tumbe Männerbilder

Gerade lese ich bei Family.de einen provokanten Artikel mit der Überschrift: „Was Männer wollen“.
Zitat:
„Männer sind einfach gestrickt! Das meint zumindest der amerikanische Psychologe Kevin Leman. Bevor Sie family aufgrund dieses Artikels in die Ecke feuern, reden Sie lieber mit Ihrem Partner darüber. Vielleicht ist doch etwas dran!“

Ja, die Lust sowas in die Ecke zu schmeißen ergreift mich regelmäßig, wenn ich solche platten Männer- oder Frauenbilder lese.

Kevin Leman reduziert dann „den Mann“ in seinen Bedürfnissen auf drei Aspekte:

  • Respektiere mich
    Angeblich seien Frauen für Männer einschüchternd. Na wenn man die „Superfrau“ betrachtet die er da aufzeichnet, könnte man auf diesen Eindruck kommen. Aber es gibt diese Superfrauen genauso wenig wie es einen rein männlichen Wunsch nach Respekt gibt. Respekt zu erfahren und noch viel mehr: geliebt zu werden ist ein Grundbedürfnis schlicht aller Menschen.
    Das Beziehungen nun oft an mangelndem gegenseitigen Respekt leiden, ist nun auch nichts neues – wenn doch immer wieder wichtig zu erwähnen.
    Wichtiger als die Respektbezeugung finde ich den Partner zu lieben. Denn nach meiner Überzeugung wird man dem gegenüber den man liebt diesen Respekt ganz von selbst erbringen wollen. Fehlender Respekt vor dem Partner ist zumeist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Liebe erkaltet ist.
  • Brauche mich
    Klar, welcher Mann möchte nicht gebraucht werden? Aber welche Frau nicht ebenso?
    K. Leman stellt hier nun die Behauptung auf, dass Männer viel weniger Freunde hätten als Frauen. Ich weiß ja nicht in welchem Umfeld K. Leman lebt, aber ich kann in meinem Umfeld nicht finden, dass es im Durchschnitt einen solch klaren Schnitt in Bezug auf gelebte Freundschaften zwischen Männer und Frauen gäbe. Was ich hier erkenne ist lediglich ein enormes Vorurteil, welches gerne immer wieder hervor gezogen wird.
  • Erfülle mich
    Und natürlich darf in der Aufzählung populärer Vorurteile nicht fehlen, dass für Männer Sex ein (immerhin „nur“ das drittwichtigste) enormes Bedürfnis wäre. Ich würde mich freuen, wenn nach so langen Jahren der Emanzipation der Frauen irgendwann auch mal ankommen würde, das Sex für Frauen ein ebenso großes Bedürfnis ist. Und bitte: fehlender Sex in der Ehe ist Heute für nicht wenige Frauen Grund genug sich scheiden zu lassen!

Tumbe Männer- und Frauenbilder
Mich ärgert es immer wieder, wenn ich lese und höre wie Mann und Frau in solch billigen, einfach strukturierten und schlicht nur dummen Bilder gepresst werden. Ärgern tut mich das, weil ich in etlichen Paarseminaren sehen muss, dass genau mit diesen tumben Bildern Paaren geholfen werden soll ihre Ehe besser leben zu können. Wer kennt diese Behauptungen nicht, dass die Gedankenstrukturen der Männer sehr geordnet und strukturiert verlaufen würden und die der Frauen recht kraus und unstrukturiert? Oder das angeblich Frauen mehrere Sachen parallel tun könnten, während Männer sich immer nur auf eine Sache konzentrieren könnten?
Ziemlicher Unsinn, aber anscheinend in den Köpfen der modernen Menschen nicht auszurotten. Zig Bücher und Seminare gibt es zu diesen seltsamen Menschenbildern. Dieses Angebot einer sehr simplen Einteilung in Bildern ist leider sehr beliebt. Immer wieder wenn solches Bilder diskutiert werden, bejubeln viele diese sehr schnell. Fragt man aber genauer nach, bringt man diese, die eben noch so sehr von solchen einfachen Bildern begeistert waren, dazu einmal diese Bilder genauer an ihrer erlebten Realität zu messen, lässt die Begeisterung auch genauso schnell wieder nach.

