Einheit des Geistes

Epheser 4:3 Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens (rev. Elb)

Eine gescheiterte Diskussion

In einem Blog-Artikel fand ich eine Warnung vor falscher Einheit unter Christen, insbesondere unter Christen die den Weg der einfachen Gemeinde leben wollen. Der Autor wies darauf hin, wie wichtig es für uns Christen ist, die Einheit des Geistes zu bewahren und uns nicht in einer menschlichen Einheit zu verfangen. Es gäbe für Gläubige Christen nur eine Quelle echter Einheit, welche der Hlg Geist sei, der uns eins machen wolle.

Als Kennzeichen der wahren Einheit des Geistes erwähnte er zunächst den bleibenden Frieden der Gegenwart Gottes unter uns und als zweites die Liebe, die unter uns ausgedrückt würde. Dazu der folgende Bibelvers:

Kolosser 3:14 Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist! 15 Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib! Und seid dankbar! (rev. Elb)

Er warnte dann konkret davor eine Einheit in folgenden Punkten zu finden oder zu leben:

  • Einheit darin gegen etwas zu sein

  • Einheit eine bestimmten Person (Lehrer oder Prophet etc.) zu favorisieren

  • Einheit in einer bestimmten Lehrausrichtung

  • Einheit in der Religion nicht religiös sein zu wollen

Sicherlich ist bei den angeführten Punkten durchaus zu überdenken, ob diese Einheit dem entspricht, wenn die Bibel von der Einheit des Geistes redet. Diese Gedanken sind es wert durchdacht zu werden, wie ich finde.

Ich versuchte den Schreiber darauf hinzuweisen, dass praktisch alle die Gruppen, die er aufgezählt hat meiner Ansicht nach für Christen in bestimmten Lebenssituationen sehr wichtig sein können und dass ich darin noch nicht eine falsche Einheit erkennen kann. Ich betrachte solche Einheitsbildungen als vorübergehende heilsame Begegnungen, die Menschen in bestimmten Lebenssituationen den Halt geben können, den sie gerade brauchen. Erst wenn diese Einheit zu einem Selbstzweck pervertiert sehe ich darin eine Gefahr.

Ich frage auch weiter, ob er denn die „Einheit des Geistes“ einmal genauer definieren könne, denn darum geht es ihm ja schließlich.

Es entstand eine kurze Diskussion, in der wir nicht zu einer gemeinsamen Sicht oder zumindest einem Kompromiss finden konnten. Meine Anmerkungen verwarf er und meine Frage konnte er nicht wirklich beantworten – er berief sich auf die zwei von ihm bereits angeführten Punkte. Als ich ihm erwiderte, dass wohl fast Jeder, der in einer solchen Gruppe ist vor der er gewarnt hat, ihm bezeugen würde, dass sie eben diese zwei Punkte unter sich erleben, beendete er unsere Diskussion und löschte meine Beiträge in seinem Blog.

Bis hierhin noch nichts wirklich erwähnenswertes, wenn auch bedauerlich dass eine interessante und unter Umständen bereichernde Diskussion über ein nicht unwichtiges Thema abgebrochen wurde. Die darauf folgenden Beiträge waren jedoch sehr interessant. Es wurde von anderen Erleichterung bekundet, dass diese „unangenehme Diskussion“ beendet worden sei und ein Mitdiskutierender bekundete mit einem „Hurra“ das meine Beiträge gelöscht seien und sie nun „ endlich in der Einheit des Geistes“ und in Ruhe diese „wichtige Botschaft“ betrachten könnten.

Das also soll nun die „Einheit des Geistes“ sein? Unliebsame Stimmen mundtot zu machen und hinterfragende Beiträge zu entfernen? Ganz sicher nicht. Ist ein solches Verhalten letztlich nichts anderes als das was hier als falsche Einheit angeprangert wurde.

Auch wenn wir hier ein eher trauriges Beispiel von Einheitssuche haben, so bleibt die Frage doch, was die echte Einheit des Geistes oder auch Einheit im Glauben denn nun tatsächlich ist oder wie diese erkennbar sei. Die zwei oben angeführten Punkte sind hier wohl eher nicht ausreichend um uns einen sicheren Indikator zu geben.

Die Einheit des Geistes

Epheser 4:3 Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens: 4 Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung! 5 Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, 6 ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist. (rev. Elb)

Epheser 4:13 bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi. (rev. Elb)

Es ist immer gut, wenn wir auch solche Begriffe wie „Einheit des Geistes“ im Kontext der Bibel betrachten. So sehen wir, dass Paulus im Epheserbrief keineswegs eine schwammige Formulierung der Einheit des Geistes gefunden hat. Er zeigt in den folgenden Versen auf, dass diese sich in der Hinzufügung zum Leib Christi durch den Hlg. Geist, der Berufung durch Gott hierzu in der einen Hoffnung, in einem Herrn, einem Glauben, eine Taufe und ein Gott und Vater aller ausdrückt. Also in dem, dass wir darin übereinstimmen dem einen Gott durch die von ihm gegebene Erlösung zu folgen und sich anderen religiösen Überzeugungen zu enthalten. Damals wie Heute gab es eine Unzahl anderer Götter und Lehren, die angeboten wurden – die Einheit des Geistes oder die Einheit des Glaubens manifestiert sich laut Paulus nun in diesen grundlegenden Punkten.

