Deutsche Sprache

Man liest immer wieder davon, dass sich Deutsche über die Entwicklung der Muttersprache ärgern. Insbesondere wird so oft angeprangert, dass Anglizismen immer mehr zunehmen. Teilweise sind gerade die oft so skurril, dass man sich tatsächlich fragen muss, ob die Autoren solcher Entgleisungen wenigstens einer der beiden Sprachen mächtig sind, die sie hier in so übler Weise verknüpft haben. Unvergesslich bleibt mir dieser hochgestellte Manager, der in einem Telefoninterview mit dem WDR2 sehr gebildet den englischen Begriff „double use“ (zweifache Nutzung) in etwa so aussprach: „dubbelle uuse“ 😀 Wie sagte noch ein deutscher Satiriker? „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten!“ 😉

Aber dazu gibt es ja mehr wie genug Artikel und Beispiele.

Was mich ärgert
Immer wieder begegnen mir im Alltag solche Sprachunfälle. Was besonders auffällt ist, dass immer mehr Deutsche keinen Bezug mehr zu Redewendungen haben, die sie verwenden. So kommt es immer häufiger vor, dass zwei Redewendungen, die nichts miteinander zu tun haben, vermischt werden. Oder dass die eigentliche Pointe der Redewendung verdreht wird, weil der Benutzer nicht mehr weiß, worauf sich diese bezieht. Es ist zu beobachten, wie Redewendungen zu leeren Worthülsen zerfallen, was ich sehr traurig finde.

Beispiele hier für wären:

„Bei Jemanden einen Stein im Brot haben“ statt: „ … im Brett haben“
„das war wie ein Gang nach Rom… „ statt: „ … Gang nach Canossa
„Den Federhandschuh werfen“ statt: „den Fehdehandschuh aufnehmen

usw.

„verbauen“
Früher hörte man lediglich irgendwelche behördliche Sprecher – so wie von der Polizei oder Feuerwehr – vom „verbauen“ reden, wenn damit ausgedrückt werden soll, dass etwas eingebaut wird oder wurde. Heute jedoch verwenden etliche Reporter und Redakteure mehr und mehr dieses Wort. Anscheinend hört sich das für die Nutzer irgendwie gebildeter an oder ähnliches – einen vernünftigen Grund gerade dieses Wort für „Einbau“ zu verwenden ergibt sich zumindest für mich nicht. Ich habe auch nachgesehen und gefunden, dass mein Sprachgefühl mich nicht täuscht. Die Verwendung der Vorsilbe „ver“ spricht in erster Linie dafür, dass etwas nicht gelungen ist oder gar zerstört wird. „Verbauen“ hieße demnach eigentlich dass hier Jemand Mist gebaut hat. Dieser hat beim Einbau Fehler gemacht oder hat durch einen fehlerhaften Einbau etwas kaputt gemacht. Erst in einer erweiterten Nutzung erscheint das Wort „verbauen“ im Sinne von „einbauen“.

Ich frage mich immer wieder, wenn ich die Nutzung dieses Wortes wieder höre oder lese, was mit dem Sprachgefühl solcher Autoren geschehen ist.

„Leiterschaft“
Dieses Wort nun ist ein schönes Beispiel wie etwas in unsere Sprache völlig Blind und ohne Kenntnis der deutschen Sprache aufgenommen wird. Denn dieses Wort gibt es in der deutschen Sprache schlicht nicht! Dennoch bahnt sich dieses Wort über freie christliche Gemeinden in unseren Sprachgebrauch. „Leiterschaft“ ist das Ergebnis eines miserablen Übersetzungsversuchs des englischen Wortes „Leadership“, welche korrekt übersetzt eigentlich „Führung“, „Leiter“ oder „Leitung“ bedeutet. Bei dem Wort „Leiterschaft“ muss man sich also fragen, was genau damit bezeichnet werden soll? Ein Schaft, der sich an einer ausziehbaren Leiter befindet etwa? Oder ein Griffteil eines Leiters – also den Teil, an dem man einen Leiter richtigerweise anfasst um mit ihm zu arbeiten? (Wo genau jetzt bei einem Leiter dieser Schaft zu finden ist? Also, das weiß ich jetzt auch nicht so genau.)

Gibt man das Wort „Leiterschaft“ bei Google ein, bekommt man sage und schreibe ungefähr 25.000 Treffer. Und das für ein Wort, dass es garnicht gibt! Die weitaus überwiegende Zahl der Treffer scheint mir aus dem freikirchlichen Raum in Deutschland zu kommen. Man fragt sich, ob das wohl ein Anzeichen dafür ist, wie sehr ebendiese durch englische und amerikanische Quellen geprägt sind – woher sonst sollten solche Übersetzungsfehler so unkritisch Raum in unserer Sprache bekommen?

