heilige Begegnungen?

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© N.Wegner / pixelio.de

Ich bin immer wieder mit Christen zusammen. Nicht nur Christen aus Hausgemeinden oder einfachen Gemeinden. Natürlich auch mit Christen, die in institutionellen Gemeinden sind. (Also das, was allgemein „Gemeinde“ genannt wird.) Immer wieder spüre ich, dass die Art des Zusammentreffen bei so vielen Christen bestimmten Bewertungen unterliegt. Das waren dann wichtige Treffen, diese weniger wichtige, solche tragen in sich mehr „Heiligkeit“ wie wieder andere….

Ist es nicht so, dass bestimmte Elemente oft erwartet werden um ein Zusammentreffen von Christen als ein vollwertiges Gemeindetreffen zu werten? Was darf dabei nicht fehlen? Muss die Gitarre ausgepackt werden und wenigstens zwei Anbetungslieder gesungen werden? Muss ein solches Treffen in bestimmten (mehr sakraleren) Räumlichkeiten stattfinden? Wird ein Treffen von Christen erst dann zu einem Treffen der Gemeinde, wenn man zusammen betet oder gemeinsam in der Bibel gelesen hat? Oder müsste eine bestimmte Mindestanzahl von Christen in dem Treffen sein, damit es ein Treffen der Gemeinde gewesen sein kann? Reichen da nicht zwei oder drei? Was macht ein Zusammentreffen von Christen eigentlich zu einem heiligen Moment?

Wenn ich mit Christen über Hausgemeinden und einfache Gemeinde diskutiere, die darin noch nicht ein Zuhause finden können, merke ich immer wieder, dass an dem Zusammenfinden von Christen bestimmte Erwartungen gestellt werden, damit diese als Gemeinde verstanden werden. Aber auch unter Christen aus Hausgemeinden / einfache Gemeinden merke ich, dass bestimmte Erwartungen bestehen, um aus einem Zusammentreffen sowas wie einen Gottesdienst entstehen zu lassen.

Ist denn Christus nicht mitten unter uns, wann immer wir als Christen zusammenkommen und Christus dabei eine Priorität hat? Oder hat Christus erst eine Priorität bekommen, wenn wir eine gewisse „heilige Handlung“ vorgenommen haben? Ist Er nicht auch mitten unter uns, wenn wir über unser Leben als Christ, über gemeinsame Gemeindeaktivitäten/ -aktionen oder die Herausforderungen unseres Lebens diskutieren? Nimmt Jesus nicht auch an all dem Anteil?

Warum fällt es so vielen Christen eigentlich so schwer, geplante Veranstaltungen mit Programmen loszulassen und sich dann doch immer noch als Christen in einer vollwertigen Nachfolge zu empfinden? Hat Jemand von euch Lesern dazu Ideen?

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

10 Kommentare zu „heilige Begegnungen?“

  1. Hi Charly,

    Das ist mal ’ne gute Frage:

    Warum fällt es so vielen Christen eigentlich so schwer, geplante Veranstaltungen mit Programmen loszulassen und sich dann doch immer noch als Christen in einer vollwertigen Nachfolge zu empfinden? Hat Jemand von euch Lesern dazu Ideen?

    Ist es Dir nicht schwer gefallen? Warst Du immer so frei, wie Du es jetzt bist?

    Ein „schlechtes Gewissen“ machte mir zu schaffen?

    Als wir uns dazu entschieden, diesen Weg einzuschlagen, hatten wir eine Zeit lang mit einem „schlechten Gewissen“ zu kämpfen.

    Ich passte nicht mehr in das mir bekannte „Gefüge von Gemeinde“. Das bedeutete aber auch, dass ich nicht mehr in dieses soziale Netz passte.

    In meiner „christlichen Ausbildung/Unterweisung“ hatte ich gelernt und erfahren, dass „Christen nur in einem bestimmten Kontext wachsen können“ … und dieser Kontext heißt Gemeinschaft/Gemeinde. Diese Begriffe waren durch Vorbilder und „biblische“ Unterweisung entsprechend geprägt. Also begab ich mich zumindest gefühlsmäßig auf eine gefährliche Reise: „Ich verließ die Gemeinde!“, obwohl ich in meinem Kopf zumindest zum Teil wusste, dass dem nicht so ist.

