Buchreligion – Offenbarungsreligion

© Siriuscybernetic / heise Foto

Der Glaube an den Gott der Bibel ist schon etwas besonderes. So auch in der Frage, worauf dieser Glaube beruht.

Allgemein wird das Christentum zu den sogenannten Buchreligionen gezählt. Das kommt daher, weil dieser Religion eine „heilige Schrift“ zugrunde liegt. Schaut man nach, was dagegen eine Offenbarungsreligion ist, so landet man auch wieder bei fast denselben Religionen. Denn diese Offenbarungen seien ja in diesen „heiligen Schriften“ festgehalten.

Das Ergebnis dieses Verständnisses zeigt sich recht häufig darin, dass es z.B. Vertreter des Christentum gibt, die eine Menge über Theologie und der Bibel wissen. Beschäftigt man sich aber mit ihren Werken und Aussagen merkt man schnell, dass ihnen etwas sehr wichtiges fehlt: sie kennen offensichtlich nicht den Gott, der sich da offenbaren wollte. Dementsprechend stoßen sie auf so manches, was widersprüchlich oder gar unglaubwürdig erscheinen kann.

Ähnliches kann man auch auf anderen Gebieten beobachten. Nehmen wir die Psychologie oder Pädagogik. Da gibt es auch eine gute Anzahl Theoretiker. Solche die lange studiert haben und eine Menge Wissen aufzeigen können. Sie können etliche Zitate diverser Vordenker anbringen und noch so einiges mehr. Aber sie haben keinerlei praktische Erfahrung. Werde solche nun mit einer konkreten Person oder Gruppe und ihrer Problematik konfrontiert zeigt sich recht bald, dass ihr Wissen alleine sie nicht zu erfolgreichen Fachleuten macht. Sie werden relativ sicher an der Herausforderung mangels praktischen Wissen scheitern.
So auch die Religionstheoretiker. Es reicht also offensichtlich nicht ein umfangreiches Wissen über etwas zu erlangen, um dies auch tatsächlich zu verstehen. Praxis in der Ausübung einer Religion ersetzt auch nicht die Praxis im Umgang mit Gott selbst.

Das Eine nicht ohne das Andere
Wer sich mit der Bibel und Gott beschäftigt und wirklich wissen will was sich dahinter verbirgt, wird nicht umhin kommen mit Gott selbst in Kontakt zu treten. Denn die Bibel berichtet uns, dass Gottes Ziel nicht ein theoretischer Glaube ist der sich an Buchstaben festmacht, eine Ansammlung von Lebensweisheiten und Regeln. Vielmehr lesen wir, dass alles was wir da lesen dazu gegeben wurde, damit der Mensch wieder in direkten Kontakt zu Gott selbst treten kann. Das Ziel ist also nicht ein Buch, sondern die persönliche Offenbarung.

Offenbarungsglaube bedeutet heute also, dass es nicht ausreicht Wissen über frühere Offenbarungen unseres Gottes in der Antike zu erlangen. Es bedeutet selbst zu einer eigenen, persönlichen Offenbarung Gottes geführt zu werden.

Aber der Gedanke, dass nun die eigene Offenbarung die intensive Betrachtung der Bibel überflüssig macht, führt ebenso in die Irre, wie das Wissen um ein Buch ohne die persönliche Beziehung zu Gott. Viele, die ein Christentum ohne Bibel leben wollen, zeigen anhand ihrer Überzeugungen über Gott recht deutlich auf, dass sie Gott auch nicht kennen.

Gott ist der, der ER immer war
Die Bibel sagt uns, dass Gott sich nicht verändert hat. So z.B. in Hebr. 13:8 oder auch in Jak. 1:17. Das bedeutet logischerweise, dass Gott sich auch heute nicht als eine andere Person offenbaren wird, als die, die ER immer war. Will ich also etwas über den Gott erfahren, der sich mir offenbart hat, ist die Bibel weiterhin eine sehr gute Quelle.

Jetzt tritt in dem Studium der Bibel eine Veränderung ein. Nun ist der Hintergrund des Studiums nicht länger die Erforschung einer Religion, sondern eher mehr über den zu erfahren, den man bereits kennengelernt hat. Nun steht nicht nur eine Textharmonie in der Auslegung alleine im Vordergrund, sondern vor allem die Harmonie mit dem Charakter Gottes, den man kennengelernt hat.

So ist es durchaus möglich bei einer Betrachtung bestimmter Themen in der Bibel zu unterschiedlichen Ergebnissen zu kommen. Der Student der Bibel ohne eigene Beziehung zu Gott endet an manchen Aussagen des Wortes, die in sich klar oder absolut widersprüchlich erscheinen. Erst der Student, der Gott selbst erfährt bemerkt die Disharmonie zwischen der anscheinenden Erkenntnis und Gott selbst. Dieser hinterfragt also noch einmal mehr, was er dort liest. Erst jetzt mag die eine oder andere anscheinende Diskrepanz zwischen Aussagen in der Bibel und Gott selbst auffallen. Aber durch das weitere Beschäftigen mit den Bibelstellen aufgrund der eigenen Erfahrung mit Gott zeigt dann doch auf, dass nicht die Schrift sich widerspricht, sondern die Deutung der Schriftinhalte. Da wir uns in der Regel nur mit Übersetzungen der Bibel beschäftigen, die unweigerlich auf der Grundlage der Überzeugungen der Übersetzer gefärbt sind, kommen solche anscheinenden Widersprüche durchaus immer wieder vor. Nicht selten hilft ein Blick auf den der Bibelübersetzungen zugrundeliegenden Text in seiner Originalsprache. So kann die etwas andere Übersetzung einzelner Worte viel am Sinngehalt des Textes verändern.

In der Frage, welches Verständnis des unterschiedlich zu übersetzenden Textes nun relevant ist, kommt die persönliche Beziehung zu Gott zum tragen. Denn es geht um diesen Gott und nicht um Buchstaben auf Papier. ER ist der Dreh- und Angelpunkt.

In der Diskussion um richtige Glaubensinhalte stossen wir hier auf Hürden, die nicht durch Lehrhoheiten zu beseitigen sind. Die Lehrinhalte durch ein übergeordnetes Gremium festlegen zu lassen hilft nicht. Erst recht hilft es nicht, wenn ein Einzelner seine eigene Erkenntnis als alleinigen Maßstab setzen möchte. Denn wie wir wiederum in der Bibel im 1.Kor 13:12 lesen können, ist all unsere Erkenntnis lediglich Stückwerk und bedarf der Ergänzung. Wir können zwar in der Diskussion unsere Überzeugungen aufzeigen und belegen wie wir dazu gekommen sind. Wir können bei unserem Gegenüber aber keine Offenbarung Gottes dazu erzwingen. Wir können also niemanden verpflichten dasselbe zu glauben, wie wir es für uns erkannt haben. Wir können dies lediglich präsentieren, danach leben und es anbieten. Das mag auch durchaus Andere überzeugen können. Wenn wir aber mehr erzwingen wollen, bauen wir wieder nur eine Religion, die auf Buchstaben aufgebaut ist und nicht mehr auf der Offenbarung Gottes zu jedem einzelnen Glaubenden selbst. Und darum geht es Gott ja im Kern: die persönliche Begegnung zwischen IHM und dem einzelnen Menschen.

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

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