Problemfall Ehrlichkeit

Supermarktkasse
© Thommy Weiss / pixelio.de

Meine Frau kam heute aus dem Supermarkt zurück und stellte beim Durchsehen der gekauften Sachen fest, dass ihr die Mandarinen nicht berechnet worden sind. Da ich noch etwas dort im selben Supermarkt holen musste, fragte sie mich, ob ich die Mandarinen nachträglich bezahlen würde.

Nun gut, ich sah mir den Kassenbon an und klebte zwei Aufkleber von dem anderen eingekauften Obst hinten drauf. Dann schnitt ich den Anhänger mit dem Scannercode vom Netz ab, in dem die Mandarinen verpackt sind. Ich konnte mir das verwirrte Gesicht des Kassierers schon vorstellen und wollte es ihm leicht machen, nachzuvollziehen, dass die Mandarinen tatsächlich nicht auf dem Kassenbon zu finden sind.

Und so machte ich mich auf zum Supermarkt.

Im Supermarkt suchte ich mir schnell die Sachen zusammen, die ich holen wollte und stellte mich an der Kasse an. In der Warteschlange überlegte ich, wie ich dem Kassierer möglichst unkompliziert mein Anliegen vorbringen konnte. Und so entschied ich mich zuerst den fehlenden Betrag auf dem Kassenbon anzusprechen und dann meine Sachen zu bezahlen.

So unterbreitete ich dem verdutzten Kassierer mein Anliegen, als ich an der Reihe war. Ich erntete ungläubige Gesichter sowohl von dem Kassierer als auch von den Kunden, die hinter mir in der Schlange standen. Die Fragen hinter diesen Gesichtsausdrücken waren zu erahnen: Ob ich wohl ein Ausserirdischer sein könnte? Oder ob man sich ernsthafte Sorgen um meinen Gesundheitszustand machen müsse? Ob es sich eventuell um einen Sketch mit einer versteckten Kamera handeln könnte? ……

Nein, er könne nichts von mir kassieren, was ich nicht dabei hätte, sagte der Kassierer. Ich möge mich an die Mitarbeiterin am Informationsstand wenden. So bezahlte ich meinen aktuellen Einkauf und machte mich auf den Weg zum Informationsstand.

Am Informationsstand
Die junge Frau war auch erstaunt und blickte mich ebenso an. Sie könne doch nicht für etwas kassieren, was ich nicht dabei hätte. Ich sagte, es sei halt ein ehrliches Angebot von mir, dass zu bezahlen was zuvor von einem Kassierer vergessen wurde. Ich wolle keinesfalls diesem Kassierer Schwierigkeiten bereiten oder ähnliches. Ich versicherte ihr auch, dass ich mir bewusst bin, dass solch ein Anliegen dort wohl eher selten vorkomme.

Die junge Frau war jetzt echt verblüfft und wusste nicht, was sie tun sollte. Wenn sie mein Angebot jetzt nicht annehmen würde, währe das ja auch falsch und aus Kulanz auf die Bezahlung zu verzichten könne sie eigentlich auch nicht. Angestrengt dachte sie nach und kam auf eine Lösung. Sie bot mir nun an den Fehlbetrag zu kassieren und mir für meine Ehrlichkeit eine Flasche Sekt zu geben, die sie wohl als Präsent für verärgerte Kunden oder ähnliches unter dem Tresen bereit stehen hatte. Dann währe der Ehrlichkeit Genüge getan und ihr Gewissen auch beruhigt.

So bezahlte ich nun die Mandarinen und erhielt als Anerkennung für meine – eigentlich ja unsere, die meiner Frau und mir – Ehrlichkeit eine Flasche Sekt.
Seltsam, mit welchen simplen Dingen ein Christ normale Abläufe in der Welt zum stolpern bringen kann. Dass Ehrlichkeit in einem solchen einfachen Fall zu einem derartigen Problem werden kann, hätte ich nicht gedacht.

Bleibt nur noch die Frage, was wir jetzt mit dem Sekt machen – den wir trinken keinen Sekt. (Sekt schmeckt uns schlicht nicht, nicht einmal zum Jahresübergang.)

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

2 Kommentare zu „Problemfall Ehrlichkeit“

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