Unpünktlichkeit

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© by Charly Lücker

In der aktuellen Nummer (März 2009) der Psychologie Heute fand ich einen interessanten Artikel zum Thema „Chronische Zuspätkommer“.

Es gibt Menschen, die eigentlich so gut wie immer zu spät kommen. Sie halten keine Termine ein und verpassen wichtige Treffen. Diesen stehen denen gegenüber die immer pünktlich sind, nie zu spät kommen und sich über Wartezeiten ärgern.

Sieben Unpünktlichkeitstypen
Diana DeLonzor, Zeitmanagementexpertin und Unternehmensberaterin, hat sieben verschiedene Unpünktlichkeitstypen identifiziert:

  • Der Rationalisierer
    Dieser sieht äußere Umstände als Ursachen für sein ständiges Zuspätkommen.  Die Ursachen sucht er nicht bei sich, sondern in den Umständen.
  • Der Betriebsame
    Dieser lebt in einem beständigen Stress und versucht jede Minute auszunutzen. Er will auf keinen Fall zu früh sein, sondern genau auf die Zeit.
  • Der Deadliner
    Dieser genießt den Adrenalinstoß und wartet immer bis zur letzten Minute. Unter Druck arbeitet er am besten, ist seine Meinung. Der Stress hilft ihm die Angst vor einem Termin zu unterdrücken.
  • Der Undisziplinierte
    Ihm fehlt es an Selbstkontrolle und geht Unannehmlichkeiten am liebsten aus dem Weg.
  • Der Rebell
    Er wehrt sich gegen Autoritäten und äußere Zwänge. Das Zuspätkommen betrachtet er als eine Art Coolnes und Rebellion. Lässt er Andere warten, empfindet er für sich die Situation zu kontrollieren.
  • Der verwirrte Professor
    Dieser ist vergesslich und leicht abzulenken. Er verbummelt Termine.
  • Der Vermeider
    Er hat Angst zu versagen und ein negatives Selbstbild. Das führt zu Vermeidungsstrategien. Er schiebt den Aufbruch so lange hinaus, bis er zu spät kommt.

Zeit anders wahrnehmen
Diana DeLonzor: „Wenn Sie einer unpünktlichen Person sagen, sie solle doch einfach ein bisschen pünktlicher sein, dann ist das genauso, wie wenn Sie jemandem mit Übergewicht sagen, er solle doch einfach ein bisschen weniger essen. Auch wenn es auf den ersten Blick so wirkt, als seien Unpünktliche einfach nur unhöflich, ist die Sache weitaus komplexer. Es ist mehr als schlechtes Zeitmanagement, es ist ein lebenslanges Muster.“

Pünktliche und Unpünktliche unterscheiden sich in einer Vielzahl von Persönlichkeitsmerkmalen und nicht nur in ihrem Zeitempfinden. So wurde es in diversen Studien ermittelt.
So kann man von der Gewissenhaftigkeit einer Person auf ihre Pünktlichkeit schließen. Je gewissenhafter Jemand ist, desto früher kommt er zu einem Treffen. Unpünktliche haben insgesamt mehr Probleme mit Disziplin. Sie sind impulsiver, halten sich häufiger mit Dingen auf, die sie später bereuen und neigen zu Lastern wie Rauchen und Alkohol.
Schüchternheit scheint auch eine Rolle zu spielen. Schüchterne fürchten sich vor Treffen mit Anderen und scheuen davor zurück alleine in der Öffentlichkeit warten zu müssen.
„Menschen die zu spät kommen, verschätzen sich in der benötigten Zeit – selbst bei jenen Dingen, die sie Hunderte Male zuvor erledigt haben – wie etwa, sich für die Arbeit zurechtzumachen.“ Sie sind beseelt von einem schieren Optimismus, „So glauben sie etwa, dass sie die zehn Kilometer zur Arbeit in 15 Minuten fahren können, nur weil ihnen das einmal an einem Feiertag vor ein paar Jahren gelungen ist und sie da gerade eine gründe Welle hatten.“

Was tun?
Diana DeLonzor gibt ein paar Tipps:

Nehmen Sie sich verbindlich vor zu jedem Termin 15 Minuten zu früh zu kommen. Das führt dazu, dass Sie pünktlich sind.  Zumeist unterschätzen wir, wie lange Dinge tatsächlich dauern.