Unterschiede
Ja klar, es gibt Unterschiede zwischen der Psyche von Männern und Frauen. Sie sind aber nicht so einfach und so schubladenhaft. Neue Untersuchungen haben z.B. ergeben, dass Männer wenigstens genauso viel oder gar mehr reden, als Frauen – sie reden nur über anderes. Die Unterschiede sind feiner, diffiziler. Und sie sind es wert ergründet zu werden. Nur helfen uns solche Pauschalen garnicht weiter, wenn wir nicht lernen unser individuelles Gegenüber kennenzulernen. Und unser Gegenüber passt genauso wenig in irgendeine Vorstellungsschublade, wie wir es tun.

Wunsch nach einfachen Methoden
Wir alle haben mehr oder weniger den Wunsch nach solch einfachen Regeln und Bildern, nach denen wir unser Leben gestalten können. Insbesondere in solch schwierigen Dingen wie Beziehungen und Partnerschaften. Es ist also nachvollziehbar, warum solche „Küchentischpsychologie“ so gut ankommt.
Aber ich möchte doch eine Warnung aussprechen, solch einfachen Bildern nicht allzu viel Beachtung zu schenken. Auch wenn es manchmal so erscheint, dass Mann oder Frau sich nur zu gerne in diesen simplen Bilder einordnen lassen. Niemand wird sich auf Dauer so behandeln lassen, wie solche Ratschläge, die aus solch tumben Vorstellungen erwachsen, es vermitteln.

Die Bibel
…gibt uns solche Bilder über Mann und Frau nicht her. Da nutzen auch die so oft recht sehr missdeuteten Bibelstellen nicht. Wir finden in der Bibel keine einfachen Männer- und Frauenbilder. Die typische Frau am Herd genauso wenig wie der Mann als beständiger Jäger und Sammler. Was wir hingegen in der Bibel finden ist Gott, der sich selbst, in seinem Wesen uns zu lieben und uns zu begegnen, als Muster für unsere Beziehung miteinander anbietet. An IHM dürfen wir lernen, was es bedeutet meinen Partner zu lieben und anderen zu begegnen. Das alles ist nicht in wenigen Sätzen aus der Bibel zu extrahieren, aber allemal lohnender als der Konsum solch platter Menschenbilder.

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

2 Kommentare zu „tumbe Männerbilder“

  1. „…gibt uns solche Bilder über Mann und Frau nicht her. Da nutzen auch die so oft recht sehr missdeuten Bibelstellen nicht. Wir finden in der Bibel keine einfachen Männer- und Frauenbilder.“

    Nun da wäre: „Der Mann ist das Ebenbild Gottes“. „Die Frau hat nicht zu lehren“. „Die Frau hat in der Gemeinde zu schweigen“.

    http://www.bibelkritik.ch/kirchenkritik/e24.htm

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  2. “Der Mann ist das Ebenbild Gottes” gibt es in der Bibel nicht! In der Bibel steht, dass der Mensch, Mann und Frau, nach den Ebenbild Gottes geschaffen wurden – nicht aber Gottes Ebenbild wären.

    Die Aussagen über die Frau stehen in einem Kontext, den auch zuviele Christen völlig ignorieren. So aus dem Text seziert, stimmen die Aussagen zumindest nicht.

    Weißt was? Bevor du anfängst die Bibel zu zitieren, solltest du sie lesen. Ansonsten wirst du nur von einem Fehlzitat zum anderen stolpern.

    Die von dir verlinkte Seite ist ja nun wirklich absolut lächerlich. Wie sagte dieser Commidian noch? „Wer keine Ahnung hat – einfach mal die Klappe halten“

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