Sinnvoller Gemeindeeinsatz?

Gartenarbeiter
© RainerSturm / pixelio.de

Nach dem Vorbild der US-amerikanischen Willow-Creek-Gemeinde (South Barrington bei Chicago) engagieren sich Mitglieder der „FEG Unterwegs“ (Anm.: jetzt nicht mehr FEG) in ihrer Stadt Sinn. So meldet „idea“ dass sie ihrer Kommune jede Woche 40 Arbeitsstunden kostenlos zur Verfügung stellen. Sie übernehmen „am Gemeinwohl orientierte Arbeiten“.  idea schreibt: „An jedem Samstagvormittag reinigten Gemeindemitglieder die Grünanlagen von Unkraut. Sie hätten auch eine Patenschaft für einen Spielplatz übernommen und führten im Schwimmbad und andernorts einfache Renovierungsarbeiten aus. / Bürgermeister Hubert Koch (SPD) ist begeistert… Das Angebot passe, weil es im Bauhof akute Personalnot gebe… Es gehe darum, der Kommune etwas Gutes zu tun: „Wir wollen Sinn dienen.“ Die Aktion stoße im ganzen Ort auf Anerkennung. Auch Einwohner, die bislang keine Kontakte zur Freien evangelischen Gemeinde gehabt hätten, brächten sich inzwischen mit ein.“

Doch wie sinnvoll ist dieser Einsatz in Sinn?
Auf den ersten Blick könnte man über diesen Einsatz begeistert sein. Aber auch noch nach dem zweiten Blick?
Bei der heutigen Arbeitsmarktlage muss man sich fragen, ob diese Christen nicht in den Arbeitsmarkt eingreifen und durch ihr Engagement die Bildung von Voll-, Teilzeit- oder Bürgerarbeitsstellen verhindern. Immerhin wären 40 Stunden pro Woche bereits eine Vollstelle.

Klar leiden die Kommunen, ganz sicher auch eine Gemeinde die gerade mal 6500 Einwohner hat, an chronischen Geldmangel. Na klar erklärt der Bürgermeister: „Wir freuen uns über dieses bürgerschaftliche Engagement und sind sehr dankbar dafür.“ Was auch sonst? Hat er doch gerade noch erwähnt, dass im städtischen Bauhof Personalmangel herrscht. Aber freuen sich auch die dortigen Arbeitslosen, die keine Arbeitsstelle finden können?

Was könnte eine chr. Gemeinde denn tun, was sinnvoller wäre?
Wenn man sich diese Situation so ansieht, stellt sich die Frage wie es wäre eine Vollzeit-Arbeitsstelle einzurichten? Die Feg-Gemeinde stellt Jemanden vollzeitig ein, der dann auch solche Arbeiten am Ort übernimmt. Gut möglich, dass seitens der ARGE dafür auch noch Fördermittel zu bekommen wären. Und wer weiß? Eventuell beteiligt sich die Kommune dann auch an der Einrichtung einer vollwertigen Arbeitsstelle? Wenn es ganz gut läuft werden es womöglich gar zwei Vollstellen?
Damit wäre allen geholfen. Dem Ort, weil auflaufende Arbeiten erledigt werden können. Einem oder gar zwei Arbeitslosen, die wieder eine Arbeit haben. Und nicht zuletzt auch dem Image der Feg-Gemeinde, die als am Gemeinwohl interessiert und engagiert in Erscheinung treten kann.

Mal wieder zeigt sich, dass das Vorbild der US-amerikanischen Willow-Creek-Gemeinde eben nicht eins-zu-eins in Deutschland umzusetzen ist. Denn der deutsche und der amerikanische Arbeitsmarkt unterscheiden sich hier deutlich. Solche Überlegungen wie bezahlte gemeinnützige Arbeit, ABM’s oder Bürgerarbeit sind dort nicht sehr verbreitet. Hier aber sind sie ein nicht unwichtiges Mittel insbesondere Langzeitarbeitslose wieder in eine Erwerbstätigkeit zu bringen. Zudem lässt sich vermuten, dass die Willow-Creek-Gemeinde mit um die 30 000 Mitgliedern durchaus die finanziellen Mittel hat solche gemeinnützigen Arbeiten durch vollangestellte Arbeiter zur Verfügung zu stellen.

Ich frage mich, ob diese Aspekte bei dem Entschluss sich derart im Ort zu engagieren seitens der Christen bedacht wurden. Und ich frage mich, wie sinnvoll der Feg-Einsatz in Sinn wirklich ist.

Was meint ihr?