Ich muss zugeben, dass ich selbst dieses Wort längere Zeit unkritisch benutzt habe bevor ich darauf aufmerksam wurde, dass es das eigentlich nicht gibt. Selbst Heute noch muss ich bewusst darauf achten, es nicht weiter zu benutzen, da es mir „in Fleisch und Blut“ übergegangen war.

Fortsetzung folgt
Wie ich befürchte, gibt es eine ganze Reihe anderer Beispiele, die auch noch angeführt werden könnten oder gar müssten. Evtl. ergänzt hier der Eine oder Andere meiner Leser ja noch aus dem eigenen Erfahrungsschatz.

Warum das?
Wenn ich nachdenke, woher das kommt, dass unsere Sprache solche Veränderungen erlebt, komme ich immer wieder auf die bekannte Tatsache, dass die Deutschen immer weniger lesen. Gerade die heranwachsenden Generationen zeichnen sich mehr und mehr damit aus, dass sie keine Lesekultur mehr pflegen. Da bedarf es solchen Romanen wie „Harry Potter“ damit auch die Jungend mal wieder umfangreichere Bücher in die Hand nehmen. Nur scheint es viel zu wenige solcher Bücher zu geben. (Was einer Leseratte wie mir völlig unverständlich erscheint)

Lesefaulheit
Es fällt auch auf, dass zum Beispiel Blogbeiträge, die mehr wie eine DIN-A4-Seite umfassen, sehr ungern gelesen werden. (Dem wird auch dieser Beitrag wieder zum Opfer fallen) Gerade hier hat sich auch unter den Christen eine McAndacht-Kultur entwickelt. Fastfood-Andachten, die sehr kurz, eingängig und heillos oberflächlich sind, erfreuen sich reichlicher Beachtung. Nur leider ist weder das Leben als Christ, noch das Verstehen chr. Lehrinhalte nicht als Fastfood-Burger zu servieren. Wer es also in diesem Artikel bis hierhin geschafft hat, hat meine Anerkennung 🙂

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

6 Kommentare zu „Deutsche Sprache“

  1. Hi Charly,

    Ich geb‘ Dir im Großem und Ganzen recht! Auch wenn mein Gefühl bei dem Wort „verbauen“ mit Dir übereinstimmt, so musste ich mich da eines Besseren belehren lassen. Im Duden „Das Bedeutungswörterbuch“ (Ausgabe von 1985) steht folgendes:

    verbauen:
    1. durch Bauen versperren: jmdm. die Aussicht v.
    2. beim Bauen verwenden: Holz, Steine v.; sie haben ihr ganzes Geld verbaut (beim Bauen verbraucht).
    3. falsch und unzweckmäßig bauen: der Architekt hat das Haus völlig verbaut; ein verbautes Haus.

    Anglizismen begegne ich in meinem Beruf sehr häufig. Einige sind inzwischen sogar in den Duden aufgenommen worden, obwohl mein Sprachgefühl da immer noch eine starke Abneigung äußert! Ein Beispiel:

    booten [‚bu:tn] (EDV einen Computer neu starten); ich boote, ich habe gebootet

    Wobei ich Zeitformen wie „gebootet“ überhaupt nicht mag … aber oft bleibt mir nichts anderes übrig, als diese in meinen Bedienungsanleitungen zu verwenden 😦 …

    cu, guido

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  2. Hi Guido,
    nun ja, letztlich ist auch dann noch die Vorsilbe „ver“ eher negativ geprägt. Wer freut sich schon über eine verbaute Aussicht?
    Auch „ihr ganzes Geld verbaut“ ist nicht positiv belegt. Immerhin spricht hier das Wort von einem Ende der Möglichkeiten.

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  3. Hi Charly,
    Ich geb‘ Dir da vollkommen recht! Wobei mir schon „schlimmeres“ als der Begriff „verbaut“ begegnet ist.

    Ich kann noch eher damit leben, dass bestimmte Komponenten in einem Gerät verbaut werden (so wird das noch recht häufig verwendet), als wenn von „Entwärmung“ anstatt Kühlung die Rede ist.

    lg, guido

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  4. Da hat man in einem Roman von Terry Pratchett den Nachnamen „Aching“ (in etwa „Schmerzend“ -ein Wortspiel, wie es Pratchett liebt) mit „Weh“ übersetzt (wie in „es tut mir weh“).
    In der Hörbuchfassung wird „Weh“ dann aber „Wie“ ausgesprochen! Da hat jemand nicht gemerkt, das das bereits ÜBERSETZT ist!

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