Die Suche nach dem persönlichen prophetischen Wort

Gott hat seinen Jüngern unter anderem die prophetische Gabe gegeben – nicht allen aber doch auch nicht wenigen. Das tat er aus guten Gründen. Nach meiner Überzeugung ist Gott auch heute noch in dieser Art in seinem Leib aktiv. Und ich stimme dem Wort zu:
1 Thessalonicher 5:19 Den Geist löscht nicht aus! 20 Weissagungen verachtet nicht, 21 prüft aber alles, das Gute haltet fest! (rev. Eelb.)

Neben dem, dass Gott zu seiner Gemeinde auch durch die prophetische Gabe redet, finden wir auch, dass er zu einzelnen Menschen persönlich so durch Dritte redet. Gott will mit uns in einen dynamischen Dialog treten und dazu wählt er verschiedene Wege. Eine sehr schöne Sache, will ich meinen.

In den vielen Jahren (nahezu 30 nun) in denen ich mit der konkreten Umsetzung der prophetischen Gabe im Leib Christi zu tun habe beobachte ich, dass der Anteil der persönlichen prophetischen Worte wesentlich höher zu sein scheint, als das, was Gott so zu ganzen Gemeinden redet. Das macht mich nachdenklich, denn das sagt auch viel über uns und unsere Beziehung / Haltung gegenüber Gott aus.

Zunächst betrachten wir mal die Qualität der vielen persönlichen prophetischen Worte.
Da kommen wir auf ein eigentlich trauriges Ergebnis. Genau hingesehen ist das meiste, was dort „prophetisch“ geäußert wird, kaum oder garnicht prophetisch. Nicht weniges davon ist lediglich Ausdruck des Herzens des „prophetischen“ Redners. Das ist nicht wirklich so schlimm, wie mancher jetzt evtl. denken mag. Es hängt eben viel davon ab, wie wir damit umgehen.
Dann ist vieles, was da mitgeteilt wird oft so unscharf, dass man unmöglich beurteilen kann, ob es nun prophetisch ist oder nicht oder in wie weit es das ist.
Ok, niemand wird als Prophet geboren. Klar bedarf es guter Lehre und ein gutes Maß an Vertrautheit mit Gott und auch Übung, damit diese Gabe in ihrer individuellen Ausübung geschärft wird. Daher ist es Verständlich, wenn so manches prophetische Wort (noch) nicht so scharf oder so ungetrübt durch den prophetisch Redenden selbst ist. Dafür sollen wir uns ja im geschützten Raum unserer Versammlungen darin üben.
1 Korinther 14:1 Strebt nach der Liebe; eifert aber nach den geistlichen Gaben, besonders aber, daß ihr weissagt! (rev. Eelb.)

Dennoch ist es wichtig, dass wir einen nüchternen Blick auf all das prophetische Geschehen unter uns bewahren. Leider tun sich da nicht wenige sehr schwer mit. Obwohl wir klar aufgerufen sind, alle prophetischen Worte zu prüfen (egal wer von uns sie weitergibt), empfinden doch manche eben diese Prüfung als Infragestellung der Person des prophetisch Redenden. Nicht nur dass diese Meinung nicht gut und eher unreif ist, eine solche Haltung vergiftet zudem die gute Gabe Gottes. Bei allem Prophetischen geht es zentral um Gott und was er zu uns reden will und nur ganz ganz am Rande um den, der dieses Reden Gottes weitergibt. Hier ist zu oft der Fokus verschoben und wir sollten unter uns daran arbeiten solches abzulegen.
Ich nehme mich selbst hier absolut nicht heraus! Obwohl oder gerade weil ich nun lange Jahre Übung und Praxis in der Ausübung dieser Gabe habe, bin ich mir bewusst, wie wichtig es ist, dass jedes prophetische Wort geprüft wird.
Dabei können wir als Weitergebende sehr entspannt sein: haben wir Gott richtig gehört, so wird er selbst das Weitergegebene auch bestätigen. Fällt das eine oder andere, schon von uns gedeutete oder hinzugefügte, heraus, wird nur das wahre Reden Gottes um so deutlicher. Was wollen wir mehr?