Wie wir sehen können, ist das weitaus klarer definiert als zwei eher schwammige Ausdrücke menschlicher Emotionen. Laut dem Vers 13 ist diese Einheit offensichtlich etwas, in das wir hineinwachsen müssen und zu dem wir durchaus auch Menschen brauchen, die uns darin in Vorbild und Lehre vorangehen.

Einheit in einer Person, nicht in einer Überzeugung

Ich möchte noch einen Schritt weitergehen. Wenn wir von der „Einheit des Geistes“ reden, reden wir genau nicht von Überzeugungen, Lehrmeinungen oder ähnlichem. Wir reden hier von einer Person, genauer der Person Gottes geoffenbart im Hlg. Geist.

Wenn wir Einheit in Überzeugungen, Lehren oder ähnlichem finden, so ist diese Einheit normalerweise durch verschiedene Punkte klar zu umschreiben, abzugrenzen und zu definieren. Das ist der Fall, wenn wir uns den alten Bund und das Gesetz ansehen. Das Gesetz ist durch Moses ausformuliert worden und über Jahrhunderte hinweg wurde es diskutiert und ausgelegt, beschrieben und überdacht. Diese Einheit aber, die die Menschen darin finden konnten, bracht keine Erlösung, keinen Frieden mit Gott – laut Paulus machte das Gesetz erst die Sünde offenbar von der wir die Erlösung bedürfen. So ähnlich verhält es sich, wenn wir Einheit in Überzeugungen und Lehrmeinungen etc. suchen wollen.

Die Einheit des Geistes hingegen verweist uns auf die Person Gottes und nicht auf ein niedergeschriebenes Gesetz. Gott als Person, in der Art, wie er sich uns individuell offenbart und zuwendet, wie er uns in unserem Leben begleitet, ist nicht in Sätzen festzuhalten, nicht in ausformulierbaren Überzeugungen. Es bleibt unbenommen, dass diese Person Gott sich im Wort Gottes offenbart und darstellt. Nur bleibt auch, dass nicht die Bibel Gott ist, sondern lediglich von unserem Gott berichtet und ihn und seinen Umgang mit den Menschen beschreibt.

So ist die „Einheit des Geistes“ eher damit zu beschreiben, dass wir uns in dem einen Gott treffen, in der Begegnung und Erfahrung mit diesem Gott. Gott ist es, der der Maßstab der Einheit ist, nicht Meinungen oder Überzeugungen. Die Einheit des Geistes ist also nicht darin zu finden, dass wir in einzelnen Punkten darin übereinkommen etwas als Richtig und Gut zu betrachten. Eher finden wir uns in unserer Unterschiedlichkeit und der Unterschiedlichkeit unserer Überzeugungen in dem einen Gott wieder, der uns aus der Sünde erlöst hat. Der Frieden des Christus und die Liebe sind also das Ergebnis davon, dass wir gemeinsam erleben in Gott angenommen, wertgeschätzt und geliebt zu sein.

Kolosser 3:14 Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist! 15 Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib! Und seid dankbar! (rev. Elb)

Gott ist in seiner Person nicht willkürlich oder für jeden anders. Gott wechselt seine Werte nicht und ist greifbar und erkennbar als Person.

Jakobus 1:17 Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten. (rev. Elb)

Gott ist nicht widersprüchlich und unberechenbar – er ist aber viel größer, als es unser menschlicher Verstand jemals zu ergreifen vermag. So ist also Gott, in der Person die er ist, der sichere Ort, an dem wir zu einer Einheit finden können. Gott ist sicher und nicht lediglich ein weiterer Punkt der Unsicherheit in unserem Leben. Sehr wichtig ist darin die Aussage des Paulus:

Römer 8:31 Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns?…

35 Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?… 38 Denn ich bin überzeugt, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, 39 weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. (rev. Elb)

Diese absolute Zusage der Liebe Gottes an uns gibt uns den Punkt, an dem wir echte Einheit finden können. Einheit die verbindet und Sicherheit gibt. Keine schwammige Einheit, keine Einheit die durch Abwesenheit oder Entfernung störender Meinungen und Menschen erlangt wird. Eine Einheit die über alle Unterschiedlichkeit von uns hinausgeht, die es uns ermöglicht uns in unserer Unterschiedlichkeit zu ertragen und zu tragen. Die Einheit des Geistes gipfelt und fusst in der gemeinsamen Erfahrung so über die Maßen geliebt zu sein, wie wir sind und nicht erst wenn wir einen bestimmten Stand erarbeitet und erreicht haben.

Diese Einheit des Geistes ist es wahrlich wert gesucht zu werden. Daher:

Epheser 4:3 Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens…

Kolosser 3:14 Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist! 15 Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib! Und seid dankbar! (rev. Elb)

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

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