Sprechtraining für Prediger

PredigtWer kennt sie nicht, die langweiligen Predigten?
Es ist nicht mal immer so, dass die Predigt an sich langweilig oder uninteressant ist. Vielmehr ist die Art, wie der Prediger seine Predigt vermittelt schlicht langweilig oder im schlimmsten Fall gar abschreckend.
Ich habe schon Predigten erlebt, in denen sich der Prediger Mühe gab alle rhetorischen Mittel richtig anzuwenden und doch waren meine Gedanken nach drei Minuten ganz woanders – die Predigt vermochte mich nicht zu fesseln.
Einer der Gründe für solch gedankliches Abschweifen ist nicht selten die Art zu sprechen.

Sprechtraining für Pastoren
Seit einigen Jahren bringt Thomas Kabel, Regisseur und Schauspieler aus München Pfarrerinnen und Priestern bessere Altar-Präsenz bei. Er hat auch Bücher zu diesem Thema veröffentlicht.

Auf WDR2, in den „Sonntagsfragen“ ist ein Interview mit ihm zu hören (leider nur begrenzte Zeit zum Download verfügbar).

Thomas Kabel macht mehr mit seinen Klienten als nur ein rhetorisches Sprachtraining. Ihm ist es ein Anliegen, dass es den Predigern gelingt in Predigt und Ritus die Botschaft des Evangeliums tatsächlich vermitteln zu können. Dazu bedarf es zunächst oft einer besseren Selbstwahrnehmung. Wie ich finde, macht Thomas Kabel hier eine sehr wichtige und gute Arbeit. Es verwundert mich, dass er dafür durchaus auch Anfeindungen erleben muss.

Sensible Redner
Wer predigt tut dies normalerweise aus einer inneren Überzeugung und verbindet viel mit dem, was er da tut. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Prediger (leider doch zumeist) recht sensibel reagieren, wenn sie in ihrer Art des Predigens kritisiert werden. Dabei sollte man als Prediger auch dann noch gut bei dieser Kritik hinhören, wenn einem zum zigsten Male gesagt wird, dass man 3 1/2 Minuten zu lang gepredigt hätte oder ähnliches.

Jemand warf mir mal Selbstverliebtheit vor, als ich berichtete, dass ich die Gewohnheit habe mir Mitschnitte von meinen eigenen Predigten geben zu lassen und mir diese auch anhöre. Er änderte seine Meinung, als er verstand warum ich das tue.

Ich höre mir immer wieder meine eigenen Predigten an, manchmal sogar mehrfach, um mich selbst zu hören. Ich bin durchaus kritisch mit mir. Ich kenne ja nun schon die Predigt und weiß was kommt und wo ich hin will. Worauf ich gerade deshalb zunächst achte ist, ob ich bei meiner eigenen Predigt einzuschlafen drohe oder ob ich mich durch meine Art der Präsentation auch wieder als Zuhörer gewinnen kann. Eine Übung, die ich Predigern gerne ans Herz legen möchte.

Wenn wir Kritik auf unsere Predigten bekommen, sollten wir uns vergegenwärtigen, dass die wenigste Kritik hier an uns als Person gerichtet ist. Wer zu uns mit Kritik kommt, hat schon einen großen, positiven Schritt der Anerkennung unserer Person getan. Denn die Meisten schweigen einfach und äußern, wenn überhaupt, ihre Kritik vor Anderen, nicht aber vor dem, der gepredigt hat. Wenn wir also mit einem Kritiker unserer Predigten konfrontiert sind, sollten wir diesen mutigen Schritt zu schätzen wissen. Hier kann Kritik tatsächlich als kostenlose Fachberatung verstanden werden.

Es geht nicht und doch um den Prediger
An Predigten wird oft lange gefeilt, viel an Gedanken investiert und an persönlicher Überzeugung eingebracht. Die Frage muss aber gestellt werden, in wie weit dies immer gelingen kann, wenn ein Prediger eine solche Leistung Sonntag für Sonntag bringen soll. Ich bin ein Feind davon, dass in einer Gemeinde fast immer nur derselbe Mensch die Predigten hält. Niemand kann ein beständiger Quell tiefgeistlicher Offenbarungen sein. Wir können froh sein, wenn uns dies ab und an tatsächlich beim Predigen von Gott so geschenkt wird. Zu häufiges predigen aber, verschleißt den Prediger. Ich plädiere also dafür, dass Gemeinden sich angewöhnen nicht nur Einzelne oder wenige, sondern Viele predigen zu lassen. Die Vielfalt macht das Gottesdiensterleben zum einen interessanter und zum anderen gibt es dem einzelnen Prediger den nötigen Raum, mit seiner Botschaft tatsächlich im Herzen verbunden zu sein. Diese echte Verbundenheit spürt der Zuhörer.

Zuletzt noch eine Ermutigung, keine Angst vor auch körperlicher Präsentation beim Predigen zu haben. Damit meine ich nicht die Langläufer unter den Predigern, die nicht zwei Minuten still an einem Platz verharren können. Ich meine damit, dass ein Prediger in Gefahr steht durch die steife Haltung seines Körpers auch seine Predigt genauso steif zu werden lassen droht. Deutliche Gestik und Mimik gehört zu einer guten Predigt genauso dazu. das ist kein Schauspielern, sondern gekonnte Vermittlung des gesagten. Diese Gestik und Mimik soll eben nicht theatralisch werden und geschauspielert sein. Sie soll echt sein. Sie soll dem Zuhörer helfen besser zu verstehen, was den Prediger gerade bewegt. Gekonnte Gestik und Mimik erreicht den Zuhörer.

Die gute Botschaft Gottes an die Menschen wirkungsvoll zu vermitteln, sollte Ansporn genug sein, an sich selbst als Prediger zu arbeiten. Angst davor zu haben ist dabei wirklich nicht nötig.

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

1 Kommentar zu „Sprechtraining für Prediger“

  1. „Am Anfang war das Wort“, nur leider können viele Geistliche damit nicht umgehen.
    Wenn man ihnen in ihrer Ausbildung sagen würde, dass das Wort selbst immer ein emotionales Unterfutter braucht und hat, würden die Kirchen nicht mehr so lehr sein.

    Neurologen und Verhaltensforscher wissen inzwischen, dass die verbale Botschaft selbst nur ein Bruchtteil – in unserem Falle – der „guten Botschaft“ ist. Denn mehr als 90 % vermittelt der jeweilige „Bote“ bzw Geistliche seine Gefühle, seine Einstellungen, ja auch seine Erfahrungen und Erwartungen – zu dem was er sagt, aber auch in bezug auf sich selbst und sein ganzes bisheriges Leben!

    Deshalb schalten wir so oft bei Predigten ab, weil wir spüren, dass hier jemand „nicht bei der Sache ist „, geschweige denn bei mir als Zuhörer und Kirchengänger, sondern bei sich selbst:
    bei seinem Ich-Ideal als Geistlicher , bei seinem theologischen Konzept oder vielleicht -verständlicherweise- bei völlig anderen Themen, die ihn im Moment beschäftigen.

    Deshalb müßten Geistliche über die emotionalen Aussagen von Körper, Stimme und Gesamtpräsentation aufgekärt und daraufhin trainiert werden.
    In der Predigt ist es wie in der Kunst: Das Gut Gemeinte ist meistens das Mißlungenste.

    Barbara Osterkamp

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