Primärer und sekundärer Dialog.
Der Umstand, dass der Anteil der persönlichen prophetischen Worte so enorm hoch ist, hat mich nachdenklich gemacht. Eigentlich ist die prophetische Gabe ein sekundäres Instrument des Dialogs, den Gott mit uns führen möchte. In der Regel geht dieser Dialog über Dritte und neigt dazu unscharf und oft undeutlich zu sein. Der direkte Weg, von Gottes Herz zu unserem Herz ist der primäre Weg, wie Gott mit seinen Kindern kommunizieren möchte. Dennoch gibt es viele Aspekte und Gründe warum das noch, trotzdem oder zeitweise nicht so gut funktioniert. Hier ist das prophetische Wort sehr hilfreich.

Nachdenklich macht es, wenn man beobachtet, wie sehr es manchen Christen nach einem persönlichen prophetischen Wort verlangt, wenn Propheten oder prophetisch Begabte unter uns sind. Ich befürchte dass dieser Umstand auch ein Ausdruck unserer gestörten Kommunikation mit unserem Gott ist. Oft sicherlich auch ein Sehnen nach Zuspruch und Trost in bestimmten Zeiten unseres Lebens. Auch wenn wir eigentlich wissen, wie Gott zu uns steht, kann ein solches zusätzliches prophetisches Wort sehr gut tun. Das ist wohl so ähnlich wie bei Liebespaaren: auch wenn sie wissen, dass der andere sie liebt, tut es gut es nochmal zu hören. Da Gott ein herzlicher Liebhaber seiner Kinder ist – warum sollte er dann nicht auch immer wieder so seine Liebe bekunden?

Leider habe ich aber auch Verhaltensmuster im Leib Christi beobachten müssen, die mich traurig machen. So musste ich zu oft miterleben wie aus der prophetischen Gabe mehr oder weniger eine Art Wahrsagerei gemacht wurde und wird. Da gibt es „Propheten“ die schon vor ihrem Kommen in eine Gemeinde die Namen derer bekommen möchten, denen sie mit ihrer Gabe dann dienen wollen. Wenn sie dann da sind geben sie erst eine Menge von dem preis, was „Gott ihnen über die Person offenbart“ habe, um dann ein Wort für die Zukunft derselben weiterzugeben. Beeindruckend – aber leider können das auch div. Varieteekünstler, ganz ohne prophetische Begabung. Wozu, bei genauer Betrachtung, soll das auch gut sein? Um den Propheten und seine Gabe zu bestätigen? Sind wir in unseren Versammlungen derart mit der prophetischen Gabe unterversorgt, dass wir soetwas bräuchten? Und wenn dem so ist, warum streben wir nicht eher danach unter uns diese Gabe zu pflegen? Eben so wie es Paulus uns im 1.Kor. 14 sagt.
Oder es kommen Propheten mit noch spektakuläreren Auftritten, um ihren „prophetischen Worten“ noch mehr Nachdruck zu verleihen. Ich verzichte hier jetzt auf weitere Beschreibungen dessen – Beispiele davon sind leider nur allzu bekannt.
Was noch schlimmer ist, ist der Umstand dass immer mehr außerbiblische, teils okkulten Dinge als angebliche „Prophetie“ in unseren Versammlungen Raum gewinnen. Dinge, die vor nicht allzu langer Zeit klar als esoterische Dinge erkannt wurden, finden heute Zugang in unsere Gottesdienste. Aber darüber wollte ich hier jetzt eigentlich nicht weiter schreiben – daher vertiefe ich das nicht weiter.