Ps.: In Wesel kenne ich eine einfache Gemeinde, die das meines Erachtens besser umzusetzen weiß: Die Arche in Wesel

Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

5 Kommentare zu „Sinnvoller Gemeindeeinsatz?“

  1. Hallo,

    Gott allein kennt unser Herz, unsere Motivation.
    Ich finde den Begriff Arbeitsmarkt etwas überdimensioniert hier. Außerdem greift die Gemeinde nicht ein, da eine Stelle seitens der Kommune niemals geschaffen werden könnte – wo im Gegenteil wohl in Zukunft eher noch gekürzt werden muss. Der Gemeinde vorzuwerfen, dass sie einem Arbeitslosen eine mögliche Stelle wegnimmt, wäre in etwa so, als würde man Tolkien vorwerfen, er hätte der Menschheit die Gedanken zu Mittelerde weggenommen; ohne ihn wären diese gar nicht vorhanden. Und zur Freude des potentiellen Beschäftigen: wäre diese vorhanden, würde er auch für 0 statt 1 Euro Samstagvormittags den Ort kehren.

    Meine positiven Gedanken zum Projekt:

    1. Die Gemeinde arbeitet zusammen. Das ist heutzutage einfach unentbehrlich und schweißt zusammen. Außerdem gibt es bei „einfacher Arbeit“ kaum Probleme wie Neid usw. Eine u. U. von der Gemeinde beschäftige Person wäre für mich das Abbild eines One-Man-Show-Pastors für handwerkliche Zwecke. Das wäre traurig.

    2. Taten sagen mehr als Worte. Die Zeit, in der Zelte aufgebaut wurden, in denen man das Evangelium durch Lautsprecher presst, ist meiner Ansicht nach vorbei.

    3. Die Bildsprache: Saubermachen hat etwas von dem, was Jesus hier getan hat.

    4. Man stellt sich Fragen wie: wofür mache ich das überhaupt? Liebe ich die Menschen an meinem Ort?

    Ich schreibe das alles, weil ich „zufällig“ heute Vormittag auch in Sinn Unkraut gekratzt und zusammen gekehrt habe.
    Nein, es ist sicher nichts für jede Gemeinde oder für jeden Ort und wir haben seitdem auch keinen Gottesdienstbesucher mehr. Und doch verändert sich was. Ein zehnjähriger türkischer Junge z. B. besucht uns jeden Samstag und beweist durch seine Freude und seine Omnipräsenz, dass etwas auf der anderen Seite der Gottesdiensttür ankommt.
    Etwas anderes kommt aus dem Bericht übrigens nicht ganz heraus: die Idee stammt nicht von Willow Creek sondern nur die Inspiration dazu. Die Idee selbst kommt aus einer Kirche im armen Osten, ich glaube Ungarn.
    Gott allein kennt unser Herz, unsere Motivation.

    Marco

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    1. Hallo Marco.

      Klar kennt Gott unser Herz, was uns aber oft nicht davon abhält gut gemeintes weniger gut zu tun.
      Wer einem Ort regelmäßig 40 Arbeitsstunden zur Verfügung stellt, befindet sich auf dem Arbeitsmarkt – auch wenn er das für sich nicht so sehen will.
      Ob die Kommune sich wirklich nicht an der Bildung einer Vollstelle beteiligen würde, weiß man erst, wenn man es versucht hat.
      Defakto steht die Stadt nun nicht weiter unter dem Druck, eine Arbeitsstelle zu schaffen, da sie ja kostenlose Arbeiter gestellt bekommt.

      Zu 1.
      Eine, von der chr. Gemeinde geschaffene Sozialarbeitsstelle wäre ein „Abbild eines One-Man-Show-Pastors für handwerkliche Zwecke.“? Ein seltsamer Gedanke und abwegig dazu. Es gibt genug auch chr. Werke die ausreichend vormachen, wie man im Sozialbereich Arbeitsstellen schafft und zwar bezahlte.

      Zu 2.
      Richtig, Taten sagen mehr als Worte. Nur haben Taten – wie hier – eben nicht nur eine Botschaft. Auch Taten dürfen gründlich durchdacht werden.

      Zu 3.
      Hilft uns hier jetzt frommes Vokabular wirklich weiter? Oder hilft es nur als besänftigendes Scheinargument?

      Zu 4.
      Es gibt wahrlich genügend klassisch ehrenamtliche Tätigkeiten, die mehr mit der konkreten Liebe zu Menschen zu tun hat, als die Entlastung eines Bauhofs. Ich nehme mal an, auch in Sinn gibt es Altenheime, Hospize, soziale Kinder- und Jugendarbeiten, Immigrantenhilfe, Gefangenenhilfe, ……

      Sorry für meine spitzfindige Frage, aber ein türkischer Junge der omnipräsent ist?😉
      Ich bezweifle nicht, dass auch durch solche, wenig durchdachten Aktionen Menschen angesprochen werden. Aber bedeutet das, dass man damit einen Eingriff in den ersten Arbeitsmarkt rechtfertigen kann?