Ändern Sie ihr Wunschdenken. Führen Sie eine Zeit lang ein Tagebuch, in dem Sie aufzeichnen was Sie tun und wie lange Sie dafür benötigen.

Unpünktliche sollten immer auf alles Vorbereitet sein. Sich also z.B. Tags zuvor die benötigte Kleidung und andere benötigten Sachen zeitig zurechtlegen. Das verhindert die zeitfressenden Aktionen in letzter Minute.

Belohnen Sie sich, wenn Sie pünktlich sind und bestrafen Sie sich, wenn Sie unpünktlich sind. Vereinbaren Sie z.B. dass sie das Essen oder die Eintrittskarten bei einem Treffen bezahlen, wenn Sie zu spät kommen.

Für die Pünktlichen:
Die Unpünktlichkeit der anderen sollte man nicht persönlich nehmen. Unpünktliche sind immer zu spät und dass nicht nur bei ausgewählten Personen. Dies trifft die Unpünktlichen im Laufe ihres Lebens weitaus härter als es in diesem Moment den Pünktlichen trifft.

Legen Sie für sich eine Regel fest, wie z.B. nur 15 Minuten zu warten und dann zu gehen.

Bei der Verabredung etwas zu mogeln hilft auch. Verabreden sie sich mit dem Unpünktlichen einfach etwas früher, so kommt er zeitig zu dem eigentlichen Termin.

Machen Sie ais Wartezeiten Qualitätszeiten, indem Sie diese mit einem Buch oder einem gemütlichen Kaffee verbringen, statt sich zu ärgern. Nutzen Sie die Schwäche des Anderen um sich eine kurze qualitative Auszeit zu nehmen.

Andere Länder…
PH: „Während für 98 Prozent der Deutschen die ‚akademische Viertelstunde‘, also 15 Minuten die maximale Wartezeit sind, gilt etwa in Lateinamerika die Latinozeit: Verspätungen von bis zu zwei Stunden sind da nicht unüblich. Was also pünktlich ist und was nicht, hängt davon ab, wo auf der Welt wir uns gerade aufhalten.“
Wir sollten mit der Zeit etwas gelassener umgehen.

Umlernen ist möglich
Diana DeLonzor hat es selbst geschafft ihre chronische Unpünktlichkeit zu überwinden. Das sollte uns Mut machen dies nicht als Gegeben hinzunehmen, sondern an uns zu arbeiten.

Nicht zuletzt können chronisch unpünktliche Christen Hilfe bei Gott suchen. Allerdings die chronisch pünktlichen Christen auch. Denn Pünktlichkeit ist kein Wort, dass wir so in der Bibel finden. Wir können uns recht sicher sein, dass in den biblischen Kulturen Pünktlichkeit weitaus flexibler verstanden wurde, als wir es in unserer Kultur zu tun pflegen.

Selbst die chronische Unpünktlichkeit bei unseren Gottesdiensten mögen auf andere Faktoren zurückzuführen sein, als nur die Nachlässigkeit der Gottesdienstbesucher. Auch hier gibt es den einen oder anderen Trick diese zu überwinden.

(Den ganzen Artikel finden Sie in „Psychologie Heute“ März 2009)

Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

1 thought on “Unpünktlichkeit”

  1. Faszinierend.:) Ich bin kein deutscher, bin aber oft im Osten von Deutschland, wo diese preussische Disziplin einschliesslich Puencklichkeit auf der einer Seite zu bewundern ist, auf der anderen kann manchmal uebertrieben sein bis zu einem absoluten Lebensstil, quasi eine Versessenheit! Da ich aus dem angelsaechsischen Raum komme, hat das oft zu interessanten Kulturschocks (auf beiden Seiten) gefuehrt!:)

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