Es soll „biblisch“ sein

Bibel
© Burkard Vogt / pixelio.de
Bild: © Burkard Vogt / pixelio.de
Man hört und liest in christlichen Kreisen an vielen Stellen, es sei wichtig dass alles „biblisch“ angegangen wird. Alles, was Christen tun solle möglichst „biblisch“ sein.

Das ist ein gutes Anliegen. Immerhin bildet die Bibel die Lehrgrundlage aller christlichen Lehre … oder sie sollte es zumindest sein, was leider oft nicht der Fall ist.

Erstaunlicherweise findet man unter Christen oft heftige Streitgespräche, was denn nun „biblisch“ sei und was nicht. Wie kann das sein, wenn wir doch die Bibel haben und jeder darin nachlesen kann, wie es sich verhält?

„Biblisch“ meint zu oft: So wie ich es verstehe
Tatsächlich ist es bei einem derart komplexen Buch wie die Bibel garnicht so leicht alle Lehrfragen eindeutig zu bestimmen. Zudem ist die Bibel sehr alt und in ganz anderen Sprachen geschrieben, als die in der wir sie lesen. Und lange nicht jeder, der es schafft den Text der Bibel zu lesen, ist damit auch schon befähigt, diesen Text richtig zu deuten, geschweige denn ihn verbindlich auszulegen. Dazu kommt, dass jeder die Bibel immer aus einer bestimmten eigenen Sicht heraus liest. So wird das Verstehen immer schon von dem geprägt sein, was der Leser zuvor schon als wichtig und richtig empfindet. Allzu leicht kommt es dabei zur „Eisegese

Verfolgt man die Diskussionen muss man auch feststellen, dass die Argumentation, es solle „biblisch“ sein, lediglich meint es habe alles so zu sein, wie der jeweilige Diskutant die Dinge sieht. Es muss nicht einmal niederen Beweggründen entspringen, dass so argumentiert wird. Jeder Mensch geht zunächst von seinem Weltbild aus. Dies zu revidieren ist oft mühsam und es bedarf eines freien Geistes, um das zu tun. Zugehörigkeitswünsche, Ängste, Sicherheitsbedürfnisse und so manches mehr hindern uns Menschen oft daran, unsere Ansichten beständig als hinterfragbar wahrzunehmen.

Die Bibel auszulegen ist eine schwierige Sache und bedarf ein hohes Maß an Sprachkompetenz, an diversen Fähigkeiten mit Texten umzugehen, an Hintergrundwissen zu den biblischen Texten, etcpp.
Letztlich ermahnt uns schon der Apostel Paulus: 1 Korinther 13:9 Denn unser Wissen ist Stückwerk… 12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich’s stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin. (Lut)
Und weiter mahnt Jakobus: Jakobus 3:1 Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wißt, daß wir ein schwereres Urteil empfangen werden! 2 Denn wir alle straucheln oft… (Rev. Elb.)

„Biblisch“ und die Arroganz
Viel zu oft muss ich aber auch feststellen, dass hinter der Forderung, dass alles „biblisch“ sein solle, lediglich menschliche Überheblichkeit und Arroganz steckt. Viele wähnen sich auf dem „besseren“ und „richtigeren“ Weg zu sein und sehen ihre eigenen Begrenzungen nicht.
Jesus sagte dazu schon: Matthäus 7:1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! 2 Denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr meßt, wird euch zugemessen werden. 3 Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber in deinem Auge nimmst du nicht wahr? 4 Oder wie wirst du zu deinem Bruder sagen: Erlaube, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; und siehe, der Balken ist in deinem Auge? 5 Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge! Und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus deines Bruders Auge zu ziehen. (Rev. Elb.)

Sprachgebrauch ändern
Ich schlage vor, dass jeder Christ, der den Austausch und die Gemeinschaft mit seinen Glaubensgeschwistern ernst nimmt und nicht in die Fallen der Arroganz tappen möchte, seinen Sprachgebrauch ändert. Statt zu fordern, es solle „biblisch“ zugehen, meine ich es wäre besser davon zu reden, gemeinsam den biblischen Vorgaben näher kommen zu wollen. Denn ganz leicht kannst du, lieber Christ, dich darin wiederfinden, dass du heute etwas als „unbiblisch“ ablehnst, was du gestern noch vehement als „biblisch“ eingefordert hast.
Mal ganz davon abgesehen, dass Demut Christen weitaus besser zu Gesicht steht als fromme Arroganz.

Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

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