Was die Welt nicht braucht…

Nein Danke
© Kigoo Images / pixelio.de

…und Christen sich verkneifen sollten. II
Während die Welt entsetzt auf die Geschehnisse und die Toten der Loveparade nach Duisburg schaut, äußert sich Eva Herman in einem ausführlicheren Kommentar. Dieser Kommentar erregt völlig zurecht reichlich Widerspruch – sowohl aus dem säkularen Sektor als auch von Seiten der Christen.

Zunächst ein klares Statement von mir:
Liebe Mitchristen, wenn ihr nur zu derartigen Kommentaren fähig seid, enthaltet euch besser jeglichen Kommentar. Seid ihr aber zu reflektierteren Kommentaren fähig, dann äußert euch auch bitte! Mein Dank gilt hier insbesondere auch Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, für seinen Kommentar in der Rheinischen Post.
Ich empfinde zudem so manche oberflächliche Zustimmung zu derartigen Artikeln, die einen Hang zum fanatisierten, wenig intelligenten Glauben vermuten lassen, durch andere Christen nur abstoßend.
Da wird argumentiert, Eva Herman hätte doch in vielem Recht. Das werde ich mir hier einmal genauer ansehen. Aber auch wenn sie in manchen Punkten berechtigte Kritik äußert, so zeichnet ihre Art sich auszudrücken nicht die Liebe Gottes wieder, die Gott eindeutig den Betroffenen gegenüber empfindet.

Zu dem was Eva Herman schrieb:
Der Vergleich mit Sodom und Gomorrha direkt im Einstig des Artikels:
Der Vergleich mit diesen beiden Städten im AT der Bibel wird gerne für ausschweifende Zustände herangezogen. Ich halte diesen hier nicht als gerechtfertigt. Wer die Geschichte in der Bibel aufmerksam gelesen hat, muss feststellen dass in Duisburg kaum ganze Städte in derartigen Verirrungen geendet sind.

Zitat: „Der frischgebackene Bundespräsident Wulff stellte in einer eiligen Reaktion schon kurz darauf »bestürzt« fest“
Was sollen die Anführungszeichen um das Wort bestürzt? Will Eva Herman tatsächlich Bundespräsident Wulff absprechen das er angesichts dieser Katastrophe tatsächlich bestürzt war? Welch eine anmaßende Arroganz!

Kritik an der Loveparade als „riesige Drogen-, Alkohol- und Sexorgie“
Zunächst bleibt dem nüchternen Betrachter keine andere Wahl als dem zuzustimmen, dass die Loveparade schon immer durch ausufernden Drogenmissbrauch aufgefallen ist. (Btw. Alkohol ist auch eine Droge) Wer dies als nicht nennenswert erachtet muss sich fragen lassen, ab wieviel Drogenmissbrauch dies seines Erachtens nennenswert ist.
Nicht anders verhält es sich mit der ausufernden Sexualisierung der Loveparade. Nicht nur blankgezogene Busen mögen da genannt werden – die sieht man in den warmen Sommertagen an jedem Badestrand und auf Liegewiesen. Das aber bekanntermaßen im direkten Umfeld der Loveparaden auch Hardcore-Pornos gedreht wurden, ist durch diverse „Reportagen“ im TV bekannt. Ob dies auch in Duisburg der Fall war, entzieht sich aber meiner Kenntnis.
Aber ist das alles eine geplante Orgie mit den genannten Zielen? Nein!
Ganz deutlich ist hier festzuhalten, dass die eigentliche Motivation dieses umstrittenen Festivals eine ganz andere ist. Tatsächlich wollte die wohl weit überwiegende Zahl der Besucher lediglich einen friedvollen Tag mit Tanz und Festivalerleben genießen. Das nicht wenige der Besucher dabei zu Drogen- und Sexexzessen neigten, macht daraus noch lange keine geplante Orgie.
Diese Punkte sind auch in meinen Augen durchaus kritikwürdig. Aber Kritik sollte dann schon so geäußert werden, dass dieser auch noch zugehört wird. Ansonsten eignet sich eine solche unqualifizierte Kritik nur dazu, den Kritiker in seiner Selbstgerechtigkeit zu baden. Dazu gehört auch der Vorwurf, dass die Organisatoren mit der Loveparade bewusst eine Orgie geplant hätten. Zudem sollte eine solche Kritik nicht unmittelbar angesichts einer solchen Tragödie geäußert werden. Dass sollte vielmehr im Vorfeld oder evtl. mit genügend Abstand im Nachhinein geschehen.
Die berechtigte Kritik an solchen Ausschweifungen begrenzt sich auch nicht auf die Loveparade – dazu müsste z.B. genauso auch das Oktoberfest und so manch andere beliebte Großveranstaltung fast aller Couleur gezählt werden. Ergo muss dieses Thema zwar unbedingt angesprochen werden und entsprechende Maßnahmen bedacht werden. Aber eine Klassifizierung einer Einzelveranstaltung als Orgie geht da in eine völlig falsche Richtung.

