Wissenschaft und Glaube

Weltraum
© udo nowak / pixelio.de

Harald Lesch ist ein bekannter Astrophysiker, der es sehr gut versteht auch komplizierte Dinge allgemein verständlich darzustellen. Darüber hinaus beschäftigt er sich auch mit den Fragen der Religion und der Philosophie. Das war in div. Sendereihen auf BR-alpha zu sehen.
In diesem Jahr hat er im ZDF eine Sendereihe begonnen, in der er wieder über Astrophysik berichtet. Begonnen hat er mit der Frage nach dem Ursprung des Kosmos. Wie der Kosmos begann und ob die Wissenschaft darüber hinaus – also was vor dem Anfang war und ob es einen Schöpfer gab und worin der Kosmos expandiert – etwas zu sagen hat.

Man kann es in der ZDF-Mediathek nachsehen „Der Tag ohne Gestern“ (ca. 14 Min)

Ich finde es erfreulich, dass hier ein Wissenschaftler ist, der sich nicht anmaßt über Religion und Glaube zu urteilen. Sondern klar sagt, dass Wissenschaft keine Möglichkeit hat, über die physikalischen Grenzen hinweg zu sehen.

Gott außerhalb der Zeit
An der Formulierung: „Der Tag ohne Gestern“ wird offensichtlich, dass der Mensch in seinem Nachdenken zwanghaft in den Ablauf der Zeit eingebunden ist.  Denn erst durch das in die ablaufende Zeit eingebunden sein stellt sich die Frage nach einem Davor und Danach. Zeit verläuft linerar – das Heute nach dem Gestern und vor dem Morgen. Zeitreisen, also das freie Bewegen innerhalb der Zeit, bleibt wohl ein nicht realisierbarer Traum der Menschen. Wie ich mir da sicher sein kann? Nun, schlaue Wissenschaftler sagen uns das. Z.B. mit dem Fakt, dass, wenn Jemals Zeitreisen möglich wären, wir Gestern und Heute schon Zeitreisenden begegnet sein müssten. Logisch, oder? (Ok, das gibt viel Raum für Verschwörungstheoretiker – ist klar. Hier ein Treckigruß von mir an die Welt: „Live long and prosper“)

Mit dem Begriff „Zeit“ haben wir ein Problem. Etwas was uns so sicher erscheint wie die Zeit ist letztlich nur eine Beschreibung, eine Definition für etwas, was wir erleben, aber nur schwer fassen können. Wir haben die Zeit in Begriffen wie Gestern, Heute, Morgen / Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gefasst. Und schon haben wir ein Problem, weil wir z.B. die Gegenwart niemals fassen können. Denn sobald wir einen Zeitpunkt als Gegenwart festlegen, ist er schon Vergangenheit. Was zu der Frage führt: Gibt es eine Gegenwart?
Auch jede Zeitmessung ist eigentliche keine Zeitmessung, sondern das Beobachten von natürlich messbaren Abläufen. Früher war es der Lauf der Sonne, Heute das Schwingen bestimmter Atome. Wir haben definiert, dass diese Vorgänge in einer bestimmten Zeit ablaufen und schließen von dem beobachteten Ablauf wieder auf die Zeit zurück.

Ich denke dass ich mich nicht zu weit heraushänge, wenn ich feststelle, dass auch die Zeit von Gott geschaffen wurde. Immerhin finden wir in der Bibel Aussagen wie:

Offenbarung 22:13 Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.
Psalmen 139:16 … Und in dein Buch waren sie alle eingeschrieben, die Tage, die gebildet wurden, als noch keiner von ihnen da war.
Römer 11:36 Denn aus ihm und durch ihn und zu ihm hin sind alle Dinge! Ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.
Epheser 1:4 wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, daß wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe
1 Petrus 1:20 Er ist zwar im voraus vor Grundlegung der Welt erkannt, aber am Ende der Zeiten geoffenbart worden um euretwillen (Rev. Elb.)