    Abschied nehmen fällt schwer!

    Mir wurde schon sehr früh deutlich, dass dieser Weg für mich bedeutete, Abschied zu nehmen:Abschied von Menschen, die ich nicht mehr so oft sehen würde. Menschen, die ich schätzte. Menschen, mit denen ich einen Teil des Weges gemeinsam gegangen bin.Abschied auch von einer Gemeinschaft in der ich Schutz und Wertschätzung fand.
    Abschied von einem Platz, an dem ich durch mein Tun und Wirken einen Wert und Bedeutung erlangte. Worin werde ich nun in Zukunft meinen Wert und meine Bedeutung finden?

    Ein unsicherer, ungewisser Weg lag vor mir!

    Ich wollte alles bisher über „Gemeindebau“ und „Gemeindemodelle“ gerlernte einfach mal hinter mir lassen. Ich wollte im Alltag mit Jesus neu lernen, was es bedeutet „Gemeinde zu sein“ (Leib Jesu zu sein) und wie es aussieht „Gemeinde zu leben“.

    Das bedeutete aber auch, gewisse Sicherheiten aufzugeben. Denn ein bestimmter Rahmen (auch wenn er programmorientiert) gibt eine gewisse Sicherheit! Beziehungen gaben Sicherheit!

    Sicherheiten zurückzulassen und sich auf einen neuen unbekannten Weg einzulassen, das macht man nicht einfach von heute auf morgen! Das fällt schwer …

    Überraschung!

    Mit der Gewissheit und Erfahrung, dass Gott noch immer bei uns war und uns Wachstum schenkte, auch ohne die uns „bis dahin bekannten“ Gemeindeformen und -strukturen ließ das schlechte Gewissen schon kleiner werden. Die Erkenntnis, dass wir mit unserer „Art des Gemeindelebens“ nicht gegen Gottes Wort handelten, ließ das schlechte Gewissen nochmals in einem anderen Licht erscheinen. Es kam zum teil wohl auch daher, dass ich darauf schaute, was andere Christen über unsere Art Gemeinde zu leben sagen würden.

    Das Abschiednehmen war zum Teil ein wirkliches Abschiednehmen, weil es bedeutete, dass ich einen anderen Weg weiterging als meine bisherigen Weggefährten.

    Zum anderen war das Abschiednehmen auch schmerzhaft, weil ich erkannte, dass ich meinen Wert an Dingen fest machte, die ich für Gott und die Gemeinde leistete. Aber es war gut so! Nur so konnte ich erkennen, welcher Stolz noch in meinem Herzen verborgen war. Und noch viel wichtiger war es zu erkennen, dass dadurch viel mehr Platz für den Einen frei wurde, der mich liebt und wertschätzt, ohne dass ich etwas dafür leisten musste. Ich muss nun nicht mehr etwas leisten, um meinen Wert aufzubauen und zu sichern. In IHM bin ich und lebe ich!

    Und das genau brachte mich auch dazu, zu erkennen, dass meine beständigste Sicherheit in Gott selbst liegt. Alles was ich bisher als Sicherheit gefühlt und erlebt hatte, war eigentlich nur eine „Illusion von Sicherheit“.

    Das waren einige Gedanken von mir!
    Shalom!

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  2. Seltsam, dieser Beitrag wird sehr häufig gelesen, aber nur eine Antwort bisher 😦

    Hi Guido,
    ich merke das deutlich, dass ich nicht mehr zu dem System dieser institutionellen Gemeinden gehöre. Obwohl meine Liebe zu Gott in keiner Weise geringer geworden ist, fühle ich mich manchmal wirklich fremd in solchen Veranstaltungen, die „Gottesdienst“ genannt werden. Da geht es mir ein wenig so, wie es Hermann van Veen in seiner Geschichte von Gott beschrieben hat.

    Es scheint eine, für Viele kaum zu überwindende, Hemmschwelle zu geben, die Hilfe von Programmen loszulassen. Womöglich auch die Sorge darum dann im Glaubensleben zu scheitern. Und ist es doch so, dass man im System als Christ durchaus an seiner Teilname an bestimmten Programmen in seiner Frömmigkeit bemessen wird.