Der Vergleich mit den „letzten Tagen“
Wieder eine beliebte Redewendung, die allerdings in ihrer ausführlichen Umschreibung im Artikel nicht mehr als reine Redewendung erscheinen mag. Nein Frau Herman, diese berühmten „letzten Tage“ die in der Bibel beschrieben werden, sehen dann doch noch ganz anders aus. Es mag ja sein, dass sie sich das baldige Kommen unseres Herrn ersehnen, aber ihre gleichzeitig aufgezeigte Lieblosigkeit lässt die Frage aufkommen ob sie nicht auch Opfer eines Phänomens der „letzten Tage“ geworden sind. So kündigt die Bibel an: Matthäus 24:12 …  wird die Liebe der meisten erkalten
Lesen wir dann doch einmal den Kontext dieser Aussage:
Matthäus 24:4 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, daß euch niemand verführe! 5 Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus! Und sie werden viele verführen. 6 Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Seht zu, erschreckt nicht! Denn es muß geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. 7 Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es werden Hungersnöte und Erdbeben da und dort sein. 8 Alles dies aber ist der Anfang der Wehen. 9 Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehaßt werden um meines Namens willen. 10 Und dann werden viele verleitet werden und werden einander überliefern und einander hassen; 11 und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen; 12 und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten; 13 wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden. 14 Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen. (Rev. Elb.)
Zu welcher Art „Propheten“ zählen sie sich denn, Frau Herman und all die Christen, die einen derartigen Schreibstil gut und richtig finden? Wenn ihre Worte nicht von der Liebe Gottes zu allen Menschen geprägt ist, müssen sie sich fragen lassen, ob ihre Anklage nicht auch Ausdruck der angekündigten Gesetzlosigkeit ist. Ein predigen des Evangeliums ist das ganz sicher nicht.

Kritik an der Musik
Nun, es liegt wie so oft im Auge / Geschmack des Betrachters, was er als Musik empfinden mag. Ich selbst empfinde Techno auch lediglich als phantasielose, aller Kreativität baren und stumpfsinnige Musik. Ich bin auch kein Fan aller Musikrichtungen. Manches wirkt auf mich nur abstoßend. Diese wahnsinnige Lautstärke, mit der diese Musik gespielt wurde, entbehrt auch jeglichen gesunden Menschenverstand.
Aber das macht aus dieser Musik noch lange kein Zeichen der „letzten Tage“.