Gott war also vor Grundlegung der Welt (grichisch „kosmos“) – ich schließe also daraus, dass Gott „vor“ dem Tag ohne Gestern war – also nicht wirklich vor….. weil…. es gibt ja außerhalb der Zeit kein vor oder danach…. auch ein gleichzeitig ist als Umschreibung mangelhaft, weil es ja wieder Zeit implemiert. Gott „ist“ also, ohne zwanghaft in Irgendetwas wie Zeit eingebunden zu sein. Das macht auch das Verstehen folgender biblischer Aussagen so schwer:

Psalmen 90:2 Ehe die Berge geboren waren und du die Erde und die Welt erschaffen hattest, von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du, Gott.
Hebräer 1:8 …. Dein Thron, o Gott, ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Aufrichtigkeit ist Zepter deines Reiches
Hebräer 13:8 Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit.
Offenbarung 4:10 so werden die vierundzwanzig Ältesten niederfallen vor dem, der auf dem Thron sitzt, und den anbeten, der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt, und werden ihre Siegeskränze niederwerfen vor dem Thron und sagen…

Obwohl die hebräische und griechische Sprachen mehr Zeitformen haben als z.B. die Deutsche Sprache finden wir Ausdrücke wie „von Ewigkeit zu Ewigkeit“, obwohl wir Ewigkeit schon teils ohne Anfang und immer ohne Ende verstehen. (Ok, ich weiß dass es viele Spekulationen dazu auch unter Christen gibt.) Nach meinem Verständnis ein Versuch etwas zu beschreiben, was in keiner Zeit eingebunden ist.

Ich will jetzt nicht davon anfangen, dass z.B. die Prädestinationslehre nach meiner Meinung seine grundlegenden Fehler darin hat, dass die Vertreter derselben sehr oft nicht in der Lage sind nichtlinear zu denken und sich etwas außerhalb einer Zeiteingebundenheit nicht vorstellen können. Ne, das bringt wenig darum lasse ich das jetzt hier mal so stehen.

Da Gott außerhalb der Zeit steht, ja wohl als Schöpfer auch der Zeit verstanden werden muss – dass Gott sogar den Anfang und das Ende aller Zeit festgelegt hat – ist es wissenschftlich unmöglich Gott zu beweisen oder gar zu verstehen, wie ER einen Anfang der Zeit und des Kosmos gesetzt hat. Für uns aber, die sicher an Gott glauben und / oder ihn auch erfahren haben, wird auch dieser Bereich außerhalb des wissenschaftlich Erklärbaren fassbarer. Eben in der Person Gottes. Aber auch durch Glauben läßt sich nichts davon wissenschaftlich beweisen. Der Glaube läßt uns nicht hilflos vor der Frage stehen: „Was war ‚vor‘ dem Anfang des materiellen Seins?“. Glaube führt weiter als zu dem, was messbar und beweisbar ist.
Dumm finde ich, wenn versucht wird aus Glauben Wissenschaft zu erklären und aus Wissenschaft gar der Glaube erklärt werden soll. Beide Bereiche können sich gegenseitig hervorragend befruchten und den Menschen in seinem Denken und Streben weiterführen. Besonders fatal finde ich es dann, wenn aus der Wissenschaft eine Religion gemacht wird.
Ernstzunehmende Wissenschaft wird sich niemals darin verfangen zu behaupten, dass etwas „so ist“. Wissenschaftlich korrekt ist es zu sagen, dass Dies und Das der jetzige Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis ist und dass alles beständig hinterfragbar bleiben muss.

Bleibt zuletzt noch die Frage, wie das wohl sein wird, wenn auch wir – die wir an Gott glauben -, wenn wir Dereinst bei Gott in der „Ewigkeit“ (also außerhalb der Zeit) sind.

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

1 Kommentar zu „Wissenschaft und Glaube“

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