Worum geht es Gott mit der prophetischen Gabe und worum geht es uns dabei?
Das ist die Frage, der wir uns stellen müssen. Dem sollten wir uns stellen, denn wenn wir diese Fragen bewegen, wird Gottes Gabe unter uns schärfer und reiner werden. Gottes Präsenz in seinem Leib wird dann offenbar und wir könnten wohl mehr als heute das sehen, wovon Paulus sprach:
1 Korinther 14:24 Wenn aber alle weissagen und irgendein Ungläubiger oder Unkundiger kommt herein, so wird er von allen überführt, von allen beurteilt; 25 das Verborgene seines Herzens wird offenbar, und so wird er auf sein Angesicht fallen und wird Gott anbeten und verkündigen, daß Gott wirklich unter euch ist. (rev. Elb.)

Ich habe für mich erkannt, dass es Gott lieber ist, wenn er von Herz zu Herz mit mir kommunizieren kann und nur in bestimmten Fällen durch einen Prophet zu mir zu reden. Vermittelt mir Jemand ein prophetisches Reden Gottes für mich, so darf ich es entspannt in meinem Herzen prüfen und darauf vertrauen, dass Gott das herausfiltern wird, was er dadurch zu mir sagen wollte. Ich werde mich auch nicht wieder in eine Warteschlange stellen um von einem Propheten ein Wort für mich zu erhalten. Weiß ich doch, dass wenn dies ein echter Prophet Gottes ist und Gott mir durch ihn etwas zu sagen hat, Gott dafür sorgen wird dass dieser Prophet sich zu mir wendet.
Was mich noch mehr begeistert ist, dass Gott solche, die die prophetische Gabe nicht haben oder nicht so darin geübt sind, auch an der prophetischen Gabe anderer, gereiften Propheten Anteil haben lässt. So können wir erleben, dass tatsächlich die körperliche Nähe eines oder mehrerer Propheten die prophetische Gabe auch bei Dritten zeitweise ansteigen lässt. Ein Beispiel davon lesen wir beim König Saul, der unter den Prophetenschülern weilend auch weissagte – ansonsten aber nie solches tat. (zB 1. Sam. 10:11) Ich habe das selber in der Schulung durch einen Propheten erleben können und habe seitdem öfter anderen dabei behilflich sein können, selbst einen prophetischen Eindruck oder ein prophetisches Wort zu empfangen. Meine Aufgabe war und ist es dabei dem Fragenden dabei zu helfen in seinem Herzen das Reden Gottes zu hören. Wenn dies möglich ist, brauchen diese kein weiteres prophetisches Wort durch mich vermittelt. Gott ist in diesem Geschehen so treu, dass es mich immer wieder zum Erstaunen bringt. Das schönste dabei: ich selbst als Prophet oder prophetisch Begabter trete dabei in den Hintergrund – so wie es sein sollte.

Mein Wunsch ist es, dass die prophetische Gabe mehr und mehr geschärft und gereift unter uns aktiv ist. Mein Wunsch ist aber noch viel mehr, dass die prophetische Gabe dazu dient die Christen in eine solche Beziehungsqualität mit Gott zu führen, dass die prophetische Gabe nicht mehr das Schwergewicht unter uns hat, wie sie es (leider) in manchen Kreisen von uns Christen hat. Eben das, was wir hier lesen:
Epheser 4:11 Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, 12 zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, 13 bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi. (rev. Elb.)

Lasst uns also die prophetische Gabe nicht verachten und uns nach Weissagung ausstrecken – so wie es Paulus uns rät. Lasst uns aber auch abtun, was nicht aus Gott ist, oft nur allzu menschlich ist oder gar die gute Gabe Gottes lästert.

Charly

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Autor: Charly

Wer bin ich? Kurz gefasst ein Mann, ’60er Baujahr, verheiratet in zweiter Ehe ohne Kinder. Seit 1978 bin ich bekennender Christ, nachdem ich ein Gotteserlebnis hatte. Bei den vielen Schubladen, die sich jetzt anbieten erschaffe ich eine neue und benenne mich als „leidenschaftlicher Christ“ oder „leidenschaftlicher Nachfolger Jesu“.

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