Strafe – Wiederherstellung

In den Überlegungen über Vergebung und Versöhnung beschäftige ich mich auch mit der Frage nach Wiedergutmachung. Der Gedanke der Wiedergutmachung ist der Bibel nicht fremd. Wir finden nicht nur die Haltung der Strafe, welche lediglich die Konsequenz der Straftat ist, sondern auch dass der Straftäter gegenüber dem Geschädigten eine Wiedergutmachungsleistung zu erbringen hat.

Versöhnung statt Rache
Mit diesem Thema beschäftigt sich auch eine Sendung auf NDR-Glaubenssachen:

Zitat:
Verbrecher, zumal Mörder, können – verständlicherweise – in der Gesellschaft mit wenig Verständnis für ihre Taten rechnen. Die Täter sollen möglichst lang hinter Gitter, für ihre Verbrechen büßen, oder – wie in den USA – mit dem Tode bestraft werden. Warum ruft eine Gesellschaft nach drakonischen Strafen, nach Rache?Der in Brasilien geborene Theologe und in Hamburg lehrende Professor Fernando Enns plädiert für einen anderen Umgang mit Strafe und Rache und bezieht sich dabei auf Erfahrungen seiner mennonitischen Kirche. In den so genannten Friedenskirchen gibt es zahlreiche Versuche, die Hintergründe einer Tat besser zu verstehen und aus diesem Verständnis heraus neue Wege für Täter und Opfer zu finden. Als im Oktober 2006 ein Amokläufer in einer mennonitischen Schule in den USA fünf Mädchen erschossen hatte und danach sich selbst tötete, reagierte die fromme Gemeinde ungewöhnlich: Sie konnte dem Täter verzeihen und sammelte später für die Witwe des Täters Geld.

Hier kann man die Sendung nachhören: MP3-Datei NDR-Glaubenssachen

Herausforderung für Alle
Einen Straftäter oder Jemanden der uns durch sein Handeln sehr verletzt hat nicht einfach nur zu bestrafen, sondern ihm Wege hin zu einer Wiederherstellung in der Gesellschaft zu ermöglichen, ist eine große Herausforderung an Alle. Nicht nur an die Opfer, sondern ebenso an den Straftäter und all Jene, die davon nur mittelbar betroffen sind.

In Südafrika gab es nach der Beendigung der Apartheit die „Truth and Reconciliation Commission (TRC)“ / die „Wahrheits- und Versöhnungskommission„. Dies war eine Einrichtung zur Untersuchung von politisch motivierten Verbrechen während der Zeit der Apartheit. Ihr Ziel war es, Opfer und Täter in einen „Dialog“ zu bringen und somit eine Grundlage für die Versöhnung der zerstrittenen Bevölkerungsgruppen zu schaffen. Vorrangig hierbei war die Anhörung beziehungsweise die Wahrnehmung des Erlebens des jeweils anderen. Den Angeklagten wurde Amnestie zugesagt, wenn sie ihre Taten zugaben, den Opfern wurde finanzielle Hilfe versprochen. Ziel war die Versöhnung mit den Tätern sowie ein möglichst vollständiges Bild von den Verbrechen, die während der Apartheid verübt wurden. Sämtliche Anhörungen waren deshalb öffentlich.
Eine Umsetzung, der es nachzuforschen lohnt. Hier noch ein weiterer Link dazu.

Umsetzung im persönlichen Leben
Es stellt sich die Frage, wie wir es schaffen können, solche Ansätze in unserem persönlichen Leben umzusetzen. Wie können wir neue Ansätze zur Wiederherstellung von Beziehungen schaffen, ohne dass dadurch die Strafwürdigkeit dessen, was an uns getan wurde in Abrede gestellt würde.

Wahrheit hat viel damit zu tun und dass die Wahrheit berichtet werden darf. Und Versöhnung kann besonders dann gelingen, wenn auch der Täter sich der Wahrheit über seine Tat, seine Motive und deren Konsequenzen stellt. Das ist ein gutes Ziel, welches wir aber nicht immer erreichen können. Persönlich Versöhnt zu sein ist aber auch dann möglich, wenn unser Gegenüber nicht daran mitarbeiten will. (Siehe mein Beitrag über Vergebung und Versöhnung)

Sicher ist, dass wir mit unseren Taten vor Gott die Gelegenheit bekommen einen solchen Weg der Wiederherstellung zu gehen. Auch hier bedeutet das, dass wir uns vor Gott damit auseinandersetzen müssen, was uns bewegt und motiviert hat Sünde zu tun. Wir müssen bereit sein uns dazu zu stellen, dass wir Sünder sind und Vergebung und Erlösung bedürfen.
Es bedeutet aber auch, dass wir uns dem stellen müssen, dass Gott uns unter Umständen auch zu einer Wiedergutmachung auffordert. Das bedeutet dann spätestens, dass der Vergebungsprozess nicht allein zwischen uns und Gott abläuft. Wir werden uns dann den Menschen stellen müssen, an denen wir schuldig geworden sind. Ein nicht immer leichter Weg.

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

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