Das Heranziehen finsterer Mächte
Das ist ein beliebtes Argumentationswerkzeug diverser Christen, ein Wirken dämonische Mächte in allem Möglichen finden zu wollen. Insbesondere in Dingen, die z.B. nicht ihrem Geschmack entsprechen.
Das in allem Möglichen tatsächlich auch die Kräfte des Widersacher Gottes mitspielen, ist aber eigentlich kaum so außergewöhnlich dass dies eine derartige Betonung verdient. Um es klar festzuhalten: Wenn Christen sich gegenseitig darin bestärken, den Menschen in der Welt mit billigen Vorurteilen und Hass zu begegnen, sind auch nicht wenige finstere Mächte aktiv. Dämonen brauchen kein Technogewummer um aktiv zu werden.
Ganz sicher haben hier nicht „auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen“. Wer sollte das denn gewesen sein? Satan und seine Kohorten etwa? Wollten sie, Frau Herman, uns nicht gerade eben noch aufzeigen, dass diese „Orgie“ die vollste Zustimmung eben dieser findet?
Sollte es gar Gott gewesen sein, der hier durch diese Katastrophe ein Zeichen setzen wollte? Dann frage ich mich, ob Christen, die ein solches Gottesbild vertreten, Gott tatsächlich kennen.
Ich empfinde eine solche Art der Argumentierung als bekennender Christ schlicht verdreht. Für mich klingt auch in solcher Argumentation der verdeckte Hass mancher Christen heraus. Liebe zu den Menschen wird es kaum sein, die Christen zu solchen Mutmaßungen treibt. Das Beispiel Abrahams im Vorfeld der Katastrophe um Sodom und Gomorrha sollte uns Christen eine Ermahnung sein. Abraham war vom Erbarmen für die Menschen bewegt, als er mit Gott anfing um diese Städte zu handeln. Er ergötzte sich wahrlich nicht an der Vernichtung der beiden Städte.
Das Jesus selbst gar Unglücke nicht als Zeichen Gottes ansah, zeigt uns die Bibel auch auf:
Lukas 13:2 Und er antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, daß diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder waren, weil sie dies erlitten haben? 3 Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen. 4 Oder jene achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und sie tötete: meint ihr, daß sie vor allen Menschen, die in Jerusalem wohnen, Schuldner waren? 5 Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen. (Rev. Elb)
Tatsächlich spüre ich, wie auch ich diesen aburteilenden Christen die Aufforderung zur Buße zurufen möchte.

Der beständige Vorwurf an die 68er
Ja ok, durch die 68er-Bewegung hat sich vieles verändert. Aber zuvor in den 50er Jahren war das auch schon der Fall, nicht zuletzt führten zwei Weltkriege auch zu einer Revolution der darauf folgenden Generationen.
Das nach Frau Hermans Meinung anscheinend die 68er Generation an allem Schuld sein soll, macht sie nur noch unglaubwürdiger.
Ich finde es hingegen schade, dass die heutige Jugend nicht derart von politischen und gesellschaftlichen Interesse bewegt ist, wie die Generationen zuvor. War Woodstock noch ein Zeichen davon, dass eine Generation sich den Muff der Generationen von den Schultern schüttelt, so sind heutige Großmusikveranstaltungen lange nicht mehr damit zu vergleichen. Natürlich gab es auch bei dem Woodstock-Festival ähnliche Ausschweifungen.  Aber wie ich schon aufzeigte – das gibt es auch beim Oktoberfest, bei diversen Schützenfesten, usw. Darüber hinaus war diese Generation aber davon bewegt ihre Welt konstruktiv und gegen den Widerstand Ewiggestriger zu verändern. Viele Freiheiten, die wir als Christen heute genießen, verdanken wir ebenso diesen Generationen. Vergessen wir nicht, dass auch die „Jesuspeople“ dieser Zeit entstammen. Ohne diese würden die Lobpreiszeiten in diversen Gemeinden immer noch nur von Jahrhunderte alten Chorälen geprägt sein. (Ok, auch hier ist Musik Geschmackssache.)

Fazit
Nein liebe Frau Herman und andere Christen, die ihren Worten allzu schnell zustimmen wollen: Derartige Artikel braucht die Welt nicht und haben mit der Verkündigung des Evangeliums nichts gemein. Diese abstoßende Lieblosigkeit, engstirnige Weltsicht und verurteilende Haltung erreicht Niemanden für das Reich Gottes und wird außer berechtigter Empörung nichts bewirken.

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

1 Kommentar zu „Was die Welt nicht braucht…“

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