Buch „Mission Gottesreich“

„Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland“
Christian Baars und Oda Lambrecht, Verlag Ch.Links

Wie man bereits in einem Interview auf WDR5-Redezeit mit den beiden Autoren des Buchs hören kann, wird dies wohl wieder ein Buch über das geredet, diskutiert und das kritisch hinterfragt wird.

Die Autoren haben einige Zeit unter den Christen evangelikaler Ausrichtung in Deutschland recherchiert. Dabei sind sie auf eine ganze Bandbreite unterschiedlich ausgeprägter Richtungen unter ihnen gestoßen. Von extrem charismatische bis gesetzliche Christen.

Der „humanistische Pressedienst“ kritisiert bereits:
„Die Journalisten Oda Lambrecht und Christian Baars wollen in ihrem Buch „Mission Gottesreich. Fundamentalistische Christen in Deutschland“ über die Auffassungen und das Wirken der Evangelikalen informieren. Leider geschieht dies auf eine etwas unsystematische Art und Weise, werden die Leser doch mit einer Fülle von Beispielen nahezu „erschlagen“, ohne eine ausführlichere Gesamteinschätzung vorzunehmen…
Der Inhalt des Buches beruht auf direkten Recherchen in deren Umfeld, auf Gesprächen mit Repräsentanten der Szene, aber auch mit Aussteigern und Sektenexperten. „Fundamentalismus“ definieren Lambrecht und Baars in ihrem Buch über das Bibelverständnis, wobei die historisch-kritische Interpretation zugunsten einer wortwörtlichen Auslegung abgelehnt werde…Zunächst geht es um die soziale Einbindung in entsprechende Gemeinden, welche häufig als Reaktion auf persönliche Krisen und gesellschaftliche Vereinzelung erfolge. Der eingeforderte Dauereinsatz mit verpflichtendem Gehorsam und erwünschter Spendenbereitschaft fördere diese Entwicklung noch stärker. Danach gehen die Autoren auf die strengen Regeln für die Liebe ein, verbunden mit dem Aufruf zur Enthaltsamkeit, dem Kampf gegen Abtreibung oder der Verdammung von Homosexualität. Kampagnen gegen die wissenschaftliche Auffassung von der Evolution prägten darüber hinaus die Agitation der Evangelikalen….
Bereits zu Beginn nehmen Lambrecht und Baars eine klare Einschätzung vor: „Sie sind radikal, sendungsbewusst und zunehmend erfolgreich: fundamentalistische Christen in Deutschland. Die Bibel ist für sie Lebens- und Glaubensgrundlage. Andere Religionen lehnen sie ab, Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität gilt als Sünde. Sex vor der Ehe ist verpönt. Und die meisten stellen die Evolutionstheorie in Frage.“ (S. 8 ) Man wolle deren Autoritarismus, Dämonenglaube, Intoleranz und Wissenschaftsfeindlichkeit aufzeigen. Dabei betonen die Autoren, dass man nicht alle Evangelikalen gleichsetzen könne. Gleichwohl gelte: „ … bei allen Unterscheiden zwischen den vielen evangelikalen Gemeinden wollten wir auch auf die Gemeinsamkeiten hinweisen. Alle berufen sich auf das gleiche Fundament, die meisten halten ihre Glaubens-, Werte- und Lebensvorstellungen für die einzig richtigen.“ (S. 199). Zu einer Distanzierung komme es ohnehin nur auf kritische Nachfrage, von selbst geschehe dies nur sehr selten….
Lambrecht und Baars legen mit ihrem Buch „Mission Gottesreich“ eine journalistische Arbeit über das Wirken der Evangelikalen in Deutschland vor. Da es ansonsten hierzu an kritischen Informationen mangelt, verdient das Werk Beachtung. Gleichwohl verwirrt die ganze Anlage des Bandes: Die Autoren reihen Informationen und Zitate zu den verschiedenen Themen aneinander, werfen mit Organisationsbezeichnungen und Personennamen um sich und lassen dabei Stringenz und Struktur vermissen….
Nur an wenigen Stellen nehmen sie auch Einschätzungen zur Bedeutung und Gefahr derartiger Gruppierungen vor. Damit schaden die Autoren ihrem wichtigen aufklärerischen Anliegen mehr als sie ihm nutzen.

Soweit die Kritik von humanistischer Seite. Von christlicher Seite habe ich noch keinen Kommentar dazu gefunden – der aber wohl nicht lange auf sich warten lassen wird.

Zumindest was die beiden Autoren in dem Radiointerview anführten ist mir zu einem guten Teil bekannt. Ihre kritische Sicht darauf für mich nachvollziehbar. Nur ob sie tatsächlich verstanden haben, worüber sie da berichten und gelernt haben objektiv zu unterscheiden ist hier zunächst die Frage. Die Kritik des hpd macht da wenig Hoffnung. Haben wir es hier dann nur wieder mit „Christen-Bashing“ zu tun, wie leider viel zu oft in letzter Zeit? Wir werden sehen.

—————–Nachtrag—————–

Blog der Autoren
Die beiden Autoren haben nun auch einen Blog angelegt. Sinn und Zweck des Blogs:
Zitat:
In dem Blog wollen wir Reaktionen auf das Buch veröffentlichen und auf weitere Berichte über Evangelikale hinweisen. Außerdem fassen wir einige Berichte von Evangelikalen zusammen.“

Dieser Blog vertieft nun doch sehr stark den Eindruck, dass die Autoren unter Evangelikale ausschließlich ein Feindbild verstehen. Die Erläuterung, was Evangelikale sind, ist recht einseitig und ein Teil der Linkliste führt praktisch ausschließlich zu Beratungsstellen, die man sonst im Rahmen von Sekten kennt.
Das aber Evangelikale eben zum allergrößten Teil mit Sekten nichts zu tun haben, geht wohl an der Wahrnehmung der Autoren völlig vorbei.
So wie der Eindruck insgesamt auf die sehr einseitige Sicht der Autoren beim Studium dieses Blogs wächst.

Ich bin gespannt, wann denn mein Artikel hier in der Rubrik „Reaktionen auf das Buch“ erscheint.
Zumindest wurde dieser Artikel in den drei Tagen wo er existiert der meistgelesene Artikel meines Blogs.

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

7 Kommentare zu „Buch „Mission Gottesreich““

  1. Ein Interview bei „pro“ mit den Autoren des Buchs:
    „pro“ fasst zusammen:

    pro: Ihr Buch und Ihre dargelegte Position erinnern mehr an pauschalisierende Religionskritik denn an einen Beitrag zur sachlichen Auseinandersetzung mit Glaubenspositionen.

    pro-Interview

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