

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    1. Die klare Stellungnahmen der übrigen Moslems zu den Salafisten vermisse ich auch. Überhaupt vermisse ich bei den meisten Moslems, eine klare Stellungnahme gegen Extreme und Terrorismus im Namen des Islam.

      Dem „Spuk“ mit den terrorverdächtigen Salafisten (komisch? In MG gibt es doch laut Verfassungsschutz keinen einzigen Salafisten, der unter einem konkreten Terrorverdacht steht, oder?) ist nicht so einfach zu begegnen. Man kann zwar den Verein verbieten. Man kann aber nicht die Menschen verbieten, um die es sich hier dreht, auch nicht, dass sie ihre Überzeugungen haben. Zumindest dann nicht, wenn wir weiterhin Wert darauf legen in einem freiheitlichen und demokratischen Staat zu leben.

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  4. Nachdem es an verschiedenen Orten Razzien gegen Salafisten und deren Vereine gegeben hat, versteigt sich nun ein Blogbertreiber (für den ich nicht bereit bin mittels eines Links zu seinem Blog auch noch Werbung zu machen), der zusehends mehr und mehr dem braunen Milieu verfällt (zB als Wahlhelfer für Pro-NRW), mir zu unterstellen, ich hätte hier „Die Salafistengegner“ „beschimpft und beleidigt“.
    Nun, da es mit der intellektuellen Auffassungsgabe dieses Blogbetreibers und seiner Sympathisanten offensichtlich nicht allzu weit her ist, wiederhole ich mich hier nochmals mit Aussagen, die ich in so gut wie jedem meiner Blogbeiträge geäußert habe:

    • Ich sehe klar das Bedrohungspotential in der Idelologie der Salafisten und bestimmter Prediger derselben
    • Ich halte eine Politik der Ausgrenzung bis jetzt immer noch für das völlig falsche Vorgehen, ja sogar geeignet die Konflikte zu schüren
    • Ich beurteile keineswegs alle Gegner der Salafisten pauschal, sondern habe immer klar adressiert, wen ich mit welchem Verhalten kritisiert habe

    Gerade die obige Schilderung der sogen. „Demo“ ist eine Beschreibung meines Empfindens und verschiedener Reaktionen anderer, die ich dort gesprochen habe. Das ist keine Beleidigung, sondern eher ein Aufruf darüber nachzudenken, welchem Denken man sich mit derartigen Verhalten aussetzt und sein eigenes Verhalten zu reflektieren.
    Wer nicht als im Denken an Rechts orientiert wahrgenommen werden will, sollte sich nicht so verhalten.
    —————-
    Sehr anschaulich auch, wie dort zT in Kommentaren demonstriert wird, dass man zwar praktisch keine wirkliche Ahnung über die Materie hat, sich aber dennoch mächtig aufplustert, um halbwegs seriös wirken zu wollen. Es wäre amüsant, wenn es nicht so traurig wäre.

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