      Auch wenn die Idee aus einer Kirche aus dem Osten kommt, ist der Arbeitsmarkt dort auch gänzlich anders gestaltet wie hier. Die Inspiration kommt trotzdem aus einer amerikanischen, 30 000 Mitglieder starken Gemeinde. Und dies ist nicht der erste Versuch Aktionen von dort mit wenig Erfolg zu kopieren.
      Ich habe eine reelle Alternative in Wesel vorgestellt – dazu sagst du garnichts? Zeigt sie doch, dass eine chr. Gemeinde – auch mit weniger als 40 Mitgliedern!!! – deutlich nachhaltiger an seinem Ort wirksam sein kann. Womöglich wäre die von euch gezeigte Motivation es wert, sich bei der Arche Hilfe zu holen um zu sehen, wie ihr nachhaltiger am Ort hilfreich sein könntet?

      Richtig, Gott allein kennt unser Herz und unsere Motivation. Entschuldigt dies uns, gute Ansätze dann nicht weiter und gründlich durchzudenken?

      Charly

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  2. Hallo,

    ganz ehrlich sehe ich in den Aktivitäten in Wesel, soweit ich das auf der Webseite überblicken kann, keinen großen Unterschied zu unseren, die wir übrigens auch nur unter 40 Mitglieder sind: es geht um das Gemeinwohl. Auch in Wesel kann mögliche Konkurrenz (Sozialdienste, Einzelhandel) unter den Tätigkeiten der Gemeinde leiden! Meine Güte, geht es um so etwas?

    Das mit der Motivation habe ich nicht auf unsere Aktivitäten sondern auf den Artikel bezogen: ich maße mir sicher damit ein Urteil an, aber für mich hört es sich so an, als müsste an den Versuchen anderer Gemeinden (bzw. unserer Gemeinde) etwas Negatives gefunden werden. Oder als wäre das, was über den Atlantik schwappt, besonders hinterfragenswert!
    Außerdem finde ich die Behauptungen etwas „nicht gut zu tun“ und „nicht durchdacht zu haben“ (gerade unter Christen) verletzend und dazu noch auf Vermutungen basierend.

    Marco

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    1. Dann hast du dir die Aktivität der Arche in Wesel nicht wirklich gut genug angesehen. Dort werden Langzeitarbeitslose per Arge-Förderung zur Räumung von Wohnungen, Vertrieb von Second-Hand-Ware an Bedürftige, etc. eingesetzt. Damit werden nicht nur geförderte Arbeitsstellen geschaffen, es wird auch wirksam der Not bedürftiger Menschen am Ort in verschiedenster Weise begegnet.

      Mir ist klar, dass gerade wir Christen es nicht gewohnt sind, Kritik zu bekommen. Aber besser von Mitchristen, als von anderer Stelle, oder? Evtl. hilft hier eine Motivationshilfe aus der Welt: Kritik sollte man als kostenlose (Unternehmens)Beratung werten🙂

      Die schwachen bis völlig untauglichen Kopieversuche der Aktivitäten der Willow-Creek-Church in unserem Land sind schon lange Kritikwürdig. Nicht zuletzt auch darum, weil von Seiten der Willow-Creek immer wieder dringlich angemahnt wird, nicht zu kopieren, sondern sich inspirieren zu lassen.

      Bestimmte Gedanken magst du verletzend empfinden – das mag dann an deiner dünnen Haut bezgl. Kritik liegen. Zu der Aktion und der Kritik daran sagt uns das hier noch nichts.
      Meine Motivation hinter dem Blogartikel ist jedenfalls, dass gut gemeintes möglichst besser gemacht werden sollte. Immerhin sollte der geneigte Leser nicht übersehen, dass ich die Aktion als gut gemeint werte und nicht aburteile.

      Charly

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  3. Ich finde, dass auch erst einmal positiv festgehalten werden muss, dass sich eine Gemeinde überhaupt für ihre Nachbarschaft interessiert und aktiv wird. Darin liegt schon viel Wert.
    Wenn die Motivation aus der Liebe zu Gott und Menschen entspringt, dann wird das mehr Wert haben als eine besser durchdachte Methode, die aber einer lieblosen Motivation entspringt.

    In der Sache stimme ich Dir, Charly, zu:
    Schön wäre es, wenn die Gemeinde nicht an diesem Punkt stehen bleibt, sondern weitere Schritte geht. Ihre Hilfen weiter durchdenkt. Überlegt, wie nachhaltig geholfen werden kann.

    Deshalb:
    Dankbar sein, dass es Christen gibt, die sich einbringen und ein Segen sein wollen.
    Anregen und beten dazu, weitere Schritte zu gehen und nachhaltigere Hilfen anzubieten.

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