    Nun, ich leide nicht darunter jetzt anders, teils bewusster, als Christ zu leben. Sehr wichtig ist dabei sicherlich, dass ich mir der Liebe Gottes sehr sehr bewusst bin und weiß, das ich darum nicht zu bangen brauche.

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  3. Hi Charly,

    das ist eine Frage, die ich persönlich nicht aus Erfahrung beantworten kann.
    Mit meiner griechischen Mentalität, war mir das schon als Jugendliche befremdlich.
    Wenn ich die Deutschen und die Art Gemeinschaft zu leben beobachtet habe, fühlte ich immer mehr als ein Fremdling.
    Das war nie meine Welt.
    Und später, nachdem ich so richtig angefangen hatte im Glauben zu leben und anfing Gemeinden aufzusuchen, begegnete mir im Grunde die gleiche deutsche Struktur und ich konnte nicht anders, als die Gemeinde wie einen Verein anzusehen.
    Obwohl es eigentlich ja zwei verschiedene Dinge sind. Im Glauben zu leben bedeutet für mich nicht = in „die Gemeinde“ zu gehen.
    Es muss aber etwas Attraktives haben, sonst würden nicht so viele Menschen sich in dieser Einrichtung wohl fühlen.
    Es hängt wohl auch mit der Veranlagung zusammen.
    Von daher haben wohl Programme auch ihren Raum..
    Das hat was mit der linken und rechten Gehirnhälfte zu tun… 🙂 glaub ich…
    Aber – jemand sagte mal: sie versuchen eckige Bauklötze in runde Formen zu pressen..
    und das geht halt nicht und ich finde, dass hier das Problem ist.
    Ich denke und finde, dass einfach beides seinen Raum hat..
    Und um die Frage konkreter zu beantworten:
    Ich glaube, dass es wirklich für Viele zunächst mal ein Bedürfnis ist, diese Art Gemeinschaft zu leben, auch wenn ich persönlich das eben nicht wirklich nachvollziehen kann.
    Das paart sich dann mit einem Gefühl von Sicherheit, und Vertrautheit.
    Das andere macht Angst und verunsichert.

    Die Problematik sehe ich einfach darin, dass das eine regiert und das andere dafür schlecht, oder nicht richtig oder Ähnliches ist/sein soll.
    Darum bleibt alles steif und festgefahren und ritusmäßig darf sich nichts verändern.
    Und da wo der Mensch unflexibel ist, und sich klammert an was auch immer, da ist nicht viel Raum für den Heiligen Geist, der doch weht wo Er will und der der beste Choreograph auf dieser Welt ist.

    hmm, sollte gar nicht so viel werden… 🙂

    LG
    Stella

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  4. Johannes 3:
    7 Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. 8 Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.

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  5. Hallo Stella,

    Du hattest folgendes geschrieben:

    Und da wo der Mensch unflexibel ist, und sich klammert an was auch immer, da ist nicht viel Raum für den Heiligen Geist, der doch weht wo Er will und der der beste Choreograph auf dieser Welt ist.

    Der Heilige Geist weht (wirkt), wo er will. Wie der Wind! Unvorhersehbar für uns Menschen! Für uns vollkommen ungeplant und manchmal chaotisch. Doch der Wind ist Leben!

    Und so auch wir! Nicht planbar! Nicht zu greifen! Und doch in SEINER Ordnung!

    Mit meinem Planen kann es schon vorkommen, dass ich den Wind hindere … oder gar versuchem, ihn in Bahnen zu lenken … oder ich will ihn festhalten, weil es so gut tut und so erfrischend ist!

    Überall, wo ich versuche Sein Wirken festzuhalten, in Bahnen zu lenken oder zu reproduzieren, da töte ich das Leben.

    Leben von Ihm können wir immer wieder neu und frisch empfangen, aber niemals festhalten.

    shalom,
    guido

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  6. So wie das gerade ausführst, Guido, musste ich spontan an das Manna in der Wüste denken. (2.Mo.16) Eine göttliche Nahrung, die man auch nicht anbauen oder aufbewahren konnte. Sie musste jeden Tag ganz neu gesammelt werden.
    Versuchte doch Jemand mehr, als er brauchte, zu sammeln und aufzubewahren, verfaulte es und stank.

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  7. Ahso.. ich konnte das erstmal nicht einordnen.

    Ja, aber die Kontrolle des Menschen und das Festhalten an Dingen, geben dem Heiligen Geist nicht den Raum, den Er sucht.
    Natürlich kann Er sich mit Wucht und Gewalt durchsetzen, aber so ist Sein Wesen nicht.
    Er wartet und sucht wo Er Seinen Raum findet.
    Denn dort wo Er willkommen ist, da will Er auch wehen.
    So meinte ich das.
    Darum geht es Gott ja.. um die Hingabe und das Loslassen von aller Sicherheit.
    Worum sonst geht es im Glauben?
    Schon allein diese Aussage von Jesus drückt es aus:
    Ihr könnt nicht zwei Herren dienen.
    Das ist Realität und hat Bestand und findet sich durch die Bibel wie ein roter Faden.
    Also wenn ich ausdrücke, dass der Heilige Geist, weht wo Er will, dann meine ich damit, dass Er dort weht, wo die Vorraussetzung gegeben ist.

    Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein zerbrochener Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten. Ps. 51,19

    Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt und dessen Name »Der Heilige« ist: In der Höhe und im Heiligtum wohne ich und bei dem, der zerschlagenen und gedemütigten Geistes ist, damit ich den Geist der Gedemütigten belebe und das Herz der Zerschlagenen erquicke. Jes.57,15

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  8. Hallo allerseits,

    bin beim Stöbern im Internet auf diesen Artikel gestossen und finde, er wirft sehr gute und wichtige Fragen auf.
    Ich habe mich vor einigen Jahren eher gezwungenermassen plötzlich ausserhalb der „organisierten“ Gemeindelandschaft gefunden, und sah im Nachhinein Gottes Führung darin…

    Vielleicht bin ich noch nicht so weit, dass ich wirklich hilfreiche Antworten zu den hier gestellten Fragen geben könnte. Aber da ich nun schon dabei bin:

    Ich sehe „heilige Begegnungen“ vor allem da, wo ich mit anderen Christen zusammen bin, und das Gespräch kommt auf ganz natürliche Weise auf unseren Glauben und auf unsere Beziehung zu Jesus. Dann ist es auch natürlich und nicht gekünstelt, wenn wir z.B. an einem schwierigen Punkt beschliessen, Gott ins Gespräch mit einzubeziehen (also zu beten), oder eine Antwort in der Bibel zu suchen. Und danach wieder weiter essen oder malen oder was wir eben gerade am tun waren.

    Kommt leider nicht allzu oft vor; ich wünsche mir mehr solche Begegnungen. (Wenn sie aber stattfinden, dann sind sie meistens wirklich stark!) – In der Praxis ist es meistens so, dass ich mich eben doch mit jemandem bewusst verabreden muss, um zusammen die Nähe Gottes zu suchen. Oder ich mache einen Überraschungsbesuch…

    Viel Mut zum Weitermachen!

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  9. Hallo Charly,

    hoffe, du bist einverstanden, dass ich deine Seite bei mir im neuen Forum unter „christliche sites“ gestellt habe….

    Zum Thema:
    Meine Erfahrung mit Jesus, mit diesem Herrn ist, dass ich nach meinen diversen Erfahrungen als Katholikin und einem Umweg über die Zeugen Jehovas auf mein Bitten um eine Gemeinde erst mühsam lernen musste, dass es erst einmal nur um Jesus geht, um Jesus allein, um eine persönliche Beziehung zu IHM. Danach ließ er mich eine Gemeinde finden, in der ER in der Mitte ist.

    Eigentlich suchte ich nach einer freikirchlichen Gemeinde oder besser noch nach einer Hauskreisgemeinde. Meine jetzige Gemeinde ist wenigstens inhaltlich freikirchlich orientiert, wenn sie auch der ev. Landeskirche angehört und hat etliche Hauskreise und auch sonst ein mannigfaltiges Angebot, so dass für Jeden etwas dabei ist. Es ist eine lebendige Gemeinde, zu der ständig Neue hinzufinden, die auf der Suche nach Gott/Jesus sind…..

    Ich sah hier auf deiner Seite auch den Punkt: Hauskreisgemeinde und werde ihn mir gleich mal näher ansehen.

    Liebe Grüße von Ga